Wirtschaft
Russland Präsident Wladimir Putin und Sberbank-Chef German Gref.
Russland Präsident Wladimir Putin und Sberbank-Chef German Gref.(Foto: REUTERS)

EU bereitet Strafmaßnahmen vor: Sanktionen treffen Russlands Banken

Von Jan Gänger

Die Europäische Union nimmt den Finanzsektor Russland ins Visier. Wahrscheinlich wird den größten Banken des Landes der Zugang zum europäischen Kapitalmarkt erschwert. Das dürfte der gesamten russischen Wirtschaft spürbar schaden.

Von den geplanten Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union wird Russland eine Maßnahme besonders weh tun: Russischen Banken soll der Zugang zu den europäischen Kapitalmärkten erschwert werden. Damit dürften sie früher oder später in große Schwierigkeiten geraten - mit weitreichenden Folgen für die gesamte russische Wirtschaft.

Die EU will dem Vernehmen nach Banken treffen, die sich mehrheitlich im Staatsbesitz befinden. Damit würden mit der Sberbank, der VTB und der Gazprombank die drei größten Geldinstitute des Landes auf der Sanktionsliste stehen. Vierter im Bunde wäre die Wneschekonombank, die Auslandsschulden des Staates sowie Mittel der Rentenversicherung verwaltet.

Diese Banken sind auf ausländische Kredite angewiesen. In den kommenden drei Jahren müssen sie "Bloomberg" zufolge Anleihen zurückzahlen, die ein Volumen von 15 Milliarden in ausländischen Währungen (Dollar, Euro und Franken) haben. Im selben Zeitraum werden Schulden in Höhe von lediglich 9,7 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 203 Millionen Euro) fällig. In den kommenden 30 Jahren beläuft sich das Volumen der fällig werdenden Schulden auf 50 Milliarden in ausländischen Währungen.

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Verlieren die Banken den Zugang zu europäischen Kapitalmärkten, wird es für sie teurer, sich Kapital zu leihen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass die USA nachziehen und russischen Banken die Refinanzierung ebenfalls erschweren. Das hätte nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Institute, sondern auf die ganze Volkswirtschaft. Denn damit dürften sich Kredite in Russland weiter verteuern.

USA kündigen neue Sanktionen an

Der ehemalige russische Premier Michail Kasjanow malt bereits ein düsteres Bild: "Wenn es Sanktionen gegen den gesamten Finanzsektor gibt, wird die Wirtschaft innerhalb von sechs Monaten zusammenbrechen." Kasjanow war während der ersten Präsidentschaft Putins Ministerpräsident des Landes und stellte sich nach seiner Entlassung im Jahre 2004 gegen den Staatschef.

Unabhängig davon, wie realistisch diese Prognose ist: Russlands Wirtschaft leidet unter den bereits verhängten Sanktionen. Der Rubel verliert an Wert, die Kapitalflucht beschleunigt sich - und die russische Zentralbank muss den Leitzins auf acht Prozent erhöhen, obwohl dem Land eine Rezession droht. Dazu halten sich ausländische Investoren angesichts der ungewissen Entwicklung mit Engagements in Russland zurück, Aktionäre trennen sich von russischen Papieren. Der RTS-Index hat seit Jahresbeginn knapp 15 Prozent verloren. Die Sanktionen dürften dafür sorgen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Auch von den USA werden neue Schritte gegen Russland erwartet. "Wir haben bislang keinen strategischen Richtungswechsel von Putin gesehen. Genau deshalb halten wir es für absolut notwendig, weitere Maßnahmen zu ergreifen", sagte der stellvertretende US-Sicherheitsberater Antony Blinken. Die amerikanischen Strafmaßnahmen sollen in Folge der europäischen bekanntgegeben werden.

Washington hat bereits für bedeutende russische Unternehmen den Zugang zum US-Kapitalmarkt stark eingeschränkt, darunter für den Ölgiganten Rosneft und den Gaskonzern Novatek.

Quelle: n-tv.de

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