Wirtschaft

Genzyme lehnt Kaufofferte abSanofi zettelt Machtkampf an

30.08.2010, 18:00 Uhr

Im Kampf um das US-Biotechfirma Genzyme wird es ernst. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis legt nach gescheiterten Fusionsversuchen ein Übernahmeangebot vor. Für Genzyme kommt ein Zusammenschluss jedoch nicht in Frage. Damit zeichnet sich der Versuch einer feindlichen Übernahme ab.

Sanofi
Der Preis ist nicht heiß genug: Bislang werben die Franzosen vergebens für sich. (Foto: Reuters)

Der US-Biotechnologiekonzern Genzyme hat sein Schweigen gebrochen und den milliardenschweren Übernahmevorstoß des französischen Pharmariesen Sanofi-Aventis zurückgewiesen. "Die Genzyme-Führung ist nicht bereit, in Fusionsverhandlungen mit Sanofi auf Basis eines opportunistischen Vorhabens einzusteigen", schrieb Genzyme-Chef Henri Termeer in einem Brief an Sanofi-Chef Chris Viehbacher. Der Ausgangspreis für Verhandlungen sei unrealistisch, Genzyme werde dramatisch unterbewertet. Genzyme habe nicht vor, Verhandlungen mit Sanofi aufzunehmen. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt, die Firma zu verkaufen.

Nach wochenlangen Spekulationen hatte Sanofi am Wochenende seine 18,5 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte auf den Tisch gelegt. Die Franzosen wollen pro Genzyme-Aktie 69 Dollar in bar zahlen. Genzyme wäre seit dem Kauf von Aventis von vor sechs Jahren die größte Übernahme für Sanofi. Der Konzern rechnet mit erheblichen Synergien. Schon nach dem ersten Jahr nach Vollzug der Transaktion werde der Zukauf zum Gewinn je Aktie beitragen.

Die Pläne zur Übernahme von Genzyme waren zuerst im Juli durchgesickert. Zuletzt war in mit dem Vorgang vertrauten Kreisen zu hören, dass sich beide Seiten nicht auf einen Eingangspreis für die Aufnahme von Verhandlungen einigen konnten. Genzyme peilt danach einen Startpreis für weitere Gespräche von mindestens 75 Dollar je Aktie an. Manche Anteilseigener seien sogar erst ab einem Preis von 80 Dollar zu einem Verkauf bereit, hieß es.

Feindliche Offerte wahrscheinlicher

Sanofi bevorzugt nach eigenen Angaben zwar die Zusammenarbeit mit dem Genzyme-Management bei der Offerte. Sanofi-Chef Viehbacher deutete aber an, er könne sich auch direkt an die Aktionäre des US-Konzerns wenden. "Wir wollen zeigen, das wir entschlossen sind und es ernst meinen, ohne dass wir geradeheraus drohen", sagte er der französischen Zeitung "Les Echos". Da werde noch einige Zeit verstreichen. Die Offerte beinhaltet Sanofi zufolge einen Aufschlag von rund 40 Prozent zum Genzyme-Kurs am 1. Juli. Die Genzyme-Aktie legte am Montag im US-Börsenhandel zeitweise knapp vier Prozent auf 70,20 Dollar zu. Sanofi-Papiere legten leicht zu.

Genzyme
Biotech als luktrativer Ersatz bei auslaufenden Patenten. (Foto: REUTERS)

Analysten zufolge steigt nun die Wahrscheinlichkeit, dass Sanofi die Genzyme-Aktionäre direkt anspricht. "Es erhöht sich nun die Wahrscheinlichkeit, dass Sanofi-Aventis feindlich vorgeht", kommentierten die Analysten von Jefferies International. Manche Experten sind skeptisch, ob noch ein "weißer Ritter" auftaucht, der Genzyme mit einer Gegenofferte zur Seite stehen könnte. "Ich glaube nicht, dass es da draußen einen weißen Ritter gibt. Ich denke, dass wird das einzige Angebot sein, das die Genzyme-Aktionäre bekommen werden", sagte Navid Malik von Matrix Corporate Capital in London.

Einige Analysten erwarten, dass es bei einem Preis von 74 bis 77 Dollar je Aktie zu einer Vereinbarung kommt. Sollte Sanofi allerdings seinen Versuch aufgeben, wird mit einem Kursrutsch der Genzyme-Aktie auf etwas über 50 Dollar gerechnet.

Quelle: rts