Wirtschaft
(Foto: imago/ITAR-TASS)

Investments für Mutige: Saures vom Zuckerhut und aus Russland

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Brasilien und Russland stecken in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Erfahrene Anleger wissen jedoch: Man sollte dann zugreifen, wenn die Lage am schlechtesten ist.

Investoren flüchten aus den Schwellenländern: Der MSCI Emerging Markets Index, der die Kursentwicklung von Aktien aus 23 aufstrebenden Ländern, von Brasilien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten abbildet, ist auf das Niveau von Mitte 2009 abgerutscht. Nachdem Investoren jahrelang Geld in die Emerging Markets gepumpt hatten, weil die Wirtschaft expandierte, die Zinsen attraktiv waren und die dortigen Währungen gegenüber dem Dollar aufwerteten, dreht sich nun die Spirale in die andere Richtung. Die Zinswende in den USA macht's möglich. Ein Paradebeispiel für die Talfahrt bei Aktien aus den Emerging Markets ist der brasilianische Aktienmarkt, gemessen am Ibovespa. Er ist auf das Niveau vom Frühjahr 2009 gesunken.

Investoren befürchten, dass sich die Perspektiven für die brasilianischen Unternehmen angesichts der schweren Rezession weiter eintrüben. Im dritten Quartal war die Wirtschaft um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft, nach einem Minus von drei Prozent für das zweite Quartal. Damit steckt das Land in der schwersten Rezession seit 25 Jahren. Brasilien bekommt die schwache Nachfrage aus China und den Einbruch der Rohstoffpreise, wie für Kupfer und Eisenerz, erheblich zu spüren. Entsprechend ist die Arbeitslosenquote auf knapp acht Prozent und die Inflationsrate auf 10,5 Prozent nach oben geschossen.

Die hohe Inflation wird auch durch den Einbruch des brasilianischen Real angeheizt, hat er doch gegenüber Ende 2014 um mehr als 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. Die Ratingagenturen reagieren auf die schlechte wirtschaftliche Lage. Zuletzt hat die Agentur Moody's angekündigt, das Rating zu überprüfen, womit eine Abstufung auf Ramschniveau bevorsteht. Auf das Niveau hatte die Ratingagentur Standard & Poor's Brasilien bereits Anfang September abgestuft.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff steuert dagegen und drückt trotz der schwachen Konjunktur auf die Ausgabenbremse. Das begrüßen Investoren, weshalb sich der Real in den vergangenen Monaten stabilisiert hat. Wegen der hohen Inflation könnte die Notenbank zwar kurzfristig die Zinsen von aktuell 14,25 Prozent noch etwas anheben. Bei einer allmählichen Beruhigung an der Preisfront dürfte die Notenbank die Zinsen anschließend aber wieder senken, was die Konjunktur und damit den Aktienmarkt stützen sollte. Von großer Bedeutung ist zudem, dass sich die Wirtschaft in China erholt. Damit verbessern sich die Perspektiven für den brasilianischen Exportsektor.

Russische Wirtschaft hängt am Ölpreis

Ebenso wie die brasilianische Wirtschaft steckt auch die russische in einer schweren Rezession. Das Land bekommt vor allem den Verfall des Ölpreises zu spüren. Hinzu kommen die Sanktionen des Westens. Für zusätzlichen Druck auf die russische Wirtschaft sorgen die Sanktionen Russlands gegen die Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets Ende November.

Im dritten Quartal ist die Wirtschaft um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Zuletzt lag die Inflation bei herben 15 Prozent, weshalb Notenbankchefin Elvira Nabiullina die Zinsen bei der jüngsten Sitzung bei elf Prozent belassen hat. Die Probleme Russlands spiegelt der russische Rubel deutlich wider. Er ist aktuell wieder auf über 70 Rubel je Dollar gefallen, womit das Rekordtief von 80 Rubel je Dollar vom Dezember 2014 zusehends näher rückt. Wegen Basiseffekten soll die Inflation im ersten Quartal 2016 laut Nabiullina allerdings auf rund acht Prozent zurückgehen. Das würde ihr die Möglichkeit geben, ab dem Frühjahr allmählich die Zinsen zu senken.

Gestützt wird der Aktienmarkt durch den schwachen Rubel, verbessert sich doch die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Unternehmen im Export. Entsprechend tendierte der Aktienmarkt, gemessen am Micex Index, etliche Monate lang seitwärts. Damit der Micex wieder deutlich nach oben dreht, braucht er Rückenwind von steigenden Ölpreisen. Denn dann würden die Papiere der Öl- und Gasmultis Gazprom und Lukoil, zwei der mit weitem Abstand schwersten Werte aus dem Index, deutlich nach oben klettern.

Investmentalternativen

Mutige Anleger können sich daher gegen den Trend in Russland oder Brasilien engagieren. Eine Möglichkeit ist den Lyxor ETF Brazil (Ibovespa) zu erwerben. Das verwaltete Fondsvermögen beläuft sich auf rund 200 Millionen Euro, während sich die Managementgebühr auf 0,65 Prozent p.a. beläuft.

Für Russland kommt der Lyor ETF Russia (Dow Jones Russia GDR) in Frage (Managmenetgebühr 0,65 Prozent p.a.). Als Alternative bietet sich der db x-trackers MSCI Russia Capped Index ETF (Managementgebühr 0,65 Prozent p.a.) an, der die Wertentwicklung von rund 85 Prozent des investierbaren Aktienuniversums des Landes abbildet.

Dieser Text ist keinerlei Empfehlung, die genannten Produkte zu kaufen oder zu verkaufen.

Quelle: n-tv.de

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