Wirtschaft
Jürgen Geißinger und Maria-Elisabeth Schaeffler während einer Hauptversammlung von Continental.
Jürgen Geißinger und Maria-Elisabeth Schaeffler während einer Hauptversammlung von Continental.(Foto: picture alliance / dpa)

Geißinger geht: Schaeffler trennt sich vom Chef

Wechsel an der Spitze des Autozulieferers Schaeffler: Der bisherige Vorstandschef Geißinger verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Wer längerfristig an die Spitze berufen wird, muss sich erst noch zeigen.

Seit Wochen schon brodelte es in der Gerüchteküche, nun ist es offiziell: Der Autozulieferer und Conti-Großaktionär Schaeffler trennt sich mit sofortiger Wirkung von Vorstandschef Jürgen Geißinger. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers übernehme Finanzvorstand Klaus Rosenfeld zusätzlich den Vorstandsvorsitz, teilte Schaeffler mit.

"Mit dem beschlossenen Wechsel an der Führungsspitze ist der Weg frei, um die Schaeffler-Gruppe und ihre Führung für die Zukunft neu auszurichten", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Georg Schaeffler. Damit sei aber nur eine personelle Neuausrichtung gemeint. Tiefergehende Veränderungen seien nicht geplant. "An den grundsätzlichen Leitlinien ändert sich erstmal nichts", betonte der in den USA lebende Familienerbe und Anwalt in einer Telefonkonferenz. "Nuancierungen" könnten sich allerdings verschieben. Man wolle sich das eine oder andere Thema "unemotional" ansehen, sagte Schaeffler.

Er danke Geißinger für seinen Einsatz, fuhr Schaeffler fort. Man trenne sich "in gegenseitigen Einvernehmen". Der Schritt sei wegen der Spekulationen um die Zukunft des Firmenchefs um drei Monate vorgezogen worden. In Firmenkreisen war von einer Vertrauenskrise als Grund für Geißingers Ausscheiden die Rede. Der Manager habe zuletzt nicht mehr das Vertrauen der Schaeffler-Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler gehabt. Ein Brief an die Belegschaft ließ schon ahnen, dass Geißingers Tage gezählt waren. "Das Interesse unseres Unternehmens und seiner Mitarbeiter steht dabei über den Interessen einzelner", hieß es dort. Damit entstand der Eindruck, Geißinger stehe Veränderungen im Wege.

Interims-Chef Rosenfeld stellte klar, dass er den Kurs nicht ändern wolle. "Wenn irgendjemand den Eindruck gewonnen hätte, dass ich für Schrumpfen stehe, dann kann ich ganz eindeutig sagen: Das ist nicht der Fall", betonte Rosenfeld in der Telefonkonferenz. Dennoch dürften die Milliardenschulden nicht aus den Augen verloren werden. "Wir werden einen Weg finden, wie die Verschuldungssituation weiter optimiert werden kann - nach den Erfolgen der letzten zwei Jahre."

Zwischen Geißinger und dem ehemaligen Investmentbanker Rosenfeld war es Unternehmenskreisen zufolge häufiger zu Konflikten gekommen. "Da sind zwei starke Persönlichkeiten aufeinandergeprallt", sagte ein Vertrauter. "Aber sie haben professionell zusammengearbeitet." Während der selbstbewusste Ingenieur Geißinger unbeirrt auf Wachstum pochte, drängte Finanzchef Rosenfeld mehr auf den Schuldenabbau. Geißingers Kurs habe vor allem Georg Schaeffler nicht gepasst, der die Zügel immer mehr in die Hand nehme, berichtete ein Schaeffler-Vertrauter. Der Abschied habe sich daher länger abgezeichnet.

Der Vertrag von Geißinger lief ursprünglich noch bis Ende 2014. Der 54-jährige Manager stand seit 1998 an der Spitze von Schaeffler und hat den Konzern in dieser Zeit zu einem weltweit tätigen Unternehmen geformt. Unter seiner Führung hatte der Zulieferer 2009 versucht, den sehr viel größeren Reifenhersteller Continental zu übernehmen – und sich an den dafür aufgenommenen Schulden fast verhoben.

Hoher Schuldenberg

Der schuldenfinanzierte Deal, der damals ein Volumen von rund 18 Milliarden Euro hatte, ging nach hinten los, da sich die Kreditmärkte wegen der ausbrechenden Finanzkrise massiv verschlechterten. Seitdem sitzt das Familienunternehmen auf seinem milliardenschweren Schuldenberg. Die Conti-Beteiligung, die zu Anfang bei 90 Prozent lag, haben die Franken mittlerweile in mehreren Schritten reduziert, um Teile ihrer Verbindlichkeiten zu begleichen. Derzeit liegt der Anteil bei rund 46 Prozent. Damit bleibt Schaeffler weiterhin Hauptaktionär von Conti. Das Unternehmen betont, den verbleibenden Conti-Anteil langfristig zu halten.

Zuletzt hatte sich Schaeffler Mitte September von 7,8 Millionen Aktien des Reifenherstellers getrennt und dafür rund 950 Millionen erlöst. Zusammen mit einer Sondertilgung konnte der Schuldenberg damit zwar reduziert werden, liegt aber immer noch bei rund 9 Milliarden Euro.

Über Geißingers Zukunft war schon seit einigen Wochen spekuliert worden. Das "Manager-Magazin" hatte Mitte September berichtet, die beiden Familiengesellschafter Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler hätten sich bereits auf einen Nachfolger verständigt und seien mit diesem sogar bereits einig. Demnach sollte Klaus Deller - bisher im Vorstand des Münchner Zulieferers Knorr-Bremse für das Geschäft mit Nutzfahrzeugsystemen zuständig - Geißinger ablösen. Das "Handelsblatt" berichtete nun, Knorr-Bremse wolle Deller nicht ziehen lassen.

Quelle: n-tv.de

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