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Hitler-Vergleiche in Nikosia: Für Finanzminister Schäuble sind die Zyprer selbst schuld an der Misere.
Hitler-Vergleiche in Nikosia: Für Finanzminister Schäuble sind die Zyprer selbst schuld an der Misere.(Foto: picture alliance / dpa)

Nazivergleiche und Merkel als Hitler: Schäuble weist Zyprer zurecht

Für viele Zyprer sind Deutschland und die EU Schuld an den schmerzhaften Einschnitten im Hilfspaket für ihre Insel. Einige verunglimpfen Bundeskanzlerin Merkel gar als neuen Hitler. Für Finanzminister Schäuble sind dagegen die Zyprer selbst schuld an ihrer Misere – ihr Geschäftsmodell ist schlicht gescheitert.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Verständnis für die Demonstrationen der Zyprer gegen die internationalen Geldgeber, hält ihren Unmut aber für völlig unbegründet. Zypern müsse erhebliche Einschränkungen erleiden, sagte Schäuble im Südwestrundfu nk. "Aber nicht wegen Europa, nicht wegen des Internationalen Währungsfonds, sondern weil man in Zypern über Jahrzehnte ein Bankenmodell hatte, was nicht mehr zahlungsfähig ist", betonte der CDU-Politiker. In einer solchen Situation suchten die Zyprer jemanden, auf den sie ihre Wut projizieren könnten, sagte der Finanzminister. "Das geht auch wieder vorüber." Schließlich sei der Unmut "völlig unbegründet".

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitler-Bart, Finanzminister Wolfgang Schäuble als Zuchtmeister der Finanzwirtschaft in Europa: Bei den Demonstrationen in Nikosia und in den griechisch-zyprischen Medien wurden mitunter alle Register gezogen, um die als Diktat empfundenen deutschen Forderungen im Umgang mit der Krise zu kritisieren.

Im Alltag auf den Straßen zeigt sich das Meinungsbild deutlich differenzierter. "Wir wissen, dass Merkel wohl ihre Wahlen verlieren würde, wenn sie Geld in einem Fass ohne Boden versenken würde", meint eine Geschäftsfrau in Nikosia. "Meine Wut ist so groß. Auf unsere Politiker, unsere Banken, auch auf mich selbst", sagt Kyriakos Angelides, ein Mitarbeiter eines zyprischen Wirtschaftsverbandes. "Niemand sonst geht Probleme mit so großer Ernsthaftigkeit an. Ich habe so großen Respekt vor den Deutschen."

"Europa zerstört unser Geschäftsmodell"

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Der zyprische Finanzminister Ioannis Kasoulides warf Europa dagegen vor, Zypern in die Bredouille gebracht zu haben. "Europa gibt vor uns zu helfen. Doch der Preis ist zu hoch: Es bedeutet nichts weniger als die brutale Zerstörung unserer Geschäftsmodells", sagte er der französischen Zeitung "Les Echos". Der Bankensektor Zyperns ist mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zur Wirtschaftsleistung von acht zu eins doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Er soll nun gesundschrumpfen.

Schäuble wies auch den Vorwurf der Ungleichbehandlung Zyperns in der Euro-Krise zurück. "Wir haben in Griechenland den Gläubigern sagen müssen, ihr müsst einen erheblichen Teil eurer Schulden abschreiben." Denn ohne einen solchen Schuldenschnitt hätte Griechenland niemals eine Chance gehabt, wieder auf eine finanziell tragfähige Grundlage zu kommen. Die Massnahmen in Zypern liefen nun auf etwas Ähnliches hinaus.

"Keine verletzenden Töne aus Berlin"

Schäuble stützte zudem Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem: "Ich glaube, Dijsselbloem ist missverstanden worden." Er habe das ausgedrückt, was seit der Finanz- und Bankenkrise seit 2008 alle gesagt hätten: "Wenn Sie einen Schuldner haben, der am Ende zahlungsunfähig ist und Sie haben Forderungen, dann können Sie auch Geld verlieren."

Mit Unverständnis reagierte Schäuble dagegen auf Kritik von Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn am Euro-Krisenmanagement Deutschlands. Es gebe keine verletzenden Töne aus Berlin: "Wie kommt er eigentlich dazu?" Luxemburg sei ein erfolgreicher Bankplatz: "Deswegen hat ja auch niemand außer Herrn Asselborn selber einen Vergleich gezogen zwischen Zypern und Luxemburg."

Zudem nehme Luxemburg beim Austausch steuerlicher Informationen für sich Sonderregelungen in Anspruch, sagt Schäuble: "Da muss dann auch nicht derjenige, der Sonderregelungen für sich in Anspruch nimmt, die anderen kritisieren. Das ist auch nicht in Ordnung."

Quelle: n-tv.de

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