Wirtschaft

Neue Steuer auf FinanzgeschäfteSchäuble wird konkret

16.12.2010, 14:14 Uhr

Im Bundesfinanzministerium geraten offenbar größere Räder ins Rollen. Parallel zum EU-Gipfel in Brüssel holt Minister Schäuble die Idee von einer flächendeckenden Finanzabgabe aus der Schublade. Die Bundesregierung will die Märkte an den Krisenkosten beteiligen. Ob die Transaktionssteuer tatsächlich kommt - und wen sie trifft -, ist noch völlig offen.

RTR2GLIK
Dann eben ohne die Amerikaner: Wolfgang Schäuble. (Foto: Reuters)

Die geplante

Finanztransaktionssteuer nimmt unter den en von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble offenbar konkretere Formen an. Der dafür vorgesehene Steuersatz

könnte bei 0,01 Prozent liegen, bestätigten Koalitionskreise entsprechende Berichte.

Zur Debatte standen zuletzt auch Steuersätze von 0,05 und 0,1 Prozent. Im Mai hatte Schäuble mit Blick auf die mangelnde internationale Unterstützung noch an einer weltweiten Einführung einer solchen Abgabe gezweifelt.

"Ich fürchte, die Amerikaner wollen keine Finanztransaktionssteuer", hatte der Finanzminister die Lage vor dem beschrieben. Auch auf europäischer Ebene blieb die Resonanz auf die Berliner Vorstöße gering. Seitdem arbeitet Deutschland an den Plänen weitgehend im Alleingang.

Offen ist bislang unter anderem, ob und wie stark Kleinsparer betroffen

wären. Die Finanzbranche lehnt die neue Abgabe vehement ab. Die Banken gehen davon

aus, dass die Steuer ohnehin nicht kommt, da es auf EU-Ebene bisher keinen Konsens

dafür gibt. Die Pläne sind noch in einem frühen Stadium. Bisher werden sie zunächst nur auf ihre generelle Machbarkeit

hin geprüft.

Einsame Pläne aus Berlin?

Die Finanzmarktsteuer ist Teil des und käme zusätzlich zur . Schäuble strebt von 2012 an jährliche

Einnahmen von 2 Mrd. Euro an. Damit sollen die Finanzindustrie an den Kosten

der Finanzkrise beteiligt und der Bundeshaushalt entlastet werden.

Eine Transaktionssteuer könnte sämtliche Geschäfte und Produkte

auf den Finanzmärkten betreffen - von Aktien über Devisen, Anleihen, Rohstoffen

bis hin zu anderen riskanten Papieren. Die Steuer würde aber nicht nur Zocker treffen,

sondern auch solide Marktakteure. Banken könnten die Steuer bei jedem Kauf- und

Wiederverkauf auf Kunden abwälzen, sagen Kritiker. Befürworter sehen dagegen keinen

Schaden für die Wirtschaft und für Kleinanleger.

Der Staat würde mit einer Finanztransaktionssteuer wohl weit mehr

einnehmen als jene im Sparpaket vorgesehenen 2 Mrd. Euro. Schätzungen gehen davon aus,

dass bei einem Steuersatz von 0,01 Prozent Einnahmen zwischen 12 und 20 Mrd.

Euro zu erwarten sind. Bei einem Steuersatz von 0,05 Prozent könnten es etwa 30

Mrd. Euro sein.

Details aus der Wilhelmstraße

Die zuständige Referatsleiterin aus der Steuerabteilung des Finanzministeriums

macht einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge deutlich, dass die Regierung keine Lenkungswirkung auf die Finanzgeschäfte

ausüben wolle. Es gehe allein darum, zusätzliche Einnahmen für den Staat zu erzielen.

Um die Steuer auf eine breite Bemessungsgrundlage zu stellen

und möglichst wenige Ausweichreaktionen hervorzurufen, will das Ministerium dem

Bericht zufolge alle Finanzprodukte besteuern. Betroffen wäre damit auch der bisher

weitgehend unregulierte Markt für außerbörslich gehandelte Kreditderivate (OTC/"Over

the Counter").

Offen ist, ob neben Frankreich andere europäische Partner mitziehen.

Schäuble strebt eine Einigung zunächst auf EU-Ebene an. Gelingt dies nicht, soll

dies wenigstens im Kreis der 16 Euro-Ländern erreicht werden. Bei einer Einführung nur in der Euro-Zone

würde allerdings der wichtige Finanzplatz London verschont werden. Nach Einschätzung von Beobachtern wären massive

Ausweichreaktionen und Kapital-Abwanderungen die Folge. Der Finanzplatz Frankfurt würde wohl deutlich an Attraktivität verlieren.

Zu schnell für die Welt

In der Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen (G20) hat eine

solche Steuer bisher keine Chance. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wiederum

rät von einer Finanztransaktionssteuer ab und empfiehlt eine .

Das Aufkommen aus einer Aktivitätssteuer wäre weit geringer als bei einer Transaktionssteuer. Auch würden Spekulationen weniger stark eingedämmt. Denn es würden hier nur die

Gewinne und Gehaltszahlungen von Bankern besteuert.

SPD-Finanzexperte Carsten

Sieling begrüßte den Vorstoß des CDU-Politikers Schäuble: "Vom Grundsatz her ist es sehr positiv, dass

sich die Bundesregierung endlich bewegt." Die SPD habe bereit im Januar entsprechende

Anträge eingebracht. Über die Höhe und Wirkung des Steuersatzes sollte aber noch

geredet werden. Es sei nicht richtig, die Einnahmen nur zur Etatsanierung zu nutzen.

Es müsse auch eine Lenkungswirkung geben.

Quelle: mmo/dpa