Wirtschaft

Dicke Rückzahlung an Areva: Scheiden tut Siemens weh

Aus dem erhofften Milliardenerlös für Siemens wird nichts: Nach dem Ausstieg aus dem gemeinsamen Kraftwerksbau mit der französischen Areva müssen die Münchener mehr als eine halbe Milliarde ihres Verkaufserlöses an den bisherigen Partner zurückzahlen. Damit fällt die Siemens-Bilanz des ersten Quartals doch nicht so gut aus wie erhofft.

Areva am Drücker
Areva am Drücker(Foto: REUTERS)

Wie gewonnen, so fast zerronnen: Das Internationale Schiedsgericht hat Siemens eine hohe Rückzahlung an seinen ehemaligen Kernkraftpartner Areva aufgebrummt. Der Technikkonzern hat nach Einschätzung des Gerichts seine vertraglichen Pflichten gegenüber den Franzosen im Rahmen des Reaktor-Joint-Ventures Areva NP nicht vollständig erfüllt. Daher muss Siemens 648 Mio. Euro plus Zinsen an Areva zurückerstatten. Die Münchner hatten zuletzt nach einem Gutachten für ihren Anteil von gut einem Drittel an dem Gemeinschaftsunternehmen aus Paris gut 1,5 Mrd. Euro erhalten. Nun muss Finanzchef Joe Kaeser gemäß dem Gerichtsentscheid einen guten Teil im laufenden Quartal zurücküberweisen.

Allerdings stutzte das Schiedsgericht das umstrittene Wettbewerbsverbot zwischen den beiden Großkonzernen zurück. Ursprünglich hatten Siemens und Areva vereinbart, nach dem Ende der Kooperation sich acht Jahre lang keine Konkurrenz beim Bau von Atomkraftwerken zu machen. Das Schiedsgericht verkürzte die Frist nun auf vier Jahre. Über die Konkurrenzklausel entscheidet allerdings noch die EU-Kommission separat.

Bäumchen wechsle dich

Areva hatte im April 2009 das Schiedsgerichtsverfahren angestrengt, nachdem Siemens seinen Ausstieg aus der Kooperation mit den Franzosen angekündigt hat. Siemens-Chef Peter Löscher wollte seinerzeit lieber ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Reaktoren mit der russischen Rosatom eingehen. Bis 2030 würden weltweit 400 neue Atomreaktoren gebaut, über eine Billion Euro investiert, hatte er seinerzeit vorausgesagt. Zusammen mit Rosatom begann er die Planungen für einen neuen Atomtechnik-Giganten als fünften Anbieter neben Areva, Mitsubishi, der Toshiba-Tochter Westinghouse und dem Bündnis von GE und Hitachi.

Die Zukunft dieser Pläne ließ Siemens zunächst offen. Fachleute erwarten allerdings, dass Siemens trotz der zwischenzeitlich wieder erwachten Begeisterung für die Atomenergie nun nach den Havarien von Fukushima seinen Neueinstieg in die Technologie abbläst.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen