Wirtschaft
Madeleine Schickedanz und Ehemann Leo Herl 2006 in Berlin.
Madeleine Schickedanz und Ehemann Leo Herl 2006 in Berlin.(Foto: dpa)

"Die Bank bin ich": Schickedanz hatte blindes Vertrauen

Im Sal-Oppenheim-Prozess berichtet Leo Herl, der Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, von dem grenzenlosen Vertrauen, das seine Ehefrau ihrem Vermögensberater Josef Esch entgegengebracht hat. Und von dessen Sonnenkönig-Attitüden.

Ein wichtiger Zeuge hat vor Gericht beim Sal-Oppenheim-Prozess den Immobilienmanager Josef Esch als den eigentlich Handelnden der Bank beschrieben. Esch habe versichert, dass in der Bank nichts passiere, was er nicht wolle, sagte Leo Herl, der Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, vor dem Landgericht Köln. Esch sei mit der Attitüde aufgetreten "Die Bank bin ich". Ein Telefonat mit dem Bankchef Matthias Graf von Krockow habe er durchaus auch mal mit den Worten beenden können: "Matthias, das machen wir dann mal so!" Nach Herls Darstellung spielte es deshalb für ihn keine Rolle, dass Esch in der Bank keine offizielle Funktion gehabt habe.

Zwischen seiner Frau und Esch als ihrem Vermögensverwalter habe ein "blindes Vertrauensverhältnis" existiert, sagte Herl. "Meine Frau hat genauso wie ich blind unterschrieben, weil wir davon ausgegangen sind, dass alles zum Wohle meiner Frau war." Im Nachhinein müssten sie sich ihre Gutgläubigkeit vorwerfen. Herl sagte, sein größter Fehler sei vielleicht gewesen, dass er mit Blick auf Esch gedacht habe: "Das Wort des Kaufmanns gilt."

Schickedanz selbst hatte in der vergangenen Woche schwere Vorwürfe gegen Esch und die Bank erhoben. Sie sei getäuscht und fehlgeleitet worden, sagte die 70-Jährige als Zeugin vor Gericht. Die Verteidigung von Esch bestreitet dagegen, dass dieser so etwas wie die Graue Eminenz der Bank gewesen sei. "Josef Esch hatte keine Detailkenntnis der Strukturen des Bankhauses", hatte sein Anwalt Eberhard Kempf im vergangenen Jahr gesagt. Esch sei von der Bank genau kontrolliert worden.

Die einstige Großaktionärin hatte immer wieder Geld in den Arcandor-Konzern gepumpt, auch mittels Darlehen von Sal. Oppenheim. Als Arcandor 2009 Insolvenz anmelden musste, standen sowohl Schickedanz als auch Sal. Oppenheim vor dem Ruin. Die Kölner Privatbank verlor ihre Selbstständigkeit und gehört seit 2010 in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank.

Esch und die vier ehemaligen Chefs von Sal. Oppenheim müssen sich in Köln teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. Alle fünf Angeklagten beteuern ihre Unschuld.

Quelle: n-tv.de

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