Wirtschaft
Fed-Chef Ben Bernanke gibt zum letzten Mal die Einschätzung der US-Notenbank zum besten - die Märkte lauern.
Fed-Chef Ben Bernanke gibt zum letzten Mal die Einschätzung der US-Notenbank zum besten - die Märkte lauern.(Foto: REUTERS)

US-Notenbank bestimmt die Richtung: Anlegern wollen sich von Fed locken lassen

An den Märkten schwingen derzeit die Pessimisten das Zepter. Die positive Stimmung scheint verflogen. Und Experten schließen eine weitere Konsolidierung nicht aus. Impulse für eine Richtungsänderung werden trotz praller Agenda der Fed zugetraut.

An den weltweiten Aktienmärkten ist bereits nach wenigen Tagen die gute Laune vom Jahreswechsel verlogen. Vor allem enttäuschende Konjunkturdaten aus China sorgen für Ernüchterung. An den beiden letzten Tagen der Handelswoche korrigierten die Märkte deutlich. Zudem flüchteten Anleger aus Schwellenländern und setzten etliche Währungen erheblich unter Druck - etwa in Argentinien, Brasilien und der Türkei. Vielfach waren Notenbanken zum Eingreifen gezwungen.

Am deutschen Aktienmarkt verbuchte der Leitindex Dax allein am Freitag ein Minus von 2,5 Prozent und rauschte beinahe ungebremst durch die 9600er, die 9500er und die 9400er Marke bis auf 9392 Punkte ab. Der stärkste Tagesverlust seit Mitte Juni trug dazu bei, dass das wichtigste deutsche Börsenbarometer auch auf Wochensicht ein kräftiges Minus von 3,6 Prozent verbuchen hinnehmen musste. Euro-Stoxx-50 ist wieder unter die ehemaligen Fünfjahreshochs bei gut 3.100 Punkten zurückgefallen.

In New York verlief der Wochenausklang ähnlich: Der Dow-Jones-Index stoppte erst nach Abgaben von 2,0 Prozent bei 15.879 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 2,1 Prozent auf 1790 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,2 Prozent auf 4128 Punkte.

Mitte der Woche hatte das Lager der Pessimisten verstärkt Zulauf erhalten. Dabei mehren sich nun die Stimmen, die sogar vor einer längeren Konsolidierung oder Korrektur warnen. "Wir rechnen schon früh im ersten Quartal mit einem Top an der Wall Street", sagt Alexander Hirsekorn von Wellenreiter-Invest. "Nach der langen Hausse-Phase beträgt die statistische Wahrscheinlichkeit einer Zehn-Prozent-Korrektur nun über 80 Prozent."

Michael Riesner, Marktanalyst der UBS, rechnet am US-Markt bis Mitte Februar mit einem Rückschlag von fünf bis sieben Prozent. Er konzentriert sich zunächst auf die Marke von 1.815 Punkten beim S&P-500-Index, deren Bruch einen Rückschlag Richtung 1.772 oder sogar 1.730 Punkte auslösen könnte.

Abschied für Bernanke - Pralle Konjunkturagenda

In der neuen Woche dürfte vor allem die Ratssitzung der US-Notenbank  - letztmals mit dem scheidenden Chef Ben Bernanke - im Fokus der Anleger stehen. Knackpunkt ist die Frage, wie schnell die Fed ihre milliardenschweren Anleihenkäufe zurückfahren wird. Bislang hat sie ihre monatlichen Bondkäufe um 10 Milliarden auf 75 Milliarden Dollar gekappt. "Sollten die Notenbanker ihre Geldspritzen zunächst nicht weiter verringern, dürften die Märkte das sicherlich wohlwollend auffassen", prognostiziert Wolfgang Duwe, Stratege bei der Bremer Landesbank. Auch ein neuer Anlauf auf die 10.000 Punkte sei am deutschen Aktienmarkt denkbar. "Diese Marke hat einfach eine zu große Anziehungskraft - früher oder später wird sie fallen."

Vor dem Hintergrund der überraschend trüben Signale aus der Volksrepublik ziehen zudem weitere Wirtschaftsdaten die Aufmerksamkeit auf sich: So dürften Marktstrategen den Inflationszahlen zum Januar aus der Eurozone viel Beachtung schenken. Immerhin hat die Europäische Zentralbank den Leitzins aus Sorge vor einem zu geringen Preisauftrieb auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt.

In den USA werden neben den neuesten Zahlen zum Immobilienmarkt (Montag), auch das Verbrauchervertrauen (Dienstag) sowie die Schätzung des Wirtschaftswachstums für das vierte Quartal 2013 (Donnerstag) veröffentlicht. Commerzbank-Analyst Christoph Balz geht davon aus, dass die weltgrößte Volkswirtschaft die Haushaltskrise gut überstanden hat und im Schlussquartal mit 3,2 Prozent gewachsen ist.

Dies sollte dann aber auch den Weg für eine weiteren Reduzierung der Anleihenkäufe ebnen, sagt sein Kollege Bernd Weidensteiner. Er rechne mit einer Einschränkung der monatlichen Käufe auf 65 Milliarden Dollar.

Auf der anderen Seite könnten beruhigende Worte der Fed eine Rückkehr zu den übergeordneten Trends einläuten und die Konsolidierungen schnell beenden. Dagegen wären Andeutungen einer überraschend schnellen geldpolitischen Straffung negativ. "Wir sehen im Jahresverlauf vor allem mögliche Diskussionen über eine Leitzinserhöhung in den USA als einen Katalysator für mögliche Mittelabflüsse (im Dax)", sagt Andreas Hürkamp, Anlagestratege der Commerzbank.

Ifo-Index und Zahlenflut

In Deutschland gibt der Ifo-Index zu Wochenbeginn Hinweise zur Wirtschaftslage. Experten rechnen damit, dass sich nach dem jüngsten Plus bei den Einkaufsmanagerindizes auch die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft aufgehellt hat. Im Schnitt wird ein Anstieg des Ifo-Geschäftsklima im Januar auf 110,2 Punkte erwartet - nach 109,5 Punkten im Dezember.

Darüber hinaus kommt in Europas größer Volkswirtschaft langsam auch die Berichtssaison in Fahrt: Die Deutsche Bank legt am Mittwoch die endgültigen Zahlen für 2013 vor. Der deutsche Bankenprimus hatte bereits mitgeteilt, dass er im vierten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben hat.

Siemens wird am Dienstag nicht nur über die Zahlen zum ersten Quartal informieren, sondern lädt auch zur Hauptversammlung. Nach Querelen um Führung, Aufsichtsrat, Stellenabbau und Renditeziele erwarten die Aktionäre vom neuen Siemens-Boss Joe Kaeser nun eine Strategie, wie der Münchener Technologieriese wieder auf Erfolgskurs gebracht werden kann. Am Donnerstag steht Infineon auf dem Programm.

Währungsverluste haben nach Ansicht der Landesbank Baden-Württemberg die Bilanzen deutscher Unternehmen im letzten Jahresviertel wohl belastet. Trotz positiver Konjunkturdaten dürften die Berichte daher kaum für positive Überraschungen sorgen.

Außerhalb Deutschland öffnen unter anderem Philips, Apple, Caterpillar und Google die Bücher. Hinzu kommen Boeing, Dow Chemical und Facebook sowie Yahoo und Ford.

Bislang verlief die Berichtssaison indes eher trübe. SAP, Deutsche Bank, Nokia, Alstom und ABB oder IBM in den USA haben die Erwartungen enttäuscht.

Am Devisenmarkt lockt angesichts dieser Gemengelage der als sicherer Hafen geltende japanische Yen. Weltweit sind viele Anlagen in Yen finanziert, denn Yen-Kredite sind billig und der Markt ist wegen der expansiven japanischen Geldpolitik auf einen fallenden Yen eingestellt. Eine Gegenbewegung muss zwar immer einkalkuliert werden. Da sie viele Marktteilnehmer aber überrascht, werden in Yen finanzierte Positionen aufgelöst.

Quelle: n-tv.de

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