Wirtschaft
Samstag, 14. August 2010

Überraschung auf dem Gehaltszettel: Schlecker behält Überstunden ein

Mancher Mitarbeiter der Drogeriemarktkette Schlecker wird beim Blick auf den jüngsten Gehaltszettel nicht schlecht gestaunt haben: Überstunden werden ihnen erstmals nicht ausgezahlt, sondern zum Freizeitausgleich gesammelt. Die Gewerkschaft Verdi sieht darin einen Verstoß gegen den Tarifvertrag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei der Drogeriemarktkette Schlecker ist nach Gewerkschaftsangaben ein Streit um Überstunden entbrannt. Der Marktführer zahle den Beschäftigten seit diesem Monat keine Überstunden mehr aus und verstoße damit gegen den Tarifvertrag, sagte ein Sprecher von Verdi. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". In der Schlecker-Konzernzentrale war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Dem Bericht zufolge erfuhren die Beschäftigten auf ihrer Gehaltsabrechnung, dass ihre Überstunden nicht wie sonst ausbezahlt, sondern in ein Mehrarbeits-Depot überführt würden. "Da fast alle Schlecker- Mitarbeiter nur teilzeitbeschäftigt sind, sind sie besonders auf das Geld angewiesen", sagte der Verdi- Unternehmensbeauftragte Achim Neumann. Die Überstunden seien bundesweit und ohne Vorankündigung oder Begründung nicht ausbezahlt worden.

"Die Mitarbeiter waren überrascht und empört", berichtete Neumann. Bis zu diesem Monat seien die Stunden ausbezahlt und nur auf Wunsch der Mitarbeiter in Freizeit abgegolten worden. Betroffen seien rund 32.000 Schlecker-Angestellte. Offenbar wolle das Unternehmen Personalkosten einsparen, vermutet Neumann. Dieses Verhalten führe jedoch zu dem neuen Problem, dass durch den Abbau von Überstunden Personal in den Filialen fehle.

Verdi fordert nachträgliche Auszahlung

Verdi will nun versuchen, eine Einigung mit dem Unternehmen zu erzielen. "Wir ermutigen die Betriebsräte, ihre Mitbestimmungsrechte wahrzunehmen", sagte Neumann. Die Gewerkschaft verlangt von Schlecker, die nicht gezahlten Gelder im Nachhinein auszubezahlen.

Erst Anfang Juni war ein Streit um Dumpinglöhne und Kündigungen bei Schlecker beigelegt worden: Das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi verständigten sich auf eine umfassende Regelung für die bundesweit rund 34 000 Beschäftigten. Diese sieht vor, dass die Beschäftigten nach dem Einzelhandelstarif Baden-Württemberg bezahlt werden. Das Unternehmen hatte zuvor mit Dumping-Stundenlöhnen von 6,50 Euro für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Der Ecklohn soll nun rund 12,30 Euro betragen.

Quelle: n-tv.de

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