Mittwoch, 21. Oktober 2009
Pleite in der Oberpfalz: Schmack Biogas gibt auf
Die Schmack Biogas AG zieht überraschend die weiße Fahne auf. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit meldet der Oberpfälzer Anlagenbauer Insolvenz an. Nach dem Willen des Vorstands soll ein Umbau-Chef die Firma sanieren.
Gemeinschaftsprojekt mit Eon: In Schwandorf steht die nach Betreiberangaben zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme größte Bioerdgasanlage Europas.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Der Oberpfälzer Biogasanlagenbauer Schmack Biogas hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Die Verhandlungen mit Banken und Investoren über die Finanzierung des Unternehmens seien nach dem Zusammenbruch dreier Töchter gescheitert, teilte Schmack mit.
Der Vorstand und die Geschäftsführung wollen nun versuchen, das Schwandorfer Unternehmen in einem Insolvenzplanverfahren mit einem "Restrukturierungsvorstand" zu sanieren. Der Posten des Umbau-Chefs soll noch in der laufenden Woche besetzt werden. Am Aktienmarkt wurde die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen: Die Schmack-Aktie brach zeitweise um bis zu 80 Prozent auf 0,86 Euro ein.
Die Banken seien nicht bereit gewesen, den Rahmen für einen Betriebsmittelkredit zur Wachstumsfinanzierung im kommenden Jahr zu erweitern, erklärte ein Schmack-Sprecher. Durch eine Kapitalerhöhung waren dem Unternehmen zuletzt im Januar gut sechs Millionen Euro zugeflossen.
Schmack Biogas galt als eines der Vorzeigeunternehmen Bayerns und war in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. In den Biogasanlagen wird aus Mais oder Gülle Gas gewonnen, das dann zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt wird. Beim Bau der Anlagen arbeitete Schmack unter anderem mit Eon und RWE zusammen.
Auf halbem Weg zurück
Nach dem ersten Halbjahr 2009 hatte das Unternehmen laut Zwischenbericht noch über gut neun Millionen Euro an Liquidität verfügt. Die Gesamtschulden betrugen demnach 58 Mio. Euro. Da zuletzt am Hauptsitz in Schwandorf das Geld knapp geworden sei, seien drei Zuliefertöchter am Dienstag finanziell zusammengebrochen. In der Folge habe auch der Schmack-Vorstand den Gang zum Amtsgericht antreten müssen. Zum aktuellen Kapitalbedarf wollte sich der Sprecher zunächst nicht äußern.
In den ersten sechs Monaten 2009 hatten die Oberpfälzer ihren Verlust von gut 20 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 11,3 Mio. Euro eingedämmt. Der Umsatz war um 41 Prozent auf 42,1 Millionen Euro gestiegen. Die Unternehmensspitze hatte sich wegen günstiger Marktbedingungen und voller Auftragsbücher noch optimistisch über die Zukunftsaussichten geäußert. Den Auftragsbestand hatte Schmack zum Halbjahr mit 147,5 Mio. Euro beziffert.
Die Schmack Biogas AG unterhält unter anderem auch Standorte in Gelsenkirchen und Essen. Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und zählt nach eigenen Angaben zu den "bedeutendsten deutschen Anbieter für Biogas-Anlagen". Zeitweise war das Unternehmen im ÖkoDax der Deutschen Börse vertreten.
mmo/dpa/rts
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