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Wirtschaft

Sonntag, 22. November 2009

Neues Geheimrezept?: Schwarzarbeit hilft gegen Krise

Die Schwarzarbeit floriert in Zeiten der Rezession wie lange nicht. Das überrascht nicht. Dagegen überrascht aber die Behauptung eines Experten, die besagt, dass die Schattenwirtschaft den Abschwung dämpft. Sie stabilisiere den privaten Konsum und sei deshalb ein besonderer Segen.
98 Prozent der Putzfrauen in Deutschland arbeiten schwarz.

98 Prozent der Putzfrauen in Deutschland arbeiten schwarz.
(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

"Während die meisten Branchen unter den Folgen der Finanzkrise leiden, brummt Schwarzarbeit wie lange nicht", so Friedrich Schneider, Wirtschaftsprofessor an der Johannes-Kepler-Universität in Linz, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Mit geschätzten Einnahmen von mehr als 351 Mrd. Euro setze der illegale Sektor so viel um wie seit 2004 nicht mehr. Das sind fast 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Nach Berechnungen des renommierten Experten wird die Schattenwirtschaft allein in diesem Jahr zwischen fünf und sieben Mrd. Euro mehr umsetzen als noch 2008. Das illegal verdiente Geld fließe sofort wieder in den Konsum und dämpfe damit den Abschwung, lautet seine Schlussfolgerun-

Schneider, der zu den weltweit führenden Experten zum Thema Schwarzarbeit gehört, ermittelte die Summe unter anderem durch Befragungen und Veränderungen der Geldmenge.

"Schwarzarbeit ist ein Segen"

"Wegen steigender Arbeitslosigkeit, zunehmender Kurzarbeit und sinkenden Überstunden müssen viele Deutsche spürbare Verdienstverluste hinnehmen. Das versuchen sie auszugleichen, indem sie schwarz arbeiten", so Schneider. Umgekehrt sei in der Krise auch die Nachfrage nach Schwarzarbeit gestiegen, da sie billiger angeboten werde als reguläre Tätigkeiten.

Somit trage die Schattenwirtschaft dazu bei, den privaten Konsum zu stabilisieren. Denn drei Viertel des illegal verdienten Geldes würden sofort wieder ausgegeben und damit in den legalen Wirtschaftskreislauf gepumpt. "Wer sein Geld auf diese Weise verdient, der legt es nicht auf das Sparbuch, sondern geht damit Einkaufen", sagte Schneider. "In diesem Jahr ist die Schwarzarbeit deshalb ein Segen, ja sie wirkt wohlstandsfördernd. Sie hat den Abschwung gedämpft." Leidtragende seien Staat und Sozialversicherungen, denen Steuer- und Beitragseinnahmen verloren gingen.

Auslagerung kompletter Berufsstände 

Gang und gäbe ist Schwarzarbeit vor allem in Bau und Handwerk. 38 Prozent des illegal erwirtschafteten Umsatzes entfallen Schneider zufolge auf diesen Bereich. An zweiter Stelle folgen mit 17 Prozent die haushaltsnahen Dienstleister, vom Friseur über den Babysitter bis zur Putzfrau. "98 Prozent der Putzfrauen in deutschen Haushalten arbeiten schwarz", sagte Schneider. "Hier wurde ein kompletter Berufsstand ausgelagert." Auf Rang drei folgen mit 16 Prozent der Hotel- und Restaurantbereich.

Schwarzarbeit ist nicht nur in Deutschland auf dem Vormarsch, sondern auch in den Nachbarländern Schweiz und Österreich. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt liege hierzulande mit 14,6 Prozent aber deutlich höher. Im Vergleich zu den 30 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nehme Deutschland einen Mittelfeldplatz ein.

Die Schattenwirtschaft umfasst die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, die absichtlich vor den staatlichen Behörden verheimlicht werden. Dazu zählen nicht gemeldete Beschäftigungsverhältnisse, aber auch nicht angezeigte selbstständige Tätigkeiten oder die illegale Beschäftigung von Ausländern.

rts

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