Wirtschaft
Die Abkehr vom Mindestkurs im Januar hatte zu einer schockartigen Aufwertung des Franken geführt.
Die Abkehr vom Mindestkurs im Januar hatte zu einer schockartigen Aufwertung des Franken geführt.(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht mehr so "sicherer Hafen" : Schweizer Franken fällt auf neuen Tiefstand

Es ist der niedrigste Stand der Schweizer Landeswährung seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar. Experten sehen den Schweizer Franken nicht mehr so stark als Zuflucht vor einem unwägbaren Umfeld. Und sie nennen auch Gründe.

Der Franken hat seinen Abwärtstrend zum Euro fortgesetzt und ist auf den tiefsten Stand seit dem 15. Januar 2015 gefallen. Der Euro kostete mit 1,0983 Franken so viel wie seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) von 1,20 Franken am 15. Januar nicht mehr. Die Abkehr vom Mindestkurs hatte zu einer schockartigen Aufwertung des Franken geführt. Vorübergehend war die Einheitswährung deutlich unter der Franken-Parität gehandelt worden.

Vasileios Gkionakis, Währungsexperte bei der Bank Unicredit, führt die Schwäche des Franken darauf zurück, dass die Schweizer Währung nicht mehr so stark wie früher von einem unwägbaren Umfeld profitiere. Der Franken gilt unter Anlegern grundsätzlich als "sicherer Hafen" in turbulenten Zeiten. Allerdings hat die Wirtschaft der Schweiz derzeit mit den Folgen der Frankenfreigabe zu kämpfen, die Schweizer Güter für Ausländer stark verteuert hat.

Höhere Risikofreudigkeit an den Märkten

Andere Fachleute begründen die Schwäche des Franken auch mit der unterschiedlichen konjunkturellen Dynamik der Schweiz und der Eurozone. Der Franken dürfte sich daher weiter abschwächen und beim Euro bald die Hürde um 1,10 Franken testen. In der Eurozone brummt der wirtschaftliche Motor vor allem in der größten Volkswirtschaft Deutschland immer stärker.

In der Alpenrepublik jedoch zeigen die Signale eher nach unten. So stieg die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im August erstmals in diesem Jahr leicht an auf 3,2 von 3,1 Prozent im Monat zuvor. Zudem stagnierte das Wachstum im ersten Halbjahr.

Die höhere Risikofreudigkeit an den Märkten spreche ebenfalls gegen den Franken, schrieb die Credit Suisse in ihrem täglichen Kommentar "Investment Daily". Die Großbank erwartet, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) kommende Woche, wenn sie die vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung veröffentlicht, ihre lockere Geldpolitik mit dem negativen Einlagezins von minus 0,75 Prozent fortsetzen wird. Erwartet wird auch, dass die SNB bestätigt, bei Bedarf weiter am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine übermäßige Stärke des Frankens zu verhindern, hieß es weiter. "Das spricht auch gegen den Franken", sagte ein Händler.

Quelle: n-tv.de

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