Wirtschaft
Tiefgekühlt und unter Druck: Flüssiggastransporte sind nur auf der Langstrecke wirtschaftlich.
Tiefgekühlt und unter Druck: Flüssiggastransporte sind nur auf der Langstrecke wirtschaftlich.(Foto: REUTERS)

Fünfeinhalb Milliarden im Quartal: Shell verdient etwas mehr

Für Autofahrer mag es merkwürdig klingen, für die Branche ist es jedoch ein echtes Problem: Die leicht gesunkenen Ölpreise belasten den britisch-niederländischen Ölkonzern Shell. Der Umsatz geht zurück. Nur das Geschäft mit verflüssigtem Erdgas sorgt im Konzern für Lichtblicke.

"Fortschritt in einem schwierigen Marktumfeld": Nach wie vor bewegt sich der Brent-Preis jenseits der 100-Dollar-Marke.
"Fortschritt in einem schwierigen Marktumfeld": Nach wie vor bewegt sich der Brent-Preis jenseits der 100-Dollar-Marke.(Foto: dapd)

Der Ölkonzern Shell hat im dritten Quartal mehr Erträge im Geschäft mit Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) erzielt und insgesamt etwas besser verdient. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent auf 7,14 Mrd. US-Dollar (5,5 Mrd. Euro), wie das britisch-niederländische Unternehmen mitteilte. Der Quartalsgewinn liegt damit gut zwei Milliarden Euro über dem Nettoergebnis des französischen Wettbewerbers Total wird immer reicher .

Bereinigt um Einmaleffekte und Bestandsveränderungen standen unter dem Strich noch 6,6 Mrd. Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenerwartungen. Der so genannte CCS-Gewinn gilt innerhalb der Branche als viel beachtete Kennziffer. Er zeigt das Ergebnis auf Basis laufender Kosten und schließt Wertanpassungen der Lagerbestände sowie nicht-operative Posten aus.

An der Börse kam der Zwischenbericht zunächst gut an: Die Shell-Aktie legte leicht zu. Vorstandschef Peter Voser sagte, die Zahlen seien ein "Fortschritt in einem schwierigen Marktumfeld."

Für das Gewinnplus sorgte vor allem das LNG-Geschäft. Der Absatz in dieser Sparte legte dank des australischen Projekts "Pluto" auf fast fünf Millionen Tonnen zu. Als Zwischendividende will Shell nun 43 US-Cent je Aktie ausschütten. Insgesamt ging die Produktion über alle Produktarten um ein Prozent auf 2,98 Mio. Barrel Öläquivalent zurück.

Den Abwärtstrend beim Umsatz konnte Shell im dritten Quartal nicht bremsen. Die Einnahmen sanken von Juli bis Ende September auf 112 Mrd. Dollar - gegenüber dem Vorquartal ist das ein Rückgang um rund vier Prozent, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um mehr als neun Prozent. Grund sind vor allem gesunkene Preise beim Erdöl und Erdgas.

Außerdem macht dem Konzern die Schwemme an Schiefergas in den USA das zweite Quartal in Folge zu schaffen. Zwar sind Stromerzeuger in großem Stil von Kohle auf Gas umgestiegen, aber die US-Produktion übertrifft die Nachfrage bei weitem, was die Gaspreise auf ein Zehnjahrestief gedrückt hat. Das Überangebot aufgrund der vermehrten Förderung des in Tonsteinformationen gebundenes Erdgases hat auch den Wettbewerber BG Group belastet.

Auf der Suche nach Kunden und Käufern

Shell verdiente mit der Öl- und Gasförderung im dritten Quartal 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Während der Preis, den Shell in Nordamerika für Gas erzielte, um 38 Prozent einbrach, stieg er im Rest der Welt um 8 Prozent. "Die USA sind etwas, was sie nun angehen müssen", sagte Peter Hutton, Analyst bei der Royal Bank of Canada. Er erwarte einen neuen Anlauf zur Kostensenkung in Amerika, um die niedrigen Gaspreise wettzumachen. Verschiedene Unternehmen, darunter auch Shell und BG, hätten bereits weitere Einsatzbereiche für Gas ausgemacht. So seien zum Beispiel Busse und Lkw umgerüstet worden. Dies habe kurzfristig aber nur einen begrenzten Effekt auf die Preise.

Grund für den Produktionsrückgang waren vor allem Beteiligungsverkäufe, Förderunterbrechungen wegen des Hurrikans Isaac im Golf von Mexiko und Sicherheitsrisiken in Nigeria. Die Produktion der Niederländer lag damit unter den Erwartungen der Analysten. Sie hatten durchschnittlich ein Plus um 2 Prozent auf 3,071 Mio. Barrel prognostiziert.

Shell-Chef Voser kündigte an, der Konzern wolle vor dem Hintergrund volatiler Energiemärkte eine langfristig konsistente Strategie verfolgen.

Quelle: n-tv.de

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