Wirtschaft
Sonntag, 16. Juli 2017

Zu viele schwarze Schafe: Sicherheitsbranche kämpft um ihren Ruf

Die Uniform der Sicherheitsleute sitzt meistens akkurat. Doch hinter der Fassade gibt es in der Branche Firmen, deren Beschäftigte kaum wissen, was sie tun. Das kritisiert der Verbandsvize Kötter und fordert schärfere Kontrollen.

Der Chef des zweitgrößten deutschen Sicherheitsunternehmens, Friedrich Kötter, kritisiert die sogenannten schwarze Schafe in der Security-Branche und fordert schärfere staatliche Kontrollen. Die Zugangsvoraussetzungen seien ein "schlechter Witz", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bei einfachen Tätigkeiten reichten ein Sitzschein für 40 Stunden Unterricht bei der IHK ohne Prüfung und ein polizeiliches Führungszeugnis nach Aktenlage - schon könne man als Sicherheitsmann anfangen.

Friedrich Kötter beklagt, dass viele unseriöse Subunternehmer in seiner Branche unterwegs sind.
Friedrich Kötter beklagt, dass viele unseriöse Subunternehmer in seiner Branche unterwegs sind.(Foto: dpa)

Die Folge sei, dass sich viele unseriöse Subunternehmer mit ungenügend geschulten Kräften am Markt tummelten, die bestenfalls den Mindestlohn erhielten. "Ungefähr die Hälfte der Anbieter unserer Branche müsste man sich mal näher anschauen." Die Billigfirmen sorgten für einen scharfen Preiskampf und verschlechterten zudem das Image. "Leider weichen viele auf Subunternehmen aus, um noch billiger am Markt anbieten zu können."

Bei privaten Sicherheitsdiensten arbeiten in Deutschland rund 270.000 Beschäftigte. Kötter ist auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW), der nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent der Branche vertritt. Sein Unternehmen mit Sitz in Essen beschäftigt insgesamt knapp 19.000 Mitarbeiter, davon etwa 12.000 in der Sparte Security.

Die Zahl der Anbieter ist in den vergangenen Jahren stark auf bundesweit rund 5500 gestiegen, was auch an der hohen Nachfrage für die Bewachung von Flüchtlingsheimen lag. "Da herrschte eine Zeit lang Goldgräberstimmung", sagte Kötter. Er fordert unter anderem eine Überprüfung der Beschäftigten alle drei statt bisher alle fünf Jahre sowie eine Verlängerung des Unterrichts von 40 auf 80 Stunden, eine Abschlussprüfung und die Schaffung eines zentralen Sicherheitsgesetzes wie in anderen europäischen Ländern. Außerdem müsse die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmen erschwert oder wenigstens transparent gemacht werden, sagte er. "Die Aufträge wandern von einem Subunternehmen zum anderen, und jede Stufe will mitverdienen", kritisierte Kötter. "Wer am Ende die Arbeit macht und wie, weiß keiner mehr."

Viel Geld für Qualitätssicherung

Die jüngsten Terroranschläge zeigten, dass Angreifer sich nicht mehr auf vergleichsweise gut geschützte Infrastruktur wie Bahnhöfe oder Flughäfen, sondern auf leichter angreifbare Ziele konzentrierten. "Großveranstaltungen wie Konzerte oder Volksfeste müssen ihre Sicherheitsvorkehrungen noch sorgfältiger und umfassender treffen", sagte Kötter. Dazu gehöre gut ausgebildetes Personal.

Im eigenen Unternehmen würden alle Beschäftigten der Sicherheitsbranche für ihr jeweiliges Objekt aus- und weitergebildet, sagte Kötter. Darüber hinaus würden sie regelmäßig mindestens einmal im Monat von Qualitätssicherern aufgesucht. Das koste viel Geld - etwa drei Prozent des Umsatzes - und mindere entsprechend die Marge.

Die Köttergruppe hatte 2016 mit der Sicherheitssparte und anderen Angeboten wie Reinigung, Personal- und Hausmeisterdiensten insgesamt rund 545 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Zum Gewinn macht das Familienunternehmen keine Angaben.

Quelle: n-tv.de

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