Wirtschaft
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Börsenrückblick von Raimund Brichta: "Sie haben Ihr Ziel erreicht"

Von Raimund Brichta

Wer in eine Sackgasse gerät, sollte wenden. Das gilt nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Anleger. Denn sowohl im Straßenverkehr als auch an der Börse darf man sich auf ein Navi-Gerät nicht blind verlassen.

Wer nur geradeaus zu fahren hat, braucht kein Navigationsgerät. Ein solches ist erst dann richtig nützlich, wenn Abzweigungen und Richtungswechsel auf der Strecke liegen. Ähnlich ist es an der Börse: In Jahren, in denen es immer nur in eine Richtung geht, kann man relativ einfach auf Kurs bleiben. Gibt es aber keinen eindeutigen Börsentrend, ist es viel schwieriger, die Spur zu halten. Insofern war dieses Jahr kein leichtes Jahr, denn der Dax hat öfters die Richtung gewechselt. Trotzdem ist es mir gelungen, Sie ganz gut durchs Börsenjahr zu navigieren. Denn:

Vor einem Jahr - der Dax stand bei gut 9000 Punkten - schrieb ich in meinem Ausblick auf 2014: "... der Angriff auf den 10.000er Gipfel könnte eher erfolgen, als es die meisten von uns erwarten. Spätestens an dieser runden Marke dürfte dem Dax dann aber erst einmal die Puste ausgehen."

Zugegeben, es hat etwas länger gedauert als erwartet, bis die 10.000 erreicht wurden, aber dann lief alles wie von mir avisiert: Dem Dax ging an dieser Marke tatsächlich die Puste aus, und das gleich mehrmals.

Erfahrung statt Moden

Raimund Brichta.
Raimund Brichta.

Während des ersten größeren Kurseinbruchs im Sommer, als bei vielen Anlegern schon wieder Crash-Ängste aufkamen, schrieb ich aber, dass der Dax nach unten schlimmstenfalls den Bereich um 8000 Punkte noch einmal testen werde und dass spätestens im Lauf des Oktober das Schlimmste überstanden sein dürfte.

Tatsächlich erreichte der Leitindex am 16. Oktober bei 8355 Punkten seinen tiefsten Stand. Als die meisten dann schon wieder zitterten und weitere Kursstürze befürchteten, schrieb ich am 26. Oktober unter der Headline "Das war's!", der Dax habe sehr wahrscheinlich sein Jahrestief hinter sich und einer Jahresendrally stehe nichts mehr im Wege. Ich schloss diesen Kommentar mit den Worten: "Also: wieder auf in Richtung 10.000!” Und in der Tat wurden die 10.000 im Dezember wieder erreicht.

Auch zwischendurch ließ ich mich in diesem Jahr nicht durch die vielstimmigen Kommentare anderer sowie durch deren Hoffnungen und Befürchtungen irritieren. Beispielsweise häuften sich während der überraschend kräftigen Kurserholung nach dem ersten Einbruch, also Ende August und Anfang September, schon wieder die Anfragen von Optimisten, ob der Dax damit nicht das Signal gebe, die Korrektur sei vorüber? Ich stütze mich auf meine Erfahrung und entgegnete, dass nach einem ersten Einbruch in der Regel ein zweiter Korrekturschub folge, weshalb ich noch keine Entwarnung geben könne. Und plumps, ging's noch mal nach unten. Diesmal sogar tiefer als beim ersten Rutsch.

70 Prozent Trefferquote

Mit meiner Treffsicherheit in diesem Jahr habe ich auch wieder zurück in die Spur gefunden, von der ich im vergangenen Jahr vorübergehend abgekommen war. Anfang 2013 hatte ich nämlich darauf gesetzt, dass der Dax den Widerstand um seine alten Höchststände bei 8000 plus noch nicht nachhaltig nach oben werde durchbrechen können. Da er dies dann aber doch schaffte, musste ich im Herbst des Jahres 2013 meinen Kurs korrigieren.

Denn auch das ist wichtig bei der Börsen-Navigiererei: Wenn man in eine Sackgasse geraten ist, muss man dies erkennen und schleunigst umdrehen. Sonst fährt man gegen die Wand. Seitdem ich solche Navigationsübungen mache - nämlich seit zehn Jahren - war dies bisher aber nur in drei Jahren nötig. Sieben Mal fuhr ich dagegen auf der richtigen Spur. Ein Ergebnis von sieben zu drei also, was einer Trefferquote von 70 Prozent entspricht.

Für jemanden, der Börsenprognosen macht, ist das gar nicht schlecht. Ich kenne jedenfalls wenige, die besser sind. Ein Navi-Gerät fürs Auto aber würden Sie bei einer solchen Trefferquote vermutlich in die Tonne werfen. Und das zu Recht, denn von einem solchen Gerät darf man mehr erwarten. Deshalb werde auch ich daran arbeiten, noch besser zu werden,

verspricht Ihr Börsen-Navigator

Raimund Brichta

P.S.

Einen Ausblick aufs kommende Jahr gibt es von mir im Januar. Wer mit mir in der Zwischenzeit diskutieren möchte, kann dies hier tun.

Quelle: n-tv.de

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