Wirtschaft
Die jüngste Gewinnwarnung markiert nur einen weiteren Tiefpunkt in einer langen Reihe von Misserfolgen in Löschers Amtszeit.
Die jüngste Gewinnwarnung markiert nur einen weiteren Tiefpunkt in einer langen Reihe von Misserfolgen in Löschers Amtszeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Aufsichtsrat stürzt erfolglosen Konzernlenker: Siemens-Chef Löscher muss gehen

Peter Löscher muss den Hut nehmen. Der Siemens-Aufsichtsrat beschließt, den Vorstandschef schon Mittwoch abzusägen. Der Schritt war nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten absehbar, die Nachfolge ist noch offen.

Löschers Tage sind gezählt: In wenigen Tagen wird er seinen Hut nehmen müssen.
Löschers Tage sind gezählt: In wenigen Tagen wird er seinen Hut nehmen müssen.(Foto: dpa)

Die Siemens -Aufsichtsräte sind Vorstandschef Peter Löscher überdrüssig. "Der Aufsichtsrat der Siemens AG wird in seiner Sitzung am 31. Juli 2013 über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen", teilte der Konzern nach zwei Treffen der Kontrolleure mit. Im Klartext bedeutet das: Mittwoch wird der Aufsichtsrat Löschers Ablösung beschließen.

Nach der jüngsten Gewinnwarnung stand der Siemens-Chef mit dem Rücken zur Wand. Löscher hatte am Donnerstag überraschend seine Rendite-Prognose für 2014 gekippt und sich damit den Zorn des Kapitalmarkts zugezogen. Nach einer langen Serie von Schnitzern steht der Österreicher unter massiven Druck. Hauptthema auf den Kontrolleurstreffen in München ist die "zukünftige Zusammensetzung des Vorstands", heißt es.

Löscher zeigte sich zuvor noch kampfeslustig. Es sei nicht seine Art, vorzeitig die Segel zu streichen, sagte er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Zudem pochte er auf seinen Vertrag, der bis 2017 läuft. Für Löschers Posten gilt Industrie-Vorstand Siegfried Russwurm als aussichtsreichster Nachfolge-Kandidat. Ambitionen werden auch Finanzvorstand Joe Kaeser nachgesagt.

Wer hat Schuld?

Im Fokus stehe nun die Frage, wer die Verantwortung für die Streichung des Gewinnziels für das kommende Jahr trage, hieß es in der "Börsen-Zeitung". Das Margenziel, also der Anteil vom Gewinn am Umsatz, das am Donnerstag gekippt wurde, war ein Herzstück des milliardenschweren Sparprogramms bei Siemens. Die Hiobsbotschaft hatte die Siemens-Aktien auf steile Talfahrt geschickt. Nach Spekulationen um eine möglicherweise bevorstehende Ablösung Löschers ging es dann am letzten Handelstag der Woche für die Papiere wieder kräftig aufwärts.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser habe die Kontrolleure bereits vor Monaten vor Defiziten des Unternehmensprogramms gewarnt, hieß es in der "Börsen-Zeitung" weiter: Ende April habe Kaeser darauf hingewiesen, dass das Programm keine Einmalkosten im Jahr 2014 vorsehe. Dies sei erfahrungsgemäß unrealistisch, weil gewöhnlich rund eine halbe Milliarde Euro an Einmaleffekten anfalle. Zudem habe Kaeser den geplanten sprunghaften Anstieg des Umsatzes als ambitioniert bezeichnet. Bei dem Unternehmen war auch dazu am Samstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Elektrokonzern kämpft mit der Konjunkturflaute und teuren, hausgemachten Projekt-Pannen. Schon für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, hatte Löscher die Gewinnprognose Anfang Mai kappen müssen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen