Wirtschaft
"Wir haben eine Energiewende, die in der Sache attraktiv ist und jetzt falsch gemacht wird": Joe Kaeser (Archivbild).
"Wir haben eine Energiewende, die in der Sache attraktiv ist und jetzt falsch gemacht wird": Joe Kaeser (Archivbild).(Foto: REUTERS)

"Die Energiewende wird falsch gemacht": Siemens-Chef mischt sich ein

Es sind starke Worte, mit denen einer der einflussreichsten Konzernlenker Deutschlands die energiepolitische Ausrichtung Deutschlands angreift. Im Kern hält Kaeser den Atomausstieg zwar für richtig. Die Umsetzung allerdings bereitet ihm große Sorgen.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat seine Forderung nach einem Umsteuern in der deutschen Energiepolitik erneuert. Zwar sei die Energiewende als solche - also der Ausstieg aus der Nuklearenergie - "eine Errungenschaft einer modernen Zivilisation. Aber der Wandel sollte nicht so laufen wie derzeit", sagte Kaeser der "Süddeutschen Zeitung".

Den Versorgern sei die Geschäftsbasis entzogen worden, davon seien auch Unternehmen wie Siemens betroffen. "Wie soll ich denn in China oder in Korea und anderswo in der Welt die besten Gasturbinen glaubwürdig verkaufen, wenn ich sie zu Hause nicht an den Mann bringen kann, weil sie nicht gebraucht werden", erklärte Kaeser.

"Wir haben eine Energiewende, die in der Sache attraktiv ist und jetzt falsch gemacht wird." Die Frage sei, wie man diese "Fehlentwicklung" repariere. Kaeser führt den im Dax notierten Industriekonzern seit Juli. Der frühere Finanzchef trat die Nachfolge für den langjährigen Konzernchef Peter Löscher an.

"Diese Debatte nervt mich richtig"

In seiner Funktion als neuer Siemens-Chef hatte Kaeser dem Konzern ein neues Sparprogramm verschrieben und größere Veränderungen in der Organisationsstruktur angekündigt. Unter anderem will Kaeser die Konzernzentrale mächtiger machen und damit die einzelnen Sparten enger zusammenführen. "Wir werden unsere Konzernzentrale massiv stärken", kündigte Kaeser kürzlich an. Sechs Manager würden sich dort ab Januar um Disziplin und Zusammenhalt des Unternehmens kümmern. Darunter würden zwei bis drei Frauen sein, hieß es. Der Vorstand solle sich dadurch stärker seiner Hauptaufgabe widmen können, dem operativen Geschäft.

Kaeser machte deutlich, dass es für ihn zweitrangig sei, in wie viele Sparten Siemens aufgegliedert sei. "Diese Debatte nervt mich richtig", sagte der Manager. "Wir sind eine Firma." Mit Blick auf Spekulationen über die Zukunft der schwächelnden Sparte "Infrastruktur und Städte", in der unter anderem das Bahn-Geschäft eingegliedert ist, sagte er: "Ob es diesen City-Infrastruktur-Sektor morgen noch gibt oder nicht, ist irrelevant." Man werde sich auf Inhalte konzentrieren. Das Thema Mobilität habe aber eine gewaltige Zukunft. Ende September entschied sich der größte innerdeutsche Siemens-Kunde in diesem Sektor allerdings für Hochgeschwindigkeitszüge des Siemens-Konkurrenten Bombardier. Zur Sparten-Frage wollte sich Kaeser noch ausführlich äußern.

Kaeser deutete zudem an, dass er die Beteiligung der Mitarbeiter am eigenen Unternehmen über Aktien stärken wolle. Die Mitarbeiter hätten Interesse an der nachhaltigen Entwicklung von Siemens. Dies könne man von den großen Investoren nicht erwarten, da diese auf die kurzfristige Entwicklung ihrer Anlagen wie Fonds achten müssten.

Muss Solmssen vorzeitig gehen?

Am Wochenende kamen schließlich Spekulationen um weitere personelle Veränderungen in der Konzernführung auf. Siemens wolle sich vorzeitig von seinem Rechtsvorstand Peter Solmssen trennen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Entscheidung solle an kommenden Mittwoch im Aufsichtsrat diskutiert werden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Konzernkreise. Ein Siemens-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht zunächst ab.

Solmssen galt als Vertrauter des Ende Juli zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher. Dieser hatte ihn vor sechs Jahren vom Wettbewerber General Electric aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland geholt. Vor zwei Jahren wurde sein Vertrag noch bis März 2017 verlängert.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen