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Aktienrückkauf - Verwöhnprogramm für Aktionäre: Siemens-Chef verspricht bessere Zeiten

Kaum hundert Tage ist Siemens-Chef Kaeser im Amt. Seine erste Bilanz lässt Anleger aufatmen: Das nach unten korrigierte Gewinnziel wird erreicht. Die nächste Latte legt Kaeser schon wieder höher. Der angekündigte Aktienrückkauf kommt an der Börse gut an.

Trotz aller Probleme, Siemens-Chef Kaeser bleibt zuversichtlich.
Trotz aller Probleme, Siemens-Chef Kaeser bleibt zuversichtlich.(Foto: REUTERS)

Das vergangene Geschäftsjahr bei Deutschlands größter Technologiekonzern kann getrost als Flop bezeichnet werden. Die gute Nachricht aber lautet: Ganz so schlimm, wie Analysten befürchtet hatten, ist es am Ende doch nicht gekommen. Der Konzern, der mit einer Menge Altlasten kämpft und es gleichzeitig schafft, immer neue Baustellen aufzureißen, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 das zweimal abgesenkte Gewinnziel immerhin leicht übertroffen. Anleger und Analysten geben sich damit vorerst zufrieden.

Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften betrug im gesamten Geschäftsjahr rund 4,2 Milliarden Euro - das sind rund 200 Millionen Euro mehr, als der Konzern sich als Ziel gesteckt hatte. Der Umsatz stagnierte dabei nahezu, er fiel lediglich leicht um ein Prozent auf 75,9 Milliarden. "Mit einem soliden vierten Quartal haben wir ein bewegtes Geschäftsjahr 2013 abgeschlossen", sagte Konzernchef Joe Kaeser, der zum ersten Mal nach seinem Amtsantritt die Jahresbilanz in seiner neuen Rolle vorlegte.

Die schlechte Nachricht lautete jedoch: Die operative Marge lag bei mageren 7,5 Prozent, im vierten Quartal ebenfalls bei 7,5 Prozent. Das bedeutet, dass Siemens weiter den Anschluss an die Wettbewerber wie etwa General Electric verliert.

Neustart ohne konkretes Margenziel

Das neue Geschäftsjahr soll nach den Worten von Kaeser besser werden. Nach dem Gewinnrückgang soll es wieder Zuwächse geben. Das Ergebnis je Aktie werde in dem seit Oktober laufenden neuen Geschäftsjahr 2013/14 um mindestens 15 Prozent zulegen, sofern der Umsatz auf dem Vorjahresniveau von knapp 76 Milliarden Euro stagniere, teilte der Konzern mit. "In den meisten Geschäften, die wir machen, sind wir Weltspitze, in einigen müssen wir uns noch verbessern. Das gehen wir ruhig, konsequent und besonnen, aber auch sehr beherzt an," sagte Kaeser n-tv.

Anders als sein Vorgänger Peter Löscher verzichtete Kaeser auf ein konkretes Margenziel. Nicht ohne Grund: Siemens' Märkte sollen 2013/14 "herausfordernd" bleiben, vor allem bei seinen kurzzyklischen Geschäfte wie zum Beispiel der Industrieautomatisierung erwartet der Dax-Konzern "keine Erholung bis spät im Geschäftsjahr".

Aktienrückkauf angekündigt

Aktionäre müssen sich mit einer stagnierenden Dividende von drei Euro je Aktie begnügen. Allerdings will der seit August amtierende Konzernchef die Anteilseigner mit einem Aktienrückkauf verwöhnen. Bis zu vier Milliarden Euro will er dafür in den kommenden zwei Jahren ausgeben. Insbesondere die Aussicht auf den angekündigten Aktienrückkauf trieb den Aktienkurs nach oben. Die Aktien legten in der Spitze 2,7 Prozent auf 95 Euro zu und gehörten damit zu den größten Dax-Gewinnern

Die Zahlen für das Schlussquartal entsprachen in etwa den Erwartungen der Analysten. Bei einem nahezu stagnierenden Umsatz von 21,2 Milliarden Euro machten die Münchner in ihrem fortgeführten Geschäft einen Gewinn von gut einer Milliarde Euro, 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Bessere Zahlen verspricht sich das Management vor allem von Einsparungen. Sein Haus werde sich auf "Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung" konzentrieren, sagte Kaeser. Für das laufende Sparprogramm und den Stellenabbau gab sein Haus im vergangenen Geschäftsjahr bereits 1,3 Milliarden Euro aus. "In den meisten Geschäften, die wir machen, sind wir Weltspitze, in einigen müssen wir uns noch verbessern. Das gehen wir ruhig, konsequent und besonnen, aber auch sehr beherzigt an", sagte Kaeser n-tv. Zum Stellenabbau fügte er an, dass die genannten 15.000 Stellen eigentlich das Programm "Siemens 2014" betrafen, "der allergrößte Teil davon ist abgearbeitet". Jetzt sei es daran, die wirtschaftlichen Vorteile daraus nachhaltig auch umzusetzen.

Siemens kämpft derzeit an vielen Fronten gleichzeitig: Monatelang kamen die Münchner wegen hoher Abschreibungen, verspätet ausgelieferter ICE-Züge, Problemen bei den Stromleitungen in der Nordsee und des Chefwechsels nicht aus den Schlagzeilen. Neben den hausgemachten Schwierigkeiten musste Siemens auch noch erheblichen konjunkturellen Gegenwind wegstecken.

GE läuft Siemens davon

Die Wettbewerber General Electric, Philips, ABB und Schneider Electric hatten jüngst unterschiedlich gute Zahlen vorgelegt. So hatte sich beim US-Riesen GE das für den Vergleich mit Siemens wichtige Industriegeschäft zuletzt solide entwickelt. General Electric ist in den ersten neun Monaten konzernweit auf eine Rendite von 14,6 Prozent gekommen. Die Schweizer ABB konnte Wachstum sowohl im Energie- wie auch im Infrastrukturgeschäft vorweisen, auch durch geschickte Zukäufe. Die niederländische Philips kämpft zwar mit bröckelnden Auftragseingängen im Gesundheitssektor, konnte aber die Marge dennoch verbessern.

Quelle: n-tv.de

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