Wirtschaft
Joe Kaeser sieht sich in seinem Kurs bestätigt.
Joe Kaeser sieht sich in seinem Kurs bestätigt.(Foto: AP)

Aktie kratzt an 90-Euro-Marke: Siemens beglückt Anleger

Der fallende Ölpreis, schwächelnde Geschäftsfelder, Chinas Probleme: Analysten trauen Siemens im ersten Quartal weit weniger zu, als der Konzern am Ende erreicht. Die positiven Daten kommen an der Börse an.

Mit der Anhebung der Prognose hat Siemens-Chef Joe Kaeser die Investoren überrascht. "Wir sind stark, ich glaube sogar sehr stark ins neue Geschäftsjahr gestartet, und das vor dem Hintergrund eines schwierigen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds", sagte Kaeser vor Beginn der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Der Konzernchef stockte daher die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2015/16 um 200 Millionen Euro auf gut 5,6 Milliarden Euro auf.

Für üppige Zuwächse sorgten ausgerechnet jene Geschäftsfelder, denen Experten am wenigsten zutrauten. Großbestellungen von Kraftwerken, Zügen und die hohe Nachfrage nach Medizintechnik in China stimmten Kaeser optimistisch. Die meisten Konkurrenten klagten in den Bereichen zuletzt über Einbußen.

Kaeser beteuerte, die Ergebnisse des ersten Quartals (per Ende Dezember) und die neue Prognose beruhten auf wiedergewonnener eigener Stärke seines Hauses. Der Umsatz kletterte im Auftaktquartal um acht Prozent 18,9 Milliarden Euro, der Auftragseingang um gut ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Damit schnitt Siemens besser ab als Rivale General Electric (GE), wenn auch die Münchner nicht an die Margen der Amerikaner herankommen.

Kaeser: Kurs zahlt sich aus

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An der Börse kam der Ausblick bestens an. Die Siemens-Aktie legte gegen den Trend bis zum Mittag um mehr als 6 Prozent auf gut 89 Euro zu und setzte sich damit an die Spitze im Leitindex.

Einen Großteil des Quartalsgewinns von 1,6 Milliarden Euro investiert Kaeser gleich wieder: Für knapp eine Milliarde Dollar kauft er die US-Firma CD-adapco, um im Geschäft mit Simulationssoftware für die Autoindustrie Fuß zu fassen und das Konzernsegment Digitale Fabrik auszubauen.

Sein Kurs beginne sich auszuzahlen, sagte Kaeser. "Der Konzernumbau ist im Wesentlichen abgeschlossen. Die frei werdende Energie werden wir in den Markt und die Technologie investieren", versprach der Manager.

Siemens ist wieder Branchenprimus

Analysten lobten die Ergebnisse. "Die Zahlen überzeugen auf ganzer Linie", urteilte Volker Stoll von der LBBW. "Die robuste industrielle Leistung in dem Quartal dürfte Siemens zu einem der besten Branchenunternehmen in dieser Bilanzsaison machen", erklärte Fredric Stahl von UBS. Siemens habe mit den Ergebnissen in der Energietechnik Sorgen zerstreut, die der seit Monaten fallende Ölpreis mit sich bringe.

Kaeser hatte eingeräumt, dass Förderunternehmen weniger neue Technik bestellten, allerdings profitiere sein Haus weiter von der Wartung der installierten Anlagen. Das Servicesegment hat traditionell sehr hohe Margen und kann kleinere Einbußen komfortabel wegstecken.

Im Kraftwerksbereich konnte Siemens entgegen aller Befürchtungen GE und Alstom Marktanteile abjagen. Bei großen Gasturbinen sei der Marktanteil der Münchner auf 25 von zuvor 20 Prozent gestiegen, sagte Kaeser. Im laufenden Jahr werde er weiter wachsen. Allerdings herrsche in der Energietechnik ein knüppelharter Preiskampf.

Bei seiner neuen Jahresprognose helfen Kaeser sowohl die planmäßigen Einsparungen im Zuge des Konzernumbaus als auch kleinere Sondereffekte. Der Großteil der angepeilten Sparsumme von einer Milliarde Euro werde bereits im laufenden Jahr erreicht, kündigte Finanzvorstand Ralf Thomas an. Im zweiten Quartal kann Siemens zudem einen Buchgewinn von etwa 50 Millionen Euro aus dem Verkauf des restlichen Anteils an der Hörgerätesparte an den Finanzinvestor EQT einstreichen. 

Quelle: n-tv.de

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