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"Ein starkes Quartal geliefert": Siemens überrascht Anleger

Solche Sätze hören Börsianer gern: Gestützt auf erste Kennzahlen aus dem zurückliegenden Vierteljahr stockt Siemens die Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf. Gewinn und Umsatz ziehen kräftig an. "Wir sind auf gutem Weg."

Der Industriekonzern Siemens hat nach einem starken Jahresauftakt seine Gewinnprognose angehoben. Je Aktie rechnet die Konzernführung im Geschäftsjahr 2015/16 nun mit einem Gewinn von 6,00 bis 6,40 Euro, wie das Dax-Unternehmen am Abend mitteilte.

Bislang hatte Siemens seinen Aktionären einen Gewinn je Aktie von 5,90 bis 6,20 Euro in Aussicht gestellt. "Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser.

Grund für seine Zuversicht ist das bessere Abschneiden im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember: Dank Großaufträgen aus Europa und Afrika stieg der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 22,80 Milliarden Euro.

Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 18,89 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurseffekte durch den schwachen Euro und Zukäufe wäre es noch um 1 Prozent nach oben gegangen. Unter dem Strich konnte Siemens den Gewinn um 42 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro steigern - im Vorjahr hatten Sonderfaktoren das Ergebnis noch belastet. Der Auftragseingang schnellte im zurückliegenden Quartal dank mehrerer Großaufträge um fast ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro nach oben. Damit schnitt Siemens besser ab als etwa der Erzrivale General Electric (GE).

Am Vorabend der Hauptversammlung

Details zur Geschäftsentwicklung und den Perspektiven bei Siemens können sich Analysten und Investoren von der anstehenden Aktionärsversammlung erwarten. Siemens hat für Dienstag, 10.00 Uhr nach München zur großen Jahreshauptversammlung geladen.

Vorstandschef Kaeser muss sich dabei auch den kritischen Fragen der Aktionäre stellen. Mit Sorge sehen die Anleger vor allem den drastischen Ölpreisverfall, der Siemens im wichtigen Öl- und Gasgeschäft zu schaffen macht. Investoren befürchten bereits mögliche Abschreibungen beim US-Ölindustrie-Zulieferer Dresser-Rand, den Siemens im vergangenen Jahr für viel Geld gekauft hatte.

Erst Mitte November hatte sich Siemens bei der Vorlage der Gesamtjahresbilanz 2014/15 zuversichtlich im Hinblick auf den laufenden Konzernumbau gezeigt. Abschreibungen für Probleme aus der Vergangenheit hatten den Jahresgewinn allerdings um fast ein Drittel auf rund 1 Milliarde Euro gedrückt.

Siemens kauft Software-Spezialisten

Wie am Vorabend der großen Hauptversammlung zudem bekannt wurde, will Siemens mit einem Zukauf in den USA sein Geschäft mit Industriesoftware ausbauen. Die Münchner übernehmen die US-Softwarefirma CD-adapco für umgerechnet rund 900 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Abend mitteilte. Das in Melville im Bundesstaat New York ansässige Unternehmen entwickelt Computerprogramme für Strömungssimulationen, mit denen etwa Windkanaltests im Autobau oder die Sturmbelastung von Bohrinseln durchgespielt werden können.

Siemens hatte im Dezember angekündigt, mehr in Forschung und Entwicklung investieren zu wollen, um nach Jahren der Stagnation wieder mit neuen Angeboten zu wachsen. Im Wettbewerb mit General Electrics will Siemens-Chef Kaeser sein Haus technologisch auf der Höhe der Zeit halten und an die Margen der Amerikaner herankommen.

In den vergangenen Jahren haben die Bayern zahlreiche große und kleine Spezialfirmen für Industriesoftware gekauft. Informationstechnik spielt vor allem bei klassischen Produktionsunternehmen wie Autobauern eine immer größere Rolle, um die Kosten für möglichst individuelle Produkte gering zu halten.

Quelle: n-tv.de

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