Wirtschaft
15.000 Jobs will Siemens einsparen, rund 5000 davon in Deutschland.
15.000 Jobs will Siemens einsparen, rund 5000 davon in Deutschland.(Foto: picture alliance / dpa)

Von peinlichen Pannen und Resterampen: Siemens und sein Super-Sparprogramm

Siemens ist kein notleidender Konzern, die Gewinne fließen immer noch reichlich. Allerdings läuft es bei der Konkurrenz besser, deren Margen sind höher. Das Sparprogramm "Siemens 2014" sollte die Wende bringen, doch stattdessen bleiben jede Menge Baustellen und ein Job-Kahlschlag.

Die Außendarstellung von Siemens ist zeitweise so miserabel gewesen, dass der Konzern fast wirkte, wie von der Pleite bedroht. Dabei macht der deutsche Vorzeigekonzern nach wie vor Milliardengewinne. Aber die Marge macht Sorgen - und auch die Konkurrenz. Mit dem Programm "Siemens 2014" wollte man deshalb ursprünglich insgesamt mehr als 6 Milliarden Euro einsparen. Das damit verknüpfte Ziel einer Ergebnismarge von mindestens 12 Prozent wurde allerdings kassiert, dies führte zur Ablösung von Ex-Siemens-Boss Peter Löscher.

Der neue Vorstandschef Joe Kaeser kündigte an, dass er das Programm zwar nicht aufgeben, aber im Herbst präzisieren will. Bislang hatte sich Siemens nicht konkret dazu geäußert, wie viele Stellen wegfallen könnten. Nun steht die Zahl: Weltweit sollen 15.000 Stellen abgebaut werden, und der neue Chef Kaeser findet in den vier Siemens-Sparten viele Baustellen.

Energie

Siemens macht mit dieser Sparte den größten Umsatz, dazu zählt etwa der Kraftwerksbau oder der Bereich der Erneuerbaren Energien. In diesem als besonders zukunftsträchtig geltenden Geschäftsfeld hat Siemens aber große Schwierigkeiten.

Bei in der Nordsee gebauten Offshore-Windparks, also fern der Küste liegenden Anlagen, gelang nicht die Anbindung ans Land. Dies belastet nun schon seit langem die Bilanzen und verschlang bereits 680 Millionen Euro. In den USA brach bei einem Windrad in der Wüste ein tonnenschweres Rotorblatt ab, was dem Ruf von Siemens schadete und kostspielige Überprüfungen baugleicher Anlagen nach sich zog.

Noch negativer verlief für Siemens der Ausflug ins Solargeschäft, wo der Konzern eine Niederlage auf der ganzen Linie erlitt. Der vom rausgeworfenen Chef Peter Löscher betriebene Kauf der israelischen Solarfirma Solel wurde zum Flop, insgesamt setzte Siemens mit der Solarenergie etwa 1 Milliarde Euro in den Sand.

Infrastruktur und Städte

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Diese jüngste Konzernsparte ist zugleich das größte Problemkind. Löscher selbst schuf das Segment und fasste darin Infrastrukturtechniken für große Städte oder die Bahntechnik zusammen. Weil der Bereich aber so vielschichtig ist und außerdem fast keine Gewinne liefert, wird er schon länger als "Resterampe" verspottet. Immer wieder keimen Gerüchte auf, dass einzelne Geschäftsfelder dieses Sektors zum Verkauf stehen. Selbst über eine Schließung des gesamten Sektors wurde schon spekuliert.

Besonders peinlich ist für den auf seine Ingenieurskunst so stolzen Konzern das Versagen bei den neuen ICE-Zügen. Ursprünglich sollten diese 2011 an die Deutsche Bahn geliefert werden, inzwischen will Siemens nach mehreren Verzögerungen keinen Liefertermin mehr nennen. Auch den ursprünglich geplanten Liefertermin für den unter anderem für den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal geeigneten internationalen Zug Eurostar kann Siemens wohl nicht halten. Der  Konzern begründete dies damit, die Komplexität des Auftrags unterschätzt zu haben - eine Bankrotterklärung für Ingenieure.

Industrie

Diese Sparte ist das Kaufhaus der Hersteller, sie können  von vollständigen Industrieanlagen bis zum kleinen Elektromotor alles erhalten. Der Sektor arbeitet zwar technisch zuverlässig, er krankt aber an der weltweit lahmenden Konjunktur. Dies führte zu einem Rückgang von Umsatz, Aufträgen und Gewinn und vermasselte damit dem Konzern zuletzt mit die Bilanzen.

Medizin

Diese Sparte ist mittlerweile der zuverlässigste im Konzern-Portfolio. Hier erwirtschaftet Siemens die höchsten Renditen, die Siemens-Medizintechnik genießt einen exzellenten Ruf. Noch vor wenigen Jahren war dies anders, mit einem konsequent an Profitabilität orientierten Sanierungsprogramm gelang aber der Erfolg. Ein Ruhekissen gibt es aber auch für die derzeitige Vorzeigesparte nicht - der Konkurrenzkampf in der Medizintechnik ist international stark ausgeprägt.

Quelle: n-tv.de

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