Wirtschaft
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Vorstandschef angezählt: Siemens wütet gegen Osram-Kurs

Vor zweieinhalb Jahren bringt Siemens seine Tochter Osram in die Selbstständigkeit. Doch der Technologieriese bleibt größter Aktionär. Und als solcher klopft er der einstigen Tochter nun mit Wucht auf die Finger - und zählt den Chef öffentlich an.

Der Großaktionär Siemens hat auf der Hauptversammlung des Lichtkonzerns Osram für einen Paukenschlag gesorgt und dem Osram-Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien offen sein Misstrauen ausgesprochen. Siemens-Vertreter Christian Bleiweiss beantragte, über die Entlastung der Vorstände einzeln abstimmen zu lassen. Berlien wolle Siemens dabei die Entlastung verweigern. Osram-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Bauer kündigte an, dem Antrag nachzukommen. Auf der Hauptversammlung sind 60,37 Prozent des stimmberechtigten Kapitals vertreten. Am Ende scheiterte der Technologiekonzern jedoch: Am Ende sprachen sich gut 70,68 Prozent der Stimmen für eine Entlastung des seit rund einem Jahr amtierenden Managers aus.

Die frühere Osram-Mutter Siemens, die aktuell noch mit 17,52 Prozent an Osram beteiligt ist, hatte in den vergangenen Wochen die neue Strategie des Konzerns erheblich kritisiert. Bleiweiss wiederholte die Kritik, die stärkere Konzentration auf das Geschäft mit LEDs für die Allgemeinbeleuchtung sei zu risikoreich. Zudem warf er Berlien vor, den Kapitalmarkt mangelhaft auf den "Strategieschwenk" vorbereitet zu haben.

Nach der Abspaltung des klassischen Lampengeschäft will sich Osram auf die drei Säulen Spezialbeleuchtung, LED und das Leuchten- und Lösungsgeschäft LSS konzentrieren. Vor allem das Geschäft mit LEDs für die Allgemeinbeleuchtung soll ausgebaut werden. Kritiker bemängeln die Volatilität und Wettbewerbsintensivität in diesem Feld. Hohe Investitionen in eine neue LED-Fabrik in Malaysia von insgesamt einer Milliarde Euro werden zudem das Ergebnis kurzfristig belasten.

Siemens: "Unvermittelten Strategieschwenk"

Am Aktienmarkt macht sich Hoffnung breit, dass eine eventuelle Nicht-Entlastung zum Abschied von Vorstandschef Berlien führen könnte und in der Folge dann auch die Investitionen und der Strategieschwenk überprüft werden könnten. Die Aktie von Osram machte nach der Ankündigung einen Kurssprung. Am frühen Nachmittag notiert sie 6,3 Prozent fester bei 40,99 Euro.

Siemens-Vertreter Bleiweiss bezeichnete die Neuausrichtung Osrams als "unvermittelten Strategieschwenk", weg von einem Spezialisten hin zu einem hart umkämpften Massengeschäft. Dieser Schwenk, "sollte er umgesetzt werden", dürfte das Risikoprofil deutlich erhöhen. Zwar sehe auch Siemens den Sinn in der Notwendigkeit, sich LED-basierten Lichtsystemen hinzuwenden. Allerdings "besorgt uns" die Art der Ausführung, erklärte Bleiweiss.

Auch Zustimmung zu neuer Strategie

Zuvor hatten bereits andere Aktionäre das Management stark kritisiert. Vertreter von DSW, SdK und der Deutschen Asset Management bemängelten dabei aber vor allem die mangelnde Kommunikation mit dem Kapitalmarkt. "Bisher waren wir nach mehreren Gesprächen mit dem Vorstand davon ausgegangen, dass Osram sich nach der für 2016 geplanten Trennung vom Lampengeschäft auf seine profitablen Nischenbereiche konzentriert. Von den frei werdenden Mitteln hätten Aktionäre, die verbliebenen und Pensionäre gleichermaßen profitieren können. Falsch gedacht", kommentierte etwa Tim Albrecht von der Deutschen Asset Management.

Die neue Strategie an sich stellten die Aktionäre dabei jedoch nicht grundlegend in Frage. Ob sie erfolgreich sei, werde sich erst in den kommenden Jahren zeigen. "Ich bin optimistisch, dass das aufgeht", sagte Daniel Bauer von der Aktionärsvereinigung SdK. "Ich trage die Entscheidung grundsätzlich mit", sagte DSW-Vertreterin Daniela Bergdolt, die jedoch den Vorstand aufforderte, "zu liefern".

Osram-Chef Berlien hatte zu Beginn der Hauptversammlung für den neuen Kurs geworben. "Mit unserer Drei-Säulen-Strategie haben wir ein solides Fundament, auf dem wir uns noch stärker als Technologieunternehmen positionieren", sagte er. Osram spreche zudem seit Wochen mit potenziellen neuen Investoren und habe sie von der Richtigkeit der neuen Strategie überzeugen können.

Quelle: n-tv.de

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