Wirtschaft
Siemens steigt aus dem Geschäft aus.
Siemens steigt aus dem Geschäft aus.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Enttäuschende Marktentwicklung: Siemens zieht bei E-Tankstellen den Stecker

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Tatsächlich sind die Zulassungszahlen verschwindend gering. Angesichts der trüben Aussichten gibt Siemens nun das Geschäft mit Elektrotankstellen auf - zumindest im großen Maßstab.

Der Technologiekonzern Siemens streicht im Geschäft mit Ladesäulen für Elektroautos die Segel. Die Annahmen zur Entwicklung des eCar-Marktes hätten sich nicht bestätigt, teilte der Konzern mit. Für die betroffenen Mitarbeiter werde versucht, eine interne Lösung zu finden. "Wir arbeiten hier gut mit den Gewerkschaften zusammen", sagte eine Sprecherin dem "Wall Street Journal Deutschland".

Insgesamt sind in der Sparte Mobility & Logistics, die zum Infrastruktur-Sektor des Konzerns gehört, den Angaben zufolge "deutlich über 10.000" Mitarbeiter beschäftigt. Die Aufgabe des Geschäfts mit Ladesäulen für Elektroautos betrifft nach Angaben der Sprecherin nur einen "geringen Teil" davon.

Zuvor hatte "Die Welt" über den Ausstieg von Siemens berichtet. Der Markt entwickle sich langsamer und sei deutlich kleiner als ursprünglich erwartet. Zudem existiere bei der Ladesäulen-Hardware zu wenig Unterschied im Wettbewerb. Siemens werde aber weiterhin über den Großhandel sogenannte Wandkasten (Wallboxes) für den privaten Haushalt für das Aufladen der E-Autos zu Hause anbieten. Das Thema "induktives Laden" - also das kabellose Aufladen von Elektroautos - werde fortgeführt. Auch die Tätigkeiten im Bereich Elektromotoren für E-Autos werden fortgesetzt, erklärte ein Sprecher.

Deutschland hinkt bei E-Car-Zulassungen hinterher

Hintergrund für den Ausstieg aus der Ladesäulensparte ist eine Analyse der künftigen Geschäftsaussichten, schreibt "Die Welt". Im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 4157 E-Autos neu zugelassen, womit sich die Gesamtzahl auf 7312 summierte. Dabei handelt es sich bislang kaum um reine Elektroautos, sondern vor allem um sogenannte Hybrid-Benziner-Elektroautos. In den USA dagegen lag die Zahl der E-Auto-Neuzulassungen im vergangenen Jahr bei 51.158 und in Japan immerhin bei 24.423.

Die relativ geringe Zahl von Elektrofahrzeugen wird zum Teil auch damit begründet, dass es noch kein flächendeckendes Netz öffentlicher Ladestationen gibt. Mit dem Ausscheiden von Siemens zieht sich nun einer der potentesten Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen aus diesem Geschäft zurück. Die Bundesregierung hatte zuletzt ihr Ziel bekräftigt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zubringen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen