Wirtschaft
Der Studie zufolge hinterzogen Selbstständige im Jahr 2009 in Griechenland Steuern in Höhe von 28 Mrd. Euro.
Der Studie zufolge hinterzogen Selbstständige im Jahr 2009 in Griechenland Steuern in Höhe von 28 Mrd. Euro.(Foto: REUTERS)

Neue Regierung hat viel zu tun: So groß ist Griechenlands Steuer-Problem

Von Jan Gänger

Griechenlands Regierung will die Steuerhinterziehung bekämpfen. Dabei sollte sie nicht nur die Superreichen ins Visier nehmen. Denn auch die vielen Selbstständigen sind beim Steuerbetrug ganz vorne dabei.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat viel vor. Er versprach der Eurozone, in seinem Land eine "neue Kultur der Steuerehrlichkeit" zu schaffen. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Denn nicht nur die wenigen Superreichen sind das Problem.

Vor allem Selbstständige gehören zu denjenigen, die Steuerzahlungen vermeiden. Das untermauert eine Studie der Universität Chicago, die 2012 veröffentlicht wurde. Zugleich lässt sie ahnen, wieviel Geld dem griechischen Fiskus durch die Lappen geht.

Die Forscher haben die Daten einer der größten griechischen Banken ausgewertet, die das Geldhaus bei Kreditanträgen erhoben hatte - mit einem erstaunlichen Ergebnis. Im Schnitt geben demnach selbstständige Griechen 82 Prozent ihres aufgeführten Monatseinkommens aus, um Schulden zu bedienen. Einige wenden dafür sogar im Schnitt mehr als 100 Prozent auf.

Wie funktioniert das? Der Schluss liegt nahe, dass viele der Bankkunden in Wahrheit sehr viel mehr verdienen als sie offiziell angeben. Der Studie zufolge ist das Einkommen von Selbstständigen in Griechenland durchschnittlich knapp doppelt so hoch wie in der Steuererklärung angegeben.

"Einige Banken in Südeuropa haben uns freiheraus gesagt, dass sie entsprechende Formulare haben, um das vom Kunden genannte Einkommen an die Einschätzung der Bank über die tatsächliche Höhe des Einkommens anzupassen", so die Forscher. Diese Anpassungen würden mit der Berufsgruppe zusammenhängen. "Nehmen Sie beispielsweise Anwälte, Ärzte und Finanzberater. (…) In all diesen Berufsgruppen verwenden die Selbstständigen im Schnitt mehr als 100 Prozent ihres offiziellen Monatseinkommens, um Verbraucherkredite zurückzuzahlen."

In Griechenland gibt es besonders viele Selbstständige. Der Statistikbehörde Eurostat zufolge sind es dort knapp ein Drittel der Berufstätigen. Das ist in etwa doppelt so hoch wie in der gesamten Europäischen Union.

Die Forscher weisen vor diesem Hintergrund auf eine Gesetzesinitiative hin, die im griechischen Parlament 2010 scheiterte. Sie zielte darauf ab, die Steuerhinterziehung von bestimmten Berufsgruppen zu bekämpfen – darunter Ärzte, Anwälte, Architekten, Ingenieure und Unternehmensberater. "Wir fanden heraus, dass die von den Parlamentariern repräsentierten Berufsgruppen sich weitgehend mit denen decken, die stark Steuern hinterziehen", so die Autoren der Studie. Mit anderen Worten: Die Abgeordneten handelten im eigenen Interesse.

Die ausgewerteten Daten stammen aus dem Jahre 2009. Die Forscher schätzen auf deren Grundlage, dass in diesem Jahr 28 Milliarden Euro nicht versteuert wurden – alleine von Selbstständigen. Wäre das Geld mit einem Satz von 40 Prozent versteuert worden, hätte die Einnahmen von etwas mehr als 11 Milliarden Euro knapp einem Drittel des Haushaltsdefizits entsprochen.

Korrektur: In einer früheren Version war im letzten Absatz von einer Steuerhinterziehung im Volumen von 28 Mrd. Euro die Rede. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Zahl um das geschätzte nichtversteuerte Einkommen - daraus ergibt sich eine geringere Summe, die dem Fiskus entgangen ist.

Quelle: n-tv.de

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