Wirtschaft
Es gibt Dinge, die scheinen nicht gerade vernünftig zu sein.
Es gibt Dinge, die scheinen nicht gerade vernünftig zu sein.(Foto: REUTERS)

Wetten auf Rubel, Euro, Ölpreis: So investieren Sie richtig verrückt

Von Daniel Saurenz

In Sachen Verrücktheit haben die Chinesen schon eindrucksvoll gezeigt, was 2016 alles passieren könnte. Eine dänische Investmentbank legt noch eine Schippe drauf und präsentiert eher abwegige Anlage-Szenarien. Was taugen die?

Die Ausblicke vieler Finanzprofis auf das jeweils nächste Jahr klingen immer gleich langweilig – der Dax steigt ein paar Prozent, Gold muss man nicht haben, der Euro tendiert zur Parität, Anleihen sind mau, und der Ölpreis bleibt unten... Die dänische Investmentbank Saxo Bank lässt hingegen einmal mehr mit eher unwahrscheinlichen Szenarien aufhorchen. Sie könnten allerdings enorme Folgen für die Finanzmärkte haben - und damit kräftige Gewinne für Anleger bedeuten.

Wir haben sie uns angeschaut und mitunter Möglichkeiten gefunden, wie Sie danish dynamite in Ihr Depot bringen könnten. Denn erinnern Sie sich – 1992 bei der Fußball-WM war Dänemark auch ein völlig verrückter Tipp. Und dann waren die Skandinavier Europameister.

Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank, überrascht Investoren nun mit zehn "provokanten Thesen für 2016." Dabei handele es sich um "eher unwahrscheinliche Szenarien, die unter Umständen unterschätzt werden, aber 2016 enorme Folgen für die Finanzmärkte haben könnten." Jakobsen gibt allerdings auch für Bereiche Prognosen ab, auf die Investoren nicht direkt, sondern bestenfalls indirekt setzen können. So ist eine seiner Vorhersagen, dass die Demokratische Partei bei der US-Präsidentschaftswahl im November nicht nur als Sieger hervorgeht, sondern auch die absolute Mehrheit im Kongress erobern wird.

Ein weiteres Thema ist die extrem hohe Bewertung von nicht börsennotierten Unternehmen aus dem Silicon Valley, wobei sich die Startups auf hohe Nutzerzahlen, anstatt auf die Monetarisierung fokussieren würden. Diese Themen lassen wir außen vor und konzentrieren uns auf sechs Thesen, auf die Anleger direkt setzen können.

Kräftige Erholung beim Euro

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"Quo vadis Euro-Dollar? 1,23 …", schreibt Jacobsen. Während es für viele Experten nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Euro auf einen Dollar je Euro fallen wird, wirft der Finanzprofi einen kräftigen Anstieg der Gemeinschaftswährung auf 1,23 Dollar je Euro in den Ring. "Europa hat einen massiven Leistungsbilanzüberschuss angehäuft. Die niedrige Inflation sollte zudem – jedenfalls nach volkswirtschaftlicher Logik – eine stärkere und nicht etwa schwächere Währung bedeuten", argumentiert der Däne.

"In vier der vergangenen Zinserhöhungszyklen in den USA hat der Dollar in der Nähe des Datums der ersten Zinserhöhung seinen Höhepunkt erreicht, was bedeutet, dass die Richtung des Dollar negativ korreliert ist mit dem Zinszyklus", fügt Jacobsen hinzu. Wer diese These mitgehen will, hat zwei gute Möglichkeiten. Variante a) Er kauft einen Discount-Call-Optionsschein, bei dem es schon genügt, wenn der Euro im Sommer 2016 über der Marke von 1,05 Dollar notiert, also stabil bleibt. Dann winken bei der WKN DZZ676 rund 20 Prozent Rendite. Weitaus knackiger – ein klassischer Call-Optionsschein, WKN US87AE, auf den Euro mit Basis bei 1,20 Dollar und Laufzeit über 2016 hinaus. Damit nähme eine Erholung des Euro richtig Fahrt auf.

Rubel profitiert von steigendem Ölpreis

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Jacobsen hat noch eine weitere Idee aus dem Währungsbereich, die aufhorchen lässt: ein kräftiger Anstieg des russischen Rubel. "Ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage nach Öl sowie die quälend langsame Straffungspolitik der Fed führen dazu, dass der russische Rubel bis Ende 2016 um rund 20 Prozent zulegt." Die Ölnachfrage in den USA und besonders China könne die sehr pessimistischen Prognosen übertreffen. Gleichzeitig könne die Ölförderung in den USA wegen der Finanzierungskrise bei den Fracking-Unternehmen zurückgehen.

Das wäre ein Segen für die vom Energiesektor abhängige russische Wirtschaft und damit für den Rubel. Die Spekulation auf den Rubel ist für Anleger hierzulande nicht ganz einfach, viele Produkte auf russische Aktien sind zudem aufgrund der im Zuge des Ukraine-Konflikts verhängten Sanktionen nicht mehr im Angebot. Mit CFDs lässt sich die Spekulation auf den Rubel umsetzen, beispielsweise beim Broker IG oder aber man setzt mit einem ETF auf den russischen Aktienmarkt, besipielsweise mit WKN LYX0AF. Am zweitstärksten gewichtet ist dort zudem mit der Sberbank ein führendes Geldinstitut aus Putins Reich.

Ölpreis schießt auf 100 Dollar

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Sehr bemerkenswert ist auch Jacobsens These zum Ölpreis. Er könne vorübergehend auf 100 Dollar pro Barrel hochschießen. Mit 34 Dollar je Barrel ist die Notierung des Rohstoffs auf das Niveau von 2009 abgerutscht, weil die Förderländer trotz des riesigen Überangebots  immer mehr Öl aus der Erde holen.

Allerdings könnte sich bei den Nicht-Opec-Ländern allmählich die lang erwartete Verlangsamung der Förderung abzeichnen. "Das verschafft der Opec wiederum genug Auftrieb, um den Markt mit einer Drosselung ihrer Produktion zu überrumpeln. Der Preis erholt sich bald wieder, als Anleger erneut auf der Kaufseite in den Markt drängen. Eine Rückkehr des Ölpreise auf 100 Dollar je Barrel ist in Sicht", so Jacobsen.

Sehr provokant ist diese These - und bei Öl gilt es zu beachten, dass man als Investor stets auch die Terminkurve und mögliche Rollverluste im Blick haben muss. Vermeiden kann man dies mit Inline-Optionsscheinen, die quasi Call-Optionsscheine sind. Ein Beispiel ist die WKN SE2ENU. Dort darf der Preis nie unter 30 Dollar fallen bis zum Laufzeitende im Dezember 2016. Gleichzeitig darf er bis dahin auch nicht über 70 Dollar klettern. Nach oben sind somit 80 Prozent Luft, nach unten "nur" 20 – daher entspricht das Papier einem Produkt für Öl-Bullen – Seitwärtsrenditechance sind 60 Prozent. Das Äquivalent auf der WTI-Seite ist bei einer Laufzeit bis Dezember 2016 die WKN SE18KK – hier sind sogar 68 Prozent drin.

Weitere "provokante Thesen" beleuchten wir morgen.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der genannten oder anderer Anlageprodukte dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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