Wirtschaft
(Foto: imago stock&people)

Die Mehrheit kann irren: So wetten Sie gegen die Bank

Von Egmond Haidt und Birgit Haas

Viele Fondsmanager gehen davon aus, dass die Zinswende in den USA den Dollar weiter antreibt. Anleger könnten mit der gegenteiligen Annahme Erfolg haben.

Nach der Party kommt der Kater: Erst haben die Investoren am Aktienmarkt die erste US-Zinserhöhung seit nahezu zehn Jahren gefeiert. Dann gingen die Kurse an den Börsen dies- und jenseits des Atlantiks wieder runter. Die flauen Konjunkturdaten aus den USA haben die Anlegern die Stimmung verhagelt. Die Zahlen aus China geben auch keinen Anlass zur Freude. Und dann stiegen auch noch die Zinsen der US-Ramschanleihen stark. Das bedeutet, dass sich die Unternehmen bei der Aufnahme von Schulden zurückhalten, mit denen sie in den vergangenen Jahren große Aktienrückkäufe getätigt hatten. Die geringere Nachfrage belastet auch den Aktienmarkt, Anleger vermeiden Risiken.

In den vergangenen Monaten herrschte Einigkeit am Finanzmarkt: Wegen der Zinswende stellten sich die Profis auf einen stärker werdenden Dollar ein. In der monatlichen Umfrage der Bank-of-America-Tochter Merrill Lynch unter Fondsmanagern kürten zuletzt 53 Prozent der Befragten den Handel "Dollar long" (Setzen auf einen steigenden Dollar-Kurs) als "den am meisten überlaufenen" Trade.

Wenn so viele Finanzprofis auf einen starken Dollar setzen, kann es Sinn machen, dagegen – also gegen die Bank – zu wetten. Denn sie würden, wenn ihre Erwartungen nicht eintreffen, durch das Auflösen der Positionen, den Trend in die entgegengesetzte Kursrichtung verstärken. Etwa durch weitere schlechte Nachrichten, wie anhaltend schwache US-Konjunkturdaten, die den Greenback belasten dürften. Dann würden Anleger profitieren, die auf ein Comeback zum Beispiel des Euro gesetzt haben.

Gegen die Bank zu setzen birgt allerdings Risiken. Sollte das Szenario der US-Notenbank, wonach die US-Wirtschaft stark genug für die Zinswende ist, zutreffen, werden die zahlreichen Fondsmanager mit ihrer Neuausrichtung richtig liegen. Aber es ist ein äußerst optimistisches Szenario ,und die Konjunkturentwicklungen könnten der US-Zinswende unberechenbare Stolpersteine in den Weg legen. Pessimisten können das Herdenverhalten der Fondsmanager auch als Warnsignal werten.

Gegen die Mehrheit auf US-Aktien setzen

Es zeichnen sich nämlich weitere Trends ab: Der Export wird für US-Firmen schwieriger, wenn der Dollar teuer ist. Also haben Fondsmanager US-Aktien aus ihren Portfolien genommen. Mit dem Ergebnis, dass der Anteil an US-Aktien niedriger ist als normalerweise. "Europäische Aktien bleiben trotz der Enttäuschung über die Entscheidung der EZB beliebt", sagte James Barty, Aktienstratege für Europa bei Merrill Lynch.

Das heißt aber auch, dass die Preise für US-Aktien sinken. Auch hier können Anleger gegen die Bank wetten, wenn sie an steigende US-Aktien und an schwächere Kurse bei Papieren aus Europa glauben. Ein Beispiel für einen solchen Fonds ist der ComStage S&P500 ETF (WKN: ETF012) der Commerzbank. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,12 Prozent. Um von einem möglicherweise steigenden Euro nicht belastet zu werden, ist das Indexzertifikat auf den S&P 500 mit der WKN HVB1H3 eine Alternative. Das Papier ist währungsgesichert, womit Anleger praktisch eins zu eins an der Entwicklung des S&P 500 partizipieren. Anleger, die auf einen Kursrückgang bei Aktien aus der Euro-Zone setzen möchten, können zum Lyxor ETF Euro Stoxx 50 Daily Short (WKN: A0MNT8) greifen. Das Papier von der Tochter der Großbank Société Générale läuft genau umgekehrt wie der führende Index der Schwergewichte Euro Stoxx 50.

Auf fallende Bankaktien wetten

Wer gerne gegen den Strom schwimmt, kann sich auch bei einzelnen Branchen gegen den Gesamtmarkt stellen. Banken und bestimmte Konsumbereiche sind derzeit in den Portfolien der Profiinvestoren höher gewichtet als im langjährigen Durchschnitt, wie die Umfrage unter Fondsmanagern von Merill Lynch zeigt. Zu den Stars der Fondsmanager gehört der sogenannte zyklische Konsum, der Titel von US-Unternehmen wie Amazon, Walt Disney, die Baumarktkette Home Depot, Starbucks und Nike umfasst.

Hingegen haben die Fondsmanager Aktien aus den Sektoren Bergbau und Energie, also die Öl- und Gasmultis, untergewichtet. Gegen den Markt zu wetten, hieße also auf sinkende Bankaktien und auf steigende Kurse bei Bergbaufirmen und Ölmultis zu setzen. Anleger, die davon ausgehen, dass die Bankaktien aus Europa unter Druck kommen werden, können den db x-trackers Stoxx Europe 600 Banks Short ETF (WKN: DBX1AH) wählen. Sollten Investoren zudem eine Erholung bei den Bergbaufirmen erwarten, ist der Lyxor ETF Stoxx Europe 600 Basic Resources (WKN: LYX0AX) ein Handwerkszeug. Analog kommt für den Öl- und Gassektor der Comstage Stoxx Europe 600 Oil & Gas ETF (WKN: ETF072) ins Spiel. Auf ein alternatives Szenario zu dem der Fed dürften Anleger mit diesen Instrumenten vorbereitet sein.

Der Text ist keinerlei Empfehlung, die genannten Produkte zu kaufen oder zu verkaufen.

Quelle: n-tv.de

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