Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Agenda als CAC40 -Treibstoff?: Societe Generale setzt nicht auf den Dax

An die Reformpläne des französischen Präsidenten knüpfen sich große Hoffnungen. Für die Societe Generale könnten sie auch den Aktienmarkt treiben. Die Experten sehen zudem weitere Gründe, die Frankreich für Anleger interessant machen.

Der französische Aktienmarkt könnte nach Ansicht der Societe Generale von den angekündigten Reformen im Land einen ordentlichen Schub erhalten. Der französische Leitindex werde sich 2014 deutlich besser entwickeln als der deutsche, sagte Alain Bokobzka, Chef des globalen Anlage-Research der zweitgrößten gelisteten Bank Frankreichs. Er sieht den CAC40 Ende des Jahres bei 5100 Punkten, das wäre aufs Jahr gesehen ein Plus von fast 19 Prozent. Dem deutschen Leitindex Dax traut er nur einen Anstieg von knapp sieben Prozent auf 10.200 Zähler zu. Aktuell notiert der CAC40 um 4300, der Dax um 9700 Punkte.

Die vor kurzem von Präsident Francois Hollande detailliert vorgestellten Reformen zur Stärkung der Wirtschaft sehen deutlich niedrigere Staatsausgaben und Erleichterungen für Unternehmen vor. So sollen bis 2017 für Unternehmen und Selbstständige die Sozialbeiträge für Familien aufgehoben und dadurch die Abgabenlast um 30 Milliarden Euro gedrückt werden. Von den Unternehmen erwartet er im Gegenzug die Schaffung neuer Stellen.

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Die Wirtschaft hatte die Pläne vorsichtig begrüßt, sich aber angesichts konkreter Ziele bei der Einstellung von Mitarbeitern skeptisch gezeigt. Hollandes Pläne sehen zudem eine Kürzung der Staatsausgaben von 15 Milliarden Euro in diesem Jahr und weiteren 50 Milliarden von 2015 bis 2017 vor.

Industrieminister Arnaud Montebourg fordert von den Unternehmen im Gegenzug für die Milliardenentlastungen die Schaffung von zwei Millionen Jobs innerhalb von fünf Jahren. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich müsse auf ein "vernünftiges Niveau" von sieben Prozent gesenkt werden, sagte er. Frankreichs größter Unternehmerverband Medef hatte als Reaktion auf den von Hollande angekündigten "Verantwortungspakt" eine Million neue Jobs in Aussicht gestellt.

Frankreichs Agenda 2010

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Bokobzka verglich deren Bedeutung mit der Agenda 2010, die Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2003 für Deutschland vorgestellt hatte. Der damals eingeleitete Umbau des Arbeitsmarkts und der Sozialsysteme gilt als Basis für die aktuelle Stärke der deutschen Wirtschaft.    

Darüber hinaus sieht der Anlagestratege Frankreich in einigen Bereichen vorteilhafter positioniert als Deutschland: Zum einen garantiere das Festhalten an der Nuklear-Energie niedrige Stromkosten für die Wirtschaft. Bokobzka prognostizierte für die nächsten Monate eine deutlich bessere Wertentwicklung der französischen Versorger wie Electricité de France als der deutschen. RWE und Eon macht der Atomausstieg zu schaffen.   

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Positiv für die französische Wirtschaft sei zudem, dass sie mit ihren Exporten weniger abhängig sei vom Wachstum in den Schwellenländern. Und schließlich werde der in Deutschland vereinbarte Mindestlohn die Unternehmen schwächen. Bokobza zufolge könnten davon beispielsweise französische Autohersteller profitieren.

Der französische Leitindex war schon im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen. Sein deutsches Pendant überbot ihn allerdings um sieben Prozentpunkte. Im Jahr zuvor hatte sich der Dax sogar doppelt so gut entwickelt.

Die Marke von 5100 Punkten hat der CAC40 seit Mai 2008 nicht mehr erreicht. Die Societe Generale ist mit ihrer Vorhersage sehr optimistisch. In einer Umfrage von Reuters von Mitte Dezember lag die Durchschnitts-Prognose von 29 Analysten für den CAC40 per Ende 2014 bei 4640 Punkten, das wäre ein Jahresplus von acht Prozent.

Weidmann hebt den Finger

Derweil mahnt die französische Notenbank Präsident Hollande zur Eile bei den geplanten Reformen. Das Vorhaben müsse zügig umgesetzt werden, damit es noch in diesem Jahr Früchte trage, sagte Notenbankchef Christian Noyer. Dann könnten mindestens eine Million Arbeitsplätze geschaffen oder gerettet werden. "Ich bin sehr zuversichtlich", sagte Noyer. "Wenn die Entscheidungen schnell umgesetzt werden, dann wird es Investitionen und Neueinstellungen geben."

Regierungschef Jean-Marc Ayrault will am 27. Januar Vertreter von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften treffen. "Es kommt alles auf den Tisch, alle Herausforderungen, wir werden die Forderungen der einen wie der anderen beschreiben, um voranzukommen", sagte er.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann mahnte, auch für die Euro-Zone stehe viel auf dem Spiel: "Die Stärke Frankreichs ist ein ganz zentraler Punkt. Sie entscheidet über die Ausrichtung der Währungsunion." Deutschlands Nachbar habe in den zurückliegenden Jahren Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Zudem habe das Land eine hohe Ausgabenquote. Diese Faktoren lasteten auf der Wirtschaft, auch wenn Frankreich eine bessere Demografie als Deutschland aufweise, sagte Weidmann. "Ich würde mir wünschen, dass Frankreich als eines der großen Länder des Währungsraums seine Vorbildfunktion auch wahrnimmt."

Quelle: n-tv.de

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