Wirtschaft
Die EU sollte im Handelsstreit mit China auf gar keinen Fall nachgeben, findet Frank Asbeck.
Die EU sollte im Handelsstreit mit China auf gar keinen Fall nachgeben, findet Frank Asbeck.(Foto: picture alliance / dpa)

Solarstreit mit China: Solarworld-Chef pocht auf Strafzölle

Im EU-Streit um Strafzölle gegen chinesische Solaranlagen scheint eine Einigung möglich. Das bringt Solarworld-Chef Asbeck in Rage. Er sieht große Gefahren - und zwar nicht nur für die Solarbranche: "China raubt unsere Industrien."

Solarworld-Chef Frank Asbeck hat sich vehement dafür ausgesprochen, an Strafzöllen auf chinesische Solarprodukte festzuhalten. "Sonst rollt Peking eine Industrie nach der anderen auf. Zuerst Solar, dann Maschinenbau, Telekommunikation und die Autobranche", sagte Asbeck der "Süddeutschen Zeitung". China finanziere seit drei Jahren Verkaufspreise unter den Herstellungskosten. Das seien "illegale Methoden", so Asbeck.

Die EU wirft chinesischen Solar-Herstellern vor, ihre Produkte unter Marktwert zu verkaufen. Anfang Juni verhängte die EU-Kommission deshalb gegen den Widerstand mehrerer Länder - auch Deutschland - temporäre Strafzölle. Darauf antwortete China mit Ermittlungen wegen Dumpings von europäischen Stahlrohren, speziellen Chemieprodukten und sogar Wein, was Sorgen über eine Eskalation zu einem Handelskrieg auslöste. Zuletzt hatten sich beide Seiten aber optimistisch mit Blick auf eine Lösung des Solarstreits gezeigt.

Wirtschaftsverbände für schnelle Einigung

Eine Einigung würde auch von führenden Wirtschaftsverbänden begrüßt: "Es ist gut, dass die Kommission schnell mit China spricht", sagt Ilja Nothnagel, China-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) der Zeitung "Die Welt". "Die Dynamik, die die gegenseitigen Anti-Dumping-Ankündigungen ausgelöst haben, hat beiden Seiten auch vor Augen geführt, dass es miteinander besser läuft als gegeneinander."

Asbeck lehnt aber einen Verzicht auf Schutzzölle strikt ab. In der europäischen Solarbranche würde es sonst zu weiteren Pleiten kommen, und auch Solarworld müsste "sicher neue Einschnitte vornehmen", sagte er. Wenn China sein Ziel eines von ihm dominierten Monopolmarktes erreiche, würden die Verbraucher dafür mit höheren Solarstrompreisen zahlen.

Die Gegner der Schutzzölle sind in dem europäischen Branchenverband "Afase" organisiert. Sie verweisen auf eine Mitte Februar in Brüssel vorgestellte Prognos-Studie, nach der Schutzzölle höhere Preise für Solaranlagen zur Folge hätten und so die Nachfrage insgesamt stark gedrückt würde. Dann würden zehntausende Jobs allein in Deutschland wegfallen, weil weniger Anlagen montiert und gewartet würden, heißt es in der Studie.

Solarworld will wieder ans Licht

Solarworld setzt bislang fest auf die Zölle. Das einstige Bonner Vorzeigeunternehmen war durch die chinesische Konkurrenz tief in die roten Zahlen geschliddert. Allein 2012 betrug der Verlust knapp 480 Mio. Euro. Andere einst führende Solarunternehmen sind bereits pleite und deutsche Großkonzerne wie Bosch oder Siemens schließen ihre Solarsparten. Asbeck ist dennoch überzeugt von den Zukunftsaussichten der Branche und von Solarworld. Schutzzölle müssten aber einen fairen Wettbewerb wiederherstellen, meint er.

Das einstige Vorzeigeunternehmen hat unlängst einen Rettungsplan vorgelegt: Danach steigt der Investor Qatar Solar mit 35 Mio. Euro bei Solarworld ein. Er gibt außerdem ein Darlehen von 50 Mio. Euro, Firmengründer Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere 10 Mio. Euro zu. 55 Prozent der Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden auf nur noch 5 Prozent des Unternehmenswertes abgewertet. Solarworld beschäftigt derzeit 2600 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Deutschland. In Spitzenzeiten waren es insgesamt 3500.

Asbeck selbst will sich für weitere fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender bereit halten, wie er ankündigte. "Mich wird man hier so schnell nicht los", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen