Wirtschaft
Die Auftragslage für 2015 sei "ordentlich", sagt Solarworld-Chef Asbeck dem "Wall Street Journal Deutschland".
Die Auftragslage für 2015 sei "ordentlich", sagt Solarworld-Chef Asbeck dem "Wall Street Journal Deutschland".(Foto: REUTERS)

Andeutungsweise schwarze Zahlen: Solarworld befreit sich aus der Krise

Solarworld hat wohl die Trendwende geschafft: Konzernchef Asbeck sieht das Unternehmen wieder in der Erfolgsspur - und die jüngsten Quartalszahlen geben ihm Recht. Eine positive Entwicklung ist erkennbar, die Anleger feiern das.

Der krisengeplagte Solarworld-Konzern hat im dritten Quartal zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren ohne die Hilfe großer Sondereffekte einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erwirtschaftet. Umsatz und Absatz steigerte Solarworld unter anderem dank der Übernahme von Teilen des Bosch-Solargeschäfts in Thüringen erheblich.

Unternehmenschef Frank Asbeck zeigte sich im Gespräch mit dem "Wall Street Journal Deutschland" zufrieden. Er sagte, die Solarworld-Verantwortlichen seien "sehr stolz" auf die Entwicklung. Auch das vierte Quartal habe gut begonnen.

Schwarzes EBITDA

Im Zeitraum zwischen Juli und September erwirtschaftete Solarworld laut überraschend vorgelegten vorläufigen Zahlen einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von rund 6 Millionen Euro. Das Plus-Zeichen vor der Kennzahl ist ungewohnt: Noch im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatte der Solarkonzern einen Verlust von 26 Millionen Euro verbucht. Zuletzt hatte Solarworld ohne Hilfe großer Sondereffekte zwischen Januar und März 2012 ein positives EBITDA erzielt.

Zwar meldete Solarworld auch für das erste Quartal dieses Jahres schwarze Zahlen. Der Gewinn ergab sich aber durch Effekte aus dem damals abgeschlossenen Umbau der Finanzen und der Übernahme von Bosch-Werken im thüringischen Arnstadt.

Gesamtleistung steigt

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Die Verbesserung im laufenden Geschäft zeigt auch die Entwicklung von Absatz und Umsatz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte das Unternehmen Photovoltaikmodule und Solarbaukästen mit einer rund 50 Prozent größeren Gesamtleistung von 270 Megawatt. Zwar sind durch die Bosch-Solaraktivitäten erhebliche Fertigungskapazitäten hinzugekommen. Doch auch im Vergleich zum zweiten Quartal verkaufte Solarworld rund 40 Prozent mehr.

Die Entwicklung spiegele einen "intakten Markttrend" wider, sagte Solarworld-Chef Asbeck. Dem Unternehmen zufolge stieg der Absatz vor allem in den USA. Doch selbst im insgesamt schrumpfenden deutschen Solarmarkt verkaufte Solarworld etwas besser als im Vorjahr. Das überzeugte auch die Investoren: Die Solarworld-Aktie verteuerte sich zeitweise um rund 10 Prozent.

Noch immer sinkt allerdings der Preis, den Solarworld je Megawatt Erzeugungsleistung erzielen kann. Das zeigen die Erlöse, die mit 26 Prozent auf 181 Millionen Euro weniger stark als der Absatz zulegten.

Weniger flüssige Mittel

Auch an seinem Gewinn muss Solarworld weiter arbeiten: Nach Berücksichtigung von Abschreibungen lag das Unternehmen noch immer in der Verlustzone. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) betrug der Fehlbetrag rund 4 Millionen Euro, nach 36 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Über den Nettogewinn machte Solarworld keine Angaben.

Rückläufig waren die flüssigen Mittel. Zum Stichtag 30. September beliefen sie sich auf 151 Millionen Euro. Drei Monate zuvor waren es 8 Millionen Euro mehr gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr wirkt die Lage aber eher entspannt: Damals drohte Solarworld das Geld auszugehen. Bei der dann folgenden Finanzrestrukturierung verzichteten Gläubiger und Anteilseigner auf eigene Ansprüche - und retteten so das Unternehmen.

Solarworld-Chef Asbeck sieht Solarworld wieder in der Erfolgsspur. Auch dank der Übernahme der Bosch-Werks hebe sich das Unternehmen inzwischen deutlich von seinen Konkurrenten ab. Dort produziert Solarworld monokristalline Zellen, eine Technologie, die Asbeck als besonders leistungsfähig bezeichnete.

Die Auftragslage für 2015 sei "ordentlich", sagte der Konzernchef dem "Wall Street Journal Deutschland". Auch dies bedeute eine Verbesserung: In den vergangenen Monaten habe die Situation auf dem Photovoltaikmarkt das Unternehmen gezwungen, eher "von der Hand in den Mund" zu leben.

Quelle: n-tv.de

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