Wirtschaft

Finanzinvestoren fehlt VertrauenSpanien gerät in Krisensog

16.04.2012, 17:06 Uhr
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(Foto: dpa)

Die Alarmsignale aus Madrid häufen sich. Das Vertrauen an den Märkten in die Krisenbewältigung der spanischen Regierung schwindet weiter. Bei der EU und den Ländern der Eurozone ist man alarmiert. In Brüssel werden Beruhigungspillen verteilt. Doch die Finanzmärkte nehmen Spanien immer stärker ins Visier.

Spanien hält die Finanzmärkte weiter in Atem. Das Misstrauen

der Investoren in die Krisenbewältigung der konservativen Regierung in Madrid wächst.

Als Folge stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals in diesem Jahr

über die Marke von sechs Prozent. Damit wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen. Auch die Prämien für Ausfallversicherungen

auf spanische Staatsanleihen (CDS) kletterten auf Rekordwerte. Auch der Euro geriet

unter Druck. In Brüssel versuchte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die

Lage zu entspannen.

Als Reaktion auf die nervösen Finanzmärkte sprach er

Spanien sein Vertrauen aus: "Ich bin absolut überzeugt davon, dass Spanien

in der Lage sein wird, die Herausforderungen zu meistern." Er sei "vollkommen

zuversichtlich", dass die spanische Regierung alle Schwierigkeiten bewältigen

werde. Er vertraue in die Finanzkraft des Landes, betonte Barroso.

Doch die Finanzmärkte nehmen Spanien in der Euro-Schuldenkrise

immer stärker ins Visier. Zwar verkündet die konservative Regierung von

Ministerpräsident Mariano Rajoy ein Sparvorhaben nach dem anderen, aber Finanzinvestoren

fehlt das Vertrauen. Hintergrund ist, dass die Wirtschaft immer weiter abrutscht

und der Bankensektor in anhaltenden Problemen steckt.

Mehr als sechs Prozent Effektivzinsen für zehnjährige

Saatsanleihen sind ein deutliches Alarmsignal. Zu Wochenbeginn stieg die Rendite

bis auf 6,13 Prozent, Anfang Februar hatte sie noch deutlich niedriger bei unter

fünf Prozent gelegen. Ab einem Zinssatz von sieben Prozent gilt die Geldaufnahme

für Staaten auf Dauer als zu teuer. Noch stärker gerieten Staatspapiere in den kurzen

Laufzeiten unter Druck. Im zweijährigen Bereich stieg die Rendite - ein Maßstab

für das Misstrauen der Investoren - auf bis zu 3,68 Prozent. Anfang April hatte

sie mit 2,5 Prozent über einen ganzen Prozentpunkt niedriger gelegen.

An den Märkten für Ausfallversicherungen (Credit Default

Swaps/CDS) auf Staatsanleihen stiegen die Prämien für spanische Titel sogar auf

einen neuen Rekordwert. Die CDS-Prämie für eine fünfjährige spanische Anleihe um

rund 18 Stellen auf 521 Basispunkte zu. Das bedeutet, dass die Absicherung einer

spanischen Anleihe über beispielsweise 10 000 Euro derzeit 521 Euro pro Jahr kostet

- so viel wie noch nie.

Auch Italiener mit Problemen

Viele Investoren gehen davon aus, dass Spanien letztlich

nicht ohne internationale Hilfe auskommen wird. Deshalb verstummt der Ruf nach einer

Aufstockung des Euro-Rettungsfonds nicht. Barrosos Sprecherin wies dies

allerdings zurück. Die Finanzminister der Euro-Länder hatten sich Ende März darauf

verständigt, den neuen Euro-Rettungsfonds ESM von den bisher geplanten 500 auf rund

800 Milliarden Euro aufzustocken.

Im Fahrwasser Spaniens verschlechterte sich auch die

Lage am Rentenmarkt Italiens, allerdings nicht ganz so stark wie im südeuropäischen Land.

Auch liegt das Renditeniveau mittlerweile unter dem Niveau in Spanien.

Widersprüchliche Aussagen aus den Reihen der Europäischen

Zentralbank (EZB) heizten zuletzt die Nervosität an den Anleihemärkten noch an.

Dabei geht es um die Frage, ob die Notenbank künftig wieder am freien Markt mit

Anleihekäufen intervenieren will, um die Euro-Krisenländer zu entlasten. Das entsprechende

Programm ruht seit mehreren Wochen. Dass Spanien am Geld- und Kapitalmarkt diese

Woche weitere Anleiheauktionen plant, beunruhigt zusätzlich.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich die Lage

am spanischen Anleihemarkt deutlich verschlechtert. Allerdings ist sie noch nicht

ganz so trübe wie im November 2011, als neben Spanien und Italien auch wichtige

Kernländer Europas bis hin zu Frankreich in die Schusslinie geraten waren.

Einige europäische Anleihemärkte standen damals kurz

vor dem Kollaps. Erst eine gemeinsame Aktion führender Notenbanken sorgte für sichtliche

Entspannung. Schließlich beruhigte die EZB die Lage, in dem sie den europäischen

Bankensektor seit Dezember mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine Billion

Euro versorgte.

Quelle: ntv.de, dpa