Wirtschaft
Der spanische Stier bekommt mächtig auf die Hörner derzeit.
Der spanische Stier bekommt mächtig auf die Hörner derzeit.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 07. Juni 2012

"Bail out" rückt näher: Fitch senkt Spaniens Bonität

Hier kommt der Autor hin

Spanien braucht dringend Geld, um den kriselnden Bankensektor wieder auf Vordermann zu bringen. Der IWF taxiert den Bedarf auf rund 90 Mrd. Euro. Da kann das schuldengeplagte Land eine Herabstufung der Bonität durch eine Ratingagentur nicht gebrauchen. Aber genau das passiert.

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Spanien muss erneut einen Tiefschlag verkraften. Die Ratingagentur Fitch hat das Langfristrating des Landes gleich um drei Stufen auf "BBB" von "A" nach unten genommen. Zudem wurde der Ausblick auf "negativ" gesetzt. Das heisst, es droht eine weitere Herabstufung. Erst Ende Mai hatte die Ratingagentur die Kreditbewertung von acht Regionen des angeschlagenen Eurolandes gesenkt.

Die jüngste Abstufung wird mit den zu erwartenden hohen Kosten für die Restrukturierung sowie Rekapitalisierung der spanischen Banken begründet. Die Experten gehen hier jetzt von einem Volumen zwischen 60 Mrd. und 100 Mrd. Euro aus. Zuvor hatte Fitch lediglich mit einem Volumen von 30 Mrd. Euro gerechnet.

Renditen klettern wieder

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Die neue Fitch-Bewertung kommt denkbar ungelegen. Trotz der Befürchtungen der eigenen Regierung konnte sich Spanien am Kapitalmarkt frisches Geld besorgen und so einen unmittelbaren Gang unter den Euro-Rettungsschirm vermeiden. Das hoch verschuldete Land sammelte 2,1 Mrd. Euro ein, musste dafür allerdings höhere Zinsen als zuletzt zahlen.

Die Rendite für spanische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit kletterte auf gut 6 von zuvor 5,7 Prozent. Damit blieb sie aber unter 7 Prozent. Über der Marke sind die Zinskosten so hoch, dass es als nahezu unmöglich gilt, dass sich ein Land damit noch dauerhaft selbst finanzieren kann. Schlüpft ein Land unter den Rettungsschirm, bekommt es deutlich günstigere Zinsen - muss aber normalerweise teils harschen Sparauflagen der Geldgeber EU und IWF zustimmen.

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"Wenn die Auktion gescheitert wäre, hätte es jetzt 100-prozentige Sicherheit gegeben, dass Spanien einen 'Bail-out' braucht - und zwar einen richtigen", sagte Lloyds-Zinsstratege Achilleas Georgolopoulos.

Milliarden-Kapitalbedarf

Spaniens Finanzminister Christobal Montoro hatte am Dienstag erstmals offen Probleme seines Landes bei der Geldbeschaffung eingestanden und damit die Finanzmärkte stark verunsichert. Bisher wehrt sich Spanien strikt, unter den Rettungsschirm seiner Euro-Partner zu schlüpfen. Der Regierung in Madrid machen die hohe Arbeitslosigkeit, die finanzschwachen Regionen und der taumelnde Bankensektor zu schaffen. Inzwischen wächst an den Finanzmärkten aber die Einschätzung, Spanien könne auf die eine oder andere Art demnächst doch um Milliarden-Hilfen bitten. An den Börsen führte diese Hoffnung erneut zu steigenden Kursen.

Spaniens Regierung will erst in einigen Wochen über ein Anzapfen des Euro-Rettungsfonds entscheiden. Dann sollen Ergebnisse einer Prüfung der Bankbilanzen durch unabhängige Wirtschaftsprüfer und den Internationalen Währungsfonds (IWF) vorliegen.

Der IWF taxiert den zusätzlichen Kapitalbedarf der angeschlagenen Banken auf mindestens 40 Mrd. Euro, sagten zwei Personen aus dem Finanzsektor zu Reuters. Alles in allem würden laut IWF-Bericht 90 Mrd. Euro benötigt, um den Bankensektor auf Vordermann zu bringen.

Merkel: Bekenntnis für "mehr Europa"

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister David Cameron indes ihre Bereitschaft, angeschlagenen Euro-Staaten zu helfen. "Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten ist es wichtig, noch einmal zu betonen, dass wir die Instrumente für die Unterstützung der Eurozone geschaffen haben", sagte sie. "Deutschland ist bereit, mit diesen Instrumenten auch zu arbeiten, wenn dies notwendig ist."

Die Bundesregierung habe den festen Willen, die Eurozone stabil zu halten. Cameron drängte die Länder der Euro-Zone, nicht nur über mittelfristige Reformen zu reden, sondern die Währungszone schnellstens zu stabilisieren. Dies sei dringend nötig, weil die gesamte EU-Wirtschaft davon abhänge. Merkel bekräftigte zudem, der EU-Gipfel Ende Juni solle ein klares Bekenntnis für "mehr Europa" abgeben und einen Zeitplan für mehr Reformen beschließen. "Wir brauchen nicht nur eine Währungsunion, sondern wir brauchen auch eine sogenannte Fiskalunion, also mehr gemeinsame Haushaltspolitik."

Quelle: n-tv.de

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