Wirtschaft
Hohe Arbeitslosigkeit und die Sparpolitik der Regierung treiben in Spanien die Menschen auf die Straße.
Hohe Arbeitslosigkeit und die Sparpolitik der Regierung treiben in Spanien die Menschen auf die Straße.(Foto: picture alliance / dpa)

Rezession schlimmer als gedacht: Spanien muss länger leiden

Die Wirtschaft schrumpft, jeder vierte Spanier hat keinen Job, die Schulden wachsen – dennoch versucht Spaniens Ministerpräsident Rajoy Hoffnung zu verbreiten. Die macht nun offenbar die EU zunichte: Laut einem Medienbericht fällt die Rezession noch schlimmer aus als die Regierung glaubt – und 2012 wird nicht das schlimmste Jahr gewesen sein.

Spanien droht eine härtere und längere Durststrecke als befürchtet. Die EU-Kommission sagt dem Land einem Medienbericht zufolge für 2013 einen stärkeren Konjunktureinbruch voraus als ihn die Regierung in Madrid erwartet. Ministerpräsident Mariano Rajoy hingegen versucht Hoffnung zu verbreiten, obwohl jeder zweite Spanier keinen Job hat, jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, 9 von 17 Regionen Finanzhilfe aus Madrid beantragt haben. "2014 wird es Wachstum in Spanien geben. 2012 wird das schlimmste Jahr gewesen sein und das nächste Jahr wird besser werden", sagte Rajoy in einem Hörfunk-Interview. Ob Spanien einen Antrag auf europäische Hilfsgelder stellen wird, ließ Rajoy erneut offen.

Die EU-Kommission legt am Mittwoch in der Herbstprognose ihre Schätzungen für den Konjunkturverlauf in den EU-Ländern vor. Nach einem Zeitungsbericht sagt die Brüsseler Behörde Spanien für 2013 einen dreimal so starken Rückgang der Wirtschaftsleistung voraus wie die Regierung in Madrid erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach um 1,5 Prozent fallen, berichtete die Tageszeitung "El Pais" unter Berufung auf den Entwurf der Kommission. Die Regierung geht nur von einem Minus von 0,5 Prozent aus. Für dieses Jahr rechnet die Kommission mit minus 1,6 Prozent. 2014 erwartet sie demnach ein Wachstum von 0,5 Prozent, während die Regierung dann sogar ein Plus von 1,2 Prozent anpeilt. Auch für den Abbau des spanischen Staatsdefizits sind die Experten in Brüssel deutlich pessimistischer als Rajoy und sein Kabinett.

Spaniens Wirtschaft liegt am Boden

Spaniens Wirtschaft kommt nach dem Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise nur schwer wieder auf die Beine. Derzeit steckt das Land tief in der Rezession und Rajoys Sparkurs bremst das Wachstum zusätzlich. Dies signalisieren auch neue Daten vom wichtigen Dienstleistungssektor. Die Service-Firmen verbuchten wie seit 16 Monaten schrumpfende Geschäfte, wie aus einer Markit-Umfrage hervorgeht.

Für seine schwächelnden Banken hat Spanien bereits Milliardenhilfen seiner Euro-Partner beantragt. Ein weiteres Hilfsgesuch scheut die Regierung aber, denn sie fürchtet im Gegenzug harte Reformauflagen. Ein Anzapfen des Euro-Rettungsschirms ist aber die Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank spanische Staatsanleihen kauft und damit die Zinskosten des Staates drücken könnte.

Entscheidend sei aber, ob das Anleihenkauf-Programm die Finanzierungskosten auch wirklich senken würde, betonte Rajoy. "Das Problem sind nicht nur die Bedingungen, sondern die Frage, um wie viel sich die Risikoaufschläge verringern würden", sagte er. Sollte sich der auch Risikoaufschlag genannte Zinsabstand zwischen einer deutschen und einer spanischen Anleihe von rund vier nicht auf zwei Prozentpunkte verringern, "dann wäre das Ganze nicht sinnvoll". Derzeit liegt die Rendite für einen 10-jährigen spanischen Bond um gut vier Prozentpunkte über dem der deutschen Bundesanleihe. Eine neue Nagelprobe an den Finanzmärkten steht Spanien am Donnerstag bevor. Das Land will dann Anleihen über bis zu 4,5 Mrd. Euro an Investoren verkaufen. Erstmals seit Mitte 2011 will Spanien wieder ein 30-jähriges Papier platzieren.

Quelle: n-tv.de

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