Wirtschaft

Hoffen auf Ende der Rezession : Spanien sieht Land

Seit Jahren leidet Spanien unter den Folgen des geplatzten Immobilienbooms. Nun gibt es einen kleinen Lichtblick: Die Wirtschaftsleistung sinkt im zweiten Quartal nur ganz schwach. Die lang andauernde Rezession könnte bald Geschichte sein. Allerdings warnen die Ökonomen vor zu großer Euphorie. Sie erwarten eine kraftlose Erholung.

Die Banco Santander macht wieder ordentlichen Gewinn.
Die Banco Santander macht wieder ordentlichen Gewinn.(Foto: picture alliance / dpa)

Die spanische Wirtschaft hat das Ende ihrer langen Durststrecke vor Augen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von April bis Juni zwar bereits das achte Quartal in Folge. Das Minus fiel mit 0,1 Prozent aber so klein aus wie noch nie seit Beginn der Talfahrt vor zwei Jahren, wie die nationale Statistikbehörde in Madrid mitteilte.

Am Jahranfang war die Wirtschaftsleistung noch um 0,5 Prozent eingebrochen. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy rechnet damit, dass die Rezession in den Sommermonaten ein Ende findet. Ökonomen erwarten aber nur eine kraftlose Erholung.

Das liegt vor allem an der schwachen Binnennachfrage. Sie leidet unter Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen der Regierung, mit denen sie ihr Defizit senken will. Die hohe Arbeitslosigkeit drosselt ebenfalls den privaten Konsum. Wettgemacht wurde das im Frühjahr teilweise vom anziehenden Tourismus und steigenden Ausfuhren.

Spaniens Wirtschaftsleistung hängt inzwischen zu einem Drittel vom Exportgeschäft ab, vor vier Jahren lag der Anteil lediglich bei 23 Prozent. Das macht die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone abhängiger vom Auf und Ab der Weltkonjunktur, die derzeit wegen der Abkühlung in Schwellenländern wie China eine Schwächephase durchmacht.

"Unter dem Strich erwartet wir, dass die spanische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte mehr oder weniger stagniert", sagte ING-Ökonom Martin van Vliet. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres dürfte sie allmählich wieder wachsen.

Arbeitslosenquote sinkt

Die Signale für ein Ende der Talfahrt haben sich zuletzt verstärkt. Erstmals seit zwei Jahren sank die Arbeitslosigkeit im zweiten Quartal. Die Quote ging dank einer einträglichen Urlaubssaison auf 26,3 Prozent zurück, nachdem sie zu Jahresbeginn auf 27,2 Prozent geklettert war. 5,98 Millionen Spanier sind aber immer noch ohne Job. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Bei dem landesweit drittgrößten Geldhaus La Caixa erhöhte sich der Gewinn um mehr als das Doppelte auf 408 Millionen Euro.

Spanien leidet unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückspreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Quelle: n-tv.de

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