Wirtschaft
Die Sparmaßnahmen der Regierung könnten zum roten Tuch für Spaniens Bürger zum roten Tuch werden: Immer mehr sind arbeitslos.
Die Sparmaßnahmen der Regierung könnten zum roten Tuch für Spaniens Bürger zum roten Tuch werden: Immer mehr sind arbeitslos.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Weitere Region will Finanzhilfe: 6 Millionen Spanier arbeitslos

Die Schuldenkrise raubt Spanien immer mehr die Luft: Die Wirtschaft liegt am Boden. 9 der 17 autonomen Regionen des Landes fordern mittlerweile Finanzhilfe vom Staat. Die Arbeitslosenquote ist mit 25 Prozent so hoch wie zuletzt 1977, vor allem die Jugendlichen sind betroffen. Ein Teufelskreis.

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In Spanien wird die Liste der Regionen, die in der Schuldenkrise Hilfen vom Zentralstaat benötigen, immer länger. Nun hat auch die nordspanische Region Kantabrien die Regierung um finanzielle Hilfen gebeten. Wie die Regionalregierung in Santander mitteilte, benötigt sie 137,2 Mio. Euro aus dem Hilfsfonds der Madrider Zentralregierung. Damit haben bis jetzt 9 der 17 autonomen Regionen Spaniens Finanzhilfe beim nationalen Rettungsfonds FLA beantragt: Valencia, Murcia, Katalonien, Andalusien, die Kanaren, Kastilien-La Mancha, Asturien, die Balearen, und Kantabrien.

Die spanischen autonomen Regionen waren im vergangenen Jahr verantwortlich für nahezu zwei Drittel des gesamtstaatlichen Haushaltsdefizits. Die Madrider Regierung hat sich bei der EU-Kommission dazu verpflichtet, das Defizit in diesem Jahr von 9,4 auf 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Dafür brachte sie umfangreiche Sparmaßnahmen auf den Weg, die allerdings nicht ungefährlich sind: Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist auf einen neuen Rekord geklettert.

In dem Euro-Krisenland erreichte die Arbeitslosenquote im dritten Quartal 25,0 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut INE mitteilte. Dies ist die höchste Quote seit 1977. In 16 spanischen Provinzen lag die Quote über 30 Prozent, darunter in allen andalusischen Provinzen. Die Provinzen sind zum Teil hoch verschuldet.

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Insgesamt waren Ende September in Spanien knapp 5,8 Millionen Menschen arbeitslos, 85.000 mehr als im zweiten Vierteljahr. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat die zweithöchste Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union. In Griechenland lag die Quote zuletzt bei 25,1 Prozent. Eine Besserung ist in beiden Ländern nicht in Sicht.

Jugend ohne Chance

Die Arbeitslosigkeit trifft vor allem die Jugendlichen unter 25 Jahren. In dieser Altersklasse ging die Arbeitslosenquote in Spanien zwar leicht auf 52,3 Prozent zurück, sie blieb jedoch im dritten Quartal auch in der EU auf einem Rekordniveau. Im Jahresvergleich stieg die Quote indes um 6,5 Prozentpunkte. Auch die Zahl der spanischen Haushalte mit allen Angehörigen ohne Job erreichte mit 1,74 Millionen einen neuen Rekordstand.

Experten werten die Zahlen als alarmierend. Die Beschäftigungslage in Spanien könne sich angesichts der strikten Sparvorgaben der Regierung und der anhaltenden Rezession noch weiter verschlechtern.

"Die Situation ist ernst"

Die spanische Wirtschaft ist weiter im freien Fall: Laut jüngsten Angaben der Notenbank sank das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September um 0,4 Prozent zum Vorquartal und um 1,7 Prozent zum Vorjahr. Die Frühindikatoren weisen Experten zufolge auf einen anhaltenden Absturz hin.

"Die Situation ist ernst", warnt Ökonom Ricardo Santos von der Großbank BNP Paribas. Im öffentlichen Bereich, vor allem im Gesundheits- und im Bildungssektor, dürften weiter Stellen gekürzt werden. Nicht nur in Spanien, auch in den anderen südeuropäischen Euro-Krisenländern Griechenland, Portugal und Zypern hat die Arbeitslosigkeit dramatische Ausmaße angenommen.

Quelle: n-tv.de

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