Wirtschaft
Airbus-Mitarbeiter demonstrieren in Hamburg vor dem Airbus-Werksgelände in Finkenwerder.
Airbus-Mitarbeiter demonstrieren in Hamburg vor dem Airbus-Werksgelände in Finkenwerder.(Foto: dpa)

Aktionstag gegen Kürzungspläne: Gewerkschaft nimmt EADS ins Visier

Die Airbus-Mutter EADS will ihr Rüstungsgeschäft umbauen. Tausende Stellen sind in Gefahr. Die IG Metall ruft zu einem bundesweiten Aktionstag auf. An vielen Standorten versammeln sich Tausende Mitarbeiter.

Zehntausende EADS-Mitarbeiter haben gegen die Pläne des Luft- und Raumfahrtkonzerns für einen massiven Stellenabbau im Rüstungsgeschäft protestiert. Besonders zünftig fiel die Aktion im oberbayerischen Manching aus: Die Blasmusik des Manching Airfield Orchesters führt den Protestzug aus dem Cassidian-Werk auf den davorgelegenen Parkplatz an. Rund 1000 EADS-Mitarbeiter folgen Trommel und Tuba vor die Redner-Tribüne der IG Metall. Insgesamt brachte die die Gewerkschaft nach eigenen Angaben an 30 deutschen EADS-Standorten 20.000 Beschäftigte zumindest für etwa eine Stunde zu Demonstrationen auf die Straße.

Enders will Insidern zufolge wegen der schlechten Aussichten für seine Rüstungssparte Tausende Arbeitsplätze streichen. Der Reservemajor hat harte Einschnitte zur Zusammenlegung der drei Sparten Cassidian, Astrium und Airbus Military angekündigt. Der Konzern, der demnächst den Namen seiner Passagierjet-Tochter Airbus trägt, verdient gut an Verkehrsflugzeugen. Das Geschäft mit Kriegsgerät und Satelliten steht allerdings vor einer ungewissen Zukunft.

Staaten sparen an Rüstungsausgaben

Die Aufträge aus den Stammländern Deutschland, Frankreich und Spanien werden immer spärlicher. Bestehende Orders werden mitunter gekürzt. Und außerhalb Europas hatte EADS mit seinen Rüstungsgütern kaum Glück: Die Exporte des Kampfjets Eurofighter sind dürftig. Zudem verstrickte sich der Hersteller in Korruptionsvorwürfe. Die Drohne Eurohawk geriet nach ausufernden Kosten zum Politikskandal, an den Militärhubschraubern Tiger und NH90 hagelte es immer wieder Kritik.

Zudem mischten sich die staatlichen Kunden in der Vergangenheit oft in die Unternehmenspolitik ein, da sie auch Miteigentümer waren. So vereitelte etwa federführend die Bundesregierung die geplante Fusion mit der britischen BAE Systems. Der vergrämte Enders wagte in der Folge den Befreiungsschlag und es gelang ihm, den staatlichen Einfluss im Rahmen eines neuen Aktionärspakts einzudämmen. Zu einem normalen, vor allem gewinnorientierten Unternehmen will der Manager sein Haus machen. Dazu gehört wie bei börsennotierten Konzernen üblich ein Renditeziel. Für EADS hat Enders die anspruchsvolle Margenmarke von zehn Prozent bis 2015 ausgerufen.

Für die Rüstungssparte Cassidian ist das keine Herausforderung, sie liegt in der Regel weit über dem Wert und ist derzeit verglichen mit anderen Konzernteilen die rentabelste. Dass Enders ausgerechnet dort den Rotstift ansetzt, bringt die Belegschaft in Rage. "Wir sind doch kein Sanierungsfall", sagt Thomas Pretzl, Betriebsratschef von EADS Deutschland, in Manching.

Gewerkschaft kündigt harten Kampf an

Konzernbetriebsratschef Rüdiger Lütjen forderte EADS zu Verhandlungen auf. "Für uns ist klar: Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben." Harte Kürzungen wären den Beschäftigten bei der insgesamt guten wirtschaftlichen Situation und der Auftragslage des Konzerns nicht zu vermitteln.

EADS will die Belgschaft erst übernächste Woche und damit wenige Tage vor Weihnachten über die konkreten Schritte informieren. "Wir haben Verständnis für die Sorgen unserer Mitarbeiter. Und gerade weil wir deren Interessen im Blick haben, stellt der Vorstand die Ergebnisse am 9. Dezember zunächst dem Europäischen Betriebsrat vor und kommuniziert die Fakten dann im Anschluss", sagte ein Sprecher. Zugleich verteidigt der Konzern seine Pläne. Es gehe darum die Wettbewerbsfähigkeit des Verteidigung und Raumfahrtgeschäfts langfristig sicherzustellen.

Schon jetzt ist absehbar, dass ein harter Konflikt bevorsteht. Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler betonte, seine Organisation sei bereit zu einem Dialog mit dem Management, um Arbeitsplätze zu sichern. Allerdings scheue die IG Metall auch keine Arbeitsniederlegungen, sollten sich die Fronten verhärten.

Quelle: n-tv.de

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