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Trägt Raketen ferngelenkt ins Ziel: eine Drohne vom Typ "Global Hawk".
Trägt Raketen ferngelenkt ins Ziel: eine Drohne vom Typ "Global Hawk".(Foto: REUTERS)

Wohin mit den teuren Hightech-Waffen?: Sparpolitik krempelt Rüstung um

Der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman zieht die Reißleine: Weil in den hoch verschuldeten Industriestaaten die Verteidigungsbudgets schrumpfen, verordnet sich der Militärzulieferer ein striktes Sparprogramm. Weltweit suchen Waffenhersteller nun nach neuen Absatzmärkten - für Northrop Grumman wird das allerdings schwierig.

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In einem spektakulären Schritt zur Kostensenkung hat der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman seinen Rückzug von der internationalen Luftfahrtmesse im englischen Farnborough angekündigt. .

Außerhalb der USA aus militärstrategischen Gründen praktisch unverkäuflich: Im internationalen Geschäft bleiben die Stealth-Bomber vom Typ "B-2" für Northrop Grumman gezwungenermaßen ein echter Ladenhüter.
Außerhalb der USA aus militärstrategischen Gründen praktisch unverkäuflich: Im internationalen Geschäft bleiben die Stealth-Bomber vom Typ "B-2" für Northrop Grumman gezwungenermaßen ein echter Ladenhüter.(Foto: REUTERS)

Der Konzern werde im kommenden Jahr nicht an der Branchenshow teilnehmen, erklärte Northrop Grumman. Experten zufolge ist es das erste Mal seit Jahrzehnten, dass das Unternehmen - eines der fünf größten der US-Rüstungsbranche - die Messe auslässt. Northrop Grumman produziert für das US-Militär unter anderem den Tarnkappenbomber "B-2", Elektronik für den schweren Panzer "M1A1 Abrams", Kampfdrohnen vom Typ "Global Hawk", Raketen und Überwachungssatelliten. Fachleute sehen im Angebot von Northrop kaum Produkte, die sich tatsächlich exportieren ließen. Zum Teil verbauen Northrop-Ingenieure streng geheime Technologien, darunter auch die Anti-Radar-Beschichtung der Stealth-Flieger. Andere Northrop-Erzeugnisse wiederum haben für die USA militärstrategische Bedeutung - und deshalb keine Exportchance.

Konzernchef Wes Bush sei offenbar wild entschlossen, sein Sparprogramm voranzubringen, sagte Analystin Loren Thompson von der US-Denkfabrik Lexington Institute. Northrop macht mehr als 90 Prozent seines Umsatzes mit der US-Regierung und hat die Ausgaben für Präsentationen und Einladungen auf den großen Luftfahrtmessen in Europa bereits in den vergangenen Jahren deutlich reduziert.

Die neuen Rahmenbedingungen, die Northrop Grumman zum Umdenken bewegen, gelten dabei für die gesamte Branche. Nach Ansicht des französischen Verteidigungs- und Luftfahrtkonzerns Thales müssen sich Rüstungskonzerne wegen der Schuldenkrise in Europa und den USA insgesamt geografisch neu orientieren.

Die Vertreter eilen nach Asien

Wachstum sei in den kommenden Jahren vor allem in Asien zu erwarten, wo sich die Konzerne einen harten Konkurrenzkampf um lukrative Aufträge liefern dürften, hatte Thales-Chef Luc Vigneron erst Mitte September in einem Reuters-Interview erklärt. "Rüstungsausgaben gehen Hand in Hand mit dem Wirtschaftswachstum eines Landes. Ich denke, die asiatischen Staaten werden sich hier an die Spitze setzen", sagte Vigneron am Rande der Rüstungsmesse DSEi in London. Aber auch in Russland, Indien und Brasilien stünden Großaufträge an.

Fast komplett abhängig vom Pentagon: Wes Bush.
Fast komplett abhängig vom Pentagon: Wes Bush.(Foto: REUTERS)

Thales wird sich nach Einschätzung von Vigneron in den Schwellenländern einen harten Wettbewerb mit lokalen Herstellern und britischen und US-amerikanischen Konzernen stellen müssen. Es sei jedoch noch völlig offen, ob die Aufträge aus den Schwellenländern die Kürzungen in den Industrieländern wettmachen können, sagte Vigneron.

In den USA - dem wichtigsten Militärmarkt der Welt - sollen den Sparbemühungen nach den Plänen aus dem Weißen Haus Rüstungsausgaben von mindestens 350 Mrd. Dollar zum Opfer fallen. In Großbritannien wird der Verteidigungshaushalt um 8 Prozent gekürzt. Die angelsächsischen Rüstungskonzerne expandieren deshalb aggressiv im Mittleren Osten und Asien, um die Ausfälle auf ihren Heimatmärkten auszugleichen.

Der US-Kongress zögert

Beschlossene Sache sind die Einschnitte im Verteidigungsetat der USA - dem mit Abstand größten der Welt - allerdings noch nichts: Die zuständigen Ausschüsse des US-Kongresses haben bislang nur wenig Vorschläge zum Abbau der horrenden Verschuldung der größten Volkswirtschaft vorgelegt.

Die Frist zur Vorlage von Ideen läuft an diesem Wochenende ab. Bei dem überparteilichen Schulden-Komitee des Parlaments sind bislang allerdings kaum Anregungen eingegangen. Die Arbeitsgruppe muss Einsparungen von mindestens 1,2 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren aushandeln und hat darauf gesetzt, dass die in der Frage zutiefst zerstrittenenen Demokraten und Republikaner auf der Ebene der Ausschüsse Kompromisse vorbereiten.

Der für Steuern und das Gesundheitssystem zuständige Ausschuss des Repräsentantenhauses habe sich überhaupt nur einmal mit dem Anliegen befasst und dabei sei nichts herausgekommen, sagte die Abgeordnete Sandy Levin. Dagegen reichte der Senats-Ausschuss für Umwelt und öffentliche Aufträge durchaus ein Papier beim Schulden-Komitee ein, allerdings ohne einen einzigen Sparvorschlag. Stattdessen verlangten die Mitglieder, dass die Ausgaben für Autobahnen und Infrastruktur nicht gekürzt werden dürften.

Demokraten und Republikaner haben sich im August im Rahmen des sogenannten Haushaltsstreits darauf geeinigt, dass das Sparprogramm in der überparteilichen Arbeitsgruppe ausgearbeitet wird. Nach einer monatelangen Zitterpartie hatte diese Lösung die drohende technische Staatspleite in letzter Sekunde abgewendet.

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Quelle: n-tv.de

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