Wirtschaft
Der US-Häusermarkt liegt am Boden, dennoch wittern Spekulanten ein Geschäft.
Der US-Häusermarkt liegt am Boden, dennoch wittern Spekulanten ein Geschäft.(Foto: REUTERS)

Wetten auf Wiederauferstehung: Spekulation mit US-Immobilien

Der Niedergang des US-Häusermarkts hatte die ganze Welt in eine Krise gestürzt. Noch immer liegen die Immobilienpreise in den Staaten am Boden und es ist unklar, ob oder wann sie sich erholen. Das hält die Wall Street aber nicht davon ab, wieder Wetten einzugehen.

Die Schamfrist an der Wall Street scheint abgelaufen: Ausgerechnet der Investmentgigant Goldman Sachs - einer der wenigen Profiteure des Immobilien-Crashs vor fünf Jahren - rührt bei Großanlegern die Werbetrommel für einen neuen Fonds, der auf die Erholung des US-Häusermarkts setzt. Ebenfalls mit von der Partie sind einige der Hedgefonds-Manager, die seinerzeit am aggressivsten auf den Zusammenbruch spekuliert hatten. Die Wette könnte allerdings nach hinten losgehen.

Denn fast fünf Jahre nach dem Kollaps gleicht der Häusermarkt noch immer einem Patienten in Schockstarre. Gelingt die Wiederbelebung? Die jüngsten Veröffentlichungen statistischer Daten zeichnen ein diffuses Bild. Im Zuge der einsetzenden konjunkturellen Erholung scheint sich neben dem Arbeitsmarkt endlich auch der Immobiliensektor etwas zu stabilisieren. Von einem wirklichen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein.

Hypotheken "unter Wasser"

Seit den Spitzenzeiten im Jahr 2006 sind die Häuserpreise um mehr als 30 Prozent gefallen, selbst 2011 gaben sie um vier Prozent nach. Damit stehen die Hausbesitzer unter anhaltendem Druck: Darlehen im Volumen von mehr als 150 Mrd. Dollar (114 Mrd. Euro) konnten letztes Jahr nicht pünktlich zurückgezahlt werden und über zehn Millionen Schuldner stehen mit Summen in der Kreide, die den Wert ihrer Immobilien übersteigen. Die Hypothek ist "unter Wasser", heißt das in der Fachsprache.

Vor diesem Hintergrund muten die "attraktiven Investitionsmöglichkeiten", mit denen Goldman für seinen neuen Fonds "U.S. Housing Recovery" wirbt, etwas euphemistisch an. Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg konnte einen Blick in den Verkaufsprospekt erhaschen. Goldman selbst nahm auf Anfrage keine Stellung.

Rendite auf Kosten anderer

Goldman hatte vor dem Platzen der US-Immobilienblase 2007 im großen Stil auf sinkende Häuserpreise gesetzt - und damit viel Geld verdient. Kritiker werfen der Firma allerdings vor, die Gewinne auf Kosten ihrer Kunden gemacht zu haben. Die Bank soll ihren Klienten noch verbriefte Hypothekenkredite angedient zu haben, als sie selbst schon lange das Vertrauen in diese Anlageform verloren hatte. Davon zumindest sind mehrere US-Senatoren und die Börsenaufsicht SEC überzeugt. Sie machten regelrecht Jagd auf Goldman. Die SEC brummte der Bank in einem Fall eine Strafe von 550 Millionen Dollar auf.

Als Tippgeber und Partner mit im Boot war damals der New Yorker Hedgefonds-Manager John Paulson - auch er sammelt schon länger wieder die mit Hypotheken hinterlegte Wertpapiere ein, die in der Finanzkrise so viele Anlage-Portfolios vergiftet und die Märkte an den Rand des Kollaps gebracht hatten. Komplettiert wird die Riege der "Totengräber", die inzwischen auf die Wiederauferstehung des US-Häusermarkts setzen, durch den texanischen Hedgefonds-Manager Kyle Bass und den ehemaligen Deutsche-Bank-Star-Händler Greg Lippmann.

Bei ihrer Wette auf die Wiederbelebung des Immobilienmarkts wähnen die Spekulanten einen mächtigen Verbündeten an ihrer Seite: die US-Notenbank Fed. Sie wendet seit 2008 Milliarden auf, um den Markt durch Ankäufe hypothekenbesicherter Wertpapiere zu beleben. Doch die Fed dürfte ihr Engagement eher zurückfahren. Die ultralockere Geldpolitik, zu der auch der Ankauf von Immobilienanleihen zählt, soll bis auf weiteres nicht ausgeweitet werden.

Ob der Markt von selbst wieder auf die Beine kommt, ist ungewiss. Dass der NAHB-Index, ein von der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen ermitteltes Stimmungsbarometer, inzwischen den besten Wert seit Juni 2007 erreicht hat, beeindruckt Experten wenig. "Die negative Dynamik lässt nach - mehr nicht", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank.

Die Skepsis scheint angebracht. Der bis März deutlich gestiegene Index steht bei 28 Punkten, doch erst ab 50 Zählern wird ein Aufschwung signalisiert. Stefan Schilbe, Chefvolkswirt beim Bankhaus HSBC Trinkaus, resümiert: "Es ist erst ein kleiner Schritt getan, und der Immobilienmarkt bleibt eine Achillesferse der US-Wirtschaft."

Quelle: n-tv.de

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