Wirtschaft
(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wasser zu Geld: Spekulieren gegen den Klimawandel

Von Lars Halter, New York

In den USA lässt der anhaltende Winter die Klimawandel-Leugner aktuell triumphieren. Probleme wie die sich ausbreitende Trockenheit werden so aber nicht gelöst. Das hat auch die Wall Street verstanden und spekuliert mit Wasser.

Was ist eigentlich mit dem Wetter los? Es ist mittlerweile Frühling, doch morgens auf dem Weg zur Wall Street merke ich davon nichts - ohne Mantel und Schal kann man in New York nicht aus dem Haus. Die Temperaturen hängen in der Nähe des Gefrierpunkts fest.

Die Republikaner in Washington nehmen das zum Anlass, sich über den Klimawandel lustig zu machen. "Draußen liegt Schnee", triumphiert etwa der Vorsitzende des Umweltausschusses im Senat, Jim Inhofe, ganz als habe er damit das Konzept einer gefährlichen Erderwärmung widerlegt. Kopfschütteln bei den Aufgeklärten, denn längst weiß man, dass mit dem Klimawandel extreme Wetterschwankungen einhergehen: längere, kältere Winter, heißere Sommer, mehr Regen, mehr Schnee, stärkere Hurrikans.

Den USA macht – abgesehen von der ungemütlichen Kälte – vor allem ein Klimaphänomen zu schaffen: die Trockenheit im Westen. Kalifornien hat erneut das trockenste Jahr der Geschichte hinter sich, und die NASA warnt, dass dem Sonnenstaat an der Westküste die Wasservorräte ausgehen. Am Sonntag das Auto zu waschen ist längst verboten, doch viel schlimmer wirkt sich die zunehmende Trockenheit auf die Landwirtschaft aus: Felder trocknen aus, die Ernte ist schwach, dem Vieh geht das Fressen aus. Und Waldbrände nehmen zu, denn die Bäume sind verdorrt.

Moralische Spekulationen mit Wasser

Auch an der Wall Street nimmt man das wahr, zumal Trockenheit nicht einmal ein amerikanisches, sondern natürlich ein globales Ereignis ist – und daran kann man verdienen. Und ist dabei noch nicht einmal unmoralisch. Denn anders als bei den menschenverachtenden Spekulationen mit Lebensmitteln hat der geschickte Einsatz von Kapital im Wasser-Segment keine Folgen für die Menschheit – im Gegenteil: Vielleicht hilft verstärktes finanzielles Engagement sogar, die Probleme einmal zu lösen.

An der Wall Street gibt es zahlreiche Fonds, die auf Wasser spezialisiert sind. Die meisten setzen auf Aktien von Wasser fördernden und verarbeitenden Unternehmen. Die Versorger Aqua America und California Water Service stehen hoch im Kurs, denn sie bereiten auf, was zu einer immer wertvolleren Ressource wird. Viele Anleger setzen verstärkt auf Firmen die Pumpen und anderes zur Wasser-Infrastruktur liefern, etwa Firmen wie Flowserve und Lindsay. Eine ganz andere Idee: Investitionen in Unternehmen, die aus Salzwasser ein trinkbares Gut machen, wenngleich der Marktführer Keppel Corp. nur in Singapur börsennotiert ist.

Interessant sind die verstärkten Investitionen von Anlegern in Wasser übrigens nicht nur für die Märkte, sondern auch politisch. Das Thema wird immer prominenter behandelt, was letztlich zu Lösungen führen dürfte, die nicht nur Aktionären Freude machen, sondern auch den Menschen in dürren Gegenden helfen.

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Quelle: n-tv.de

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