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Keine einfache Anlage: Pressevertreter bestaunten im September die noch nicht fertiggestellten Abfertigungsbereiche im neuen Terminalgebäude.
Keine einfache Anlage: Pressevertreter bestaunten im September die noch nicht fertiggestellten Abfertigungsbereiche im neuen Terminalgebäude.(Foto: dapd)

Neue Mängel an BER: Start-Termin wieder fraglich

Für Berlin und den Rest der Welt rückt die Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens womöglich noch sehr viel weiter in die Ferne als bislang befürchtet. Neu entdeckte Mängel im Brandschutz rütteln am Zeitplan. Technik-Chef Amann muss entscheiden - und schlimmstenfalls den mehrfach bestätigten Eröffnungstermin kippen.

Hier irgendwo könnte der Fehler sitzen: Im dritten Stock des neuen Terminals soll die Technikzentrale der Brandschutzanlage Belüftungs- und Entrauchungsanlagen steuern.
Hier irgendwo könnte der Fehler sitzen: Im dritten Stock des neuen Terminals soll die Technikzentrale der Brandschutzanlage Belüftungs- und Entrauchungsanlagen steuern.(Foto: dapd)

In Berlin-Schönefeld brennt die Luft: Bislang unerkannte bauliche Mängel beim Brandschutz des Berliner Hauptstadtflughafens drohen den ohnehin mit heißer Nadel gestrickten Zeitplan noch einmal gründlich durcheinanderzubringen. Laut Medienberichten gefährden die neu aufgedeckten Probleme auch den Ersatz-Eröffnungstermin im kommenden Jahr. Einem Bericht der "Berliner Morgenpost" zufolge wollten die Verantwortlichen dazu noch im laufenden Tag eine Krisensitzung einberufen.

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Die Schwierigkeiten seien so groß, dass die geplante Eröffnung des Flughafens womöglich nicht eingehalten werden könne, hieß es bereits am Wochenende. Wieder dürfte die Brandschutzanlage, die bereits für die Absage der ursprünglich für Juni geplanten Eröffnung verantwortlich war, Technik-Chef Horst Amann und seine Experten beschäftigen.

Die Brandschutzplaner hätten mehr Mängel als bisher vermutet an den Sicherheitsanlagen des neuen Airports festgesellt, hieß es am Wochenende. Die zuständige Firma habe "Abweichungen zwischen Brandschutzkonzept, Baugenehmigung und baulicher Realisierung des Flughafens" eingeräumt, teilte Technik-Chef Amann mit. Die Stellungnahme des Planungsunternehmens habe ergeben, "dass noch nicht für alle offenen Punkte tragfähige Lösungen vorliegen". Er arbeite mit Experten an diesen Problemen. "Die weiteren Beratungen in den nächsten Tagen werden Klarheit bringen".

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Flughafensprecher Ralf Kunkel bestätigte, dass es von Montag an Gespräche und Beratungen zu den neuen Mängeln gebe. Von einer Krisensitzung sei aber keine Rede. Bis es konkrete Ergebnisse aus den Gesprächen gebe, werde es noch einige Tage dauern. Geplant sind Beratungen mit Brandschutzgutachtern, Planern und Baufirmen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung müssen möglicherweise große Teile des Terminals wieder aufgerissen werden, weil behördliche Bauvorgaben nicht eingehalten worden seien. Beim Bau sei offenbar mehrfach gegen die Bauordnung verstoßen worden.

Die Brandenburger CDU verlangt noch in dieser Woche dazu Aufklärung. Ministerpräsident Matthias Platzeck müsse bei den Landtagssitzungen am Mittwoch oder Donnerstag Stellung beziehen. Trotz besseren Wissens habe er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg die massiven Probleme nicht benannt, warf der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dieter Dombrowski, dem Regierungschef vor.

Das Flughafendebakel wird für die beiden SPD-Politiker Platzeck und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit immer mehr zur Belastung. Wowereit trägt bei der Flughafengesellschaft die Verantwortung des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Ahnungslos im Bundestagsausschuss

Die Chefin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Popp, zeigte sich bereits am Wochenende besorgt über die Entwicklung. Entscheidend für den Eröffnungstermin im Oktober 2013 sei gewesen, dass nun weitergebaut werden könne. Müssten aber erst große Teile des Flughafens zurückgebaut werden, wanke der Zeitplan. Sie forderte eine "umgehende Information der Fraktionen im Abgeordnetenhaus" sowie eine Sondersitzung des Aufsichtsrates.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring bezweifelte, dass der Eröffnungstermin zu halten sei. "Es gibt einfach nach wie vor so viele Ungereimtheiten, dass es voreilig war, einen neuen Termin zu nennen", sagte er dem "Tagesspiegel". Er kritisierte zudem, dass der Verkehrsausschuss des Bundestages, dessen Mitglied er ist, während seiner Sitzung in der vergangenen Woche nicht über die neuen Probleme informiert worden sei.

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Quelle: n-tv.de

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