Wirtschaft
Zweimal umdrehen hilft nicht immer weiter: Europaweit ziehen die Preise an.
Zweimal umdrehen hilft nicht immer weiter: Europaweit ziehen die Preise an.(Foto: dpa)

Teuerung am Frühstückstisch: Inflation steigt auf Jahreshoch

Damit ist es amtlich: Die starken Preiserhöhungen bei Grundnahrungsmitteln wie etwa Butter, Milch, Eiern und Gemüse treiben die Teuerung in Deutschland auf den bislang höchsten Stand des Jahres. Ökonomen heben die Augenbrauen: Im Zentrum der Eurozone nähert sich die Inflation der Alarmschwelle.

Jeder Bundesbürger spürt es beim Einkaufen und Ausgehen: Lebensmittel haben sich zuletzt deutlich verteuert. Der jüngste Anstieg bei den Verbraucherpreisen hat die Teuerung in Deutschland nun offiziell auf den höchsten Stand seit Dezember 2012 geschoben.

Im Juli stieg die aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes von 1,8 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent. Die amtlichen Statistiker bestätigten damit eine erste Schätzung von Ende Juli. Im Vergleich zum Vormonat legten die Verbraucherpreise ebenfalls wie zunächst berechnet um 0,5 Prozent zu.

Im Mai hatte die Inflation nach Monaten des Rückgangs erstmals wieder auf 1,5 Prozent angezogen. Nun bewegt sie sich weiter in Richtung jener besonderen Marke bei 2,0 Prozent, die für Währungshüter und Analysten eine gewichtige Rolle spielt. Denn bis zu dieser Teuerungsschwelle sieht die Europäische Zentralbank (EZB) stabile Preise gewährleistet. Steigt der Preisauftrieb darüber, wächst der Handlungsdruck auf EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen. Seit Jahren fürchten kritische Beobachter, dass die historisch nie dagewesene Ausweitung der Geldmenge früher oder später in eine möglicherweise unkontrollierbare Preisspirale münden könnte.

Preissprung bei Kartoffeln

Für den aktuellen Aufwärtstrend ist allerdings eine ganz andere Entwicklung verantwortlich: Den amtlichen Angaben zufolge lässt sich der Anstieg auf den Bereich der Nahrungsmittel zurückführen. Hier kletterten die Preise im vergangenen Monat um 5,7 Prozent auf Jahressicht und zogen damit so stark an wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

So rechnen die Statistiker

Der Verbraucherpreisindex ist der zentrale Indikator zur Beurteilung der Geldwertentwicklung in Deutschland. Die Angaben dienen als Orientierungsmaßstab etwa bei Lohnverhandlungen oder in vertraglichen Vereinbarungen über die Höhe von wiederkehrenden Zahlungen (sogenannte Wertsicherungsklauseln). Der Index ist darüber hinaus eine wichtige Grundlage bei der Ermittlung des realen Wirtschaftswachstums.

Bei der Berechnung der Inflationsrate gehen die Statistiker von einem "Warenkorb" aus, welcher sämtliche Waren und Dienstleistungen enthält, die für die Konsumwelt in Deutschland relevant sind. Die Güter des Warenkorbs werden in rund 600 Kategorien eingeteilt. Die durchschnittliche Preisentwicklung für eine Güterart wird für die Berechnung der Inflationsrate jeweils mit dem Ausgabenanteil gewichtet, welchen private Haushalte in Deutschland für diese Güterart ausgeben.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im September 2008 mit 6,5 Prozent. Für die Verteuerung der Nahrungsmittel machen Fachleute unter anderem auch die Wetterkapriolen verantwortlich: Erst der lange Winter, dann die Überschwemmungen sowie zuletzt Hitze und Trockenheit verhinderten dem Bauernverband zufolge vielerorts eine gute Ernte.

Deutlich mehr Geld mussten die Verbraucher den Statistikern zufolge etwa für Speisefette und Speiseöle ausgeben. Hier betrug das Preisplus volle 15,4 Prozent. Die extra erfassten Preise für Butter zogen fast doppelt so stark an: Im Vergleich zum Juli 2012 war Butter zuletzt um 30,8 Prozent teurer. Für Gemüse allgemein mussten die Verbraucher 11,7 Prozent mehr Geld hinlegen. Speziell Kartoffeln verteuerten sich im Endverbraucherpreis um 44,4 Prozent. Die Preise für Molkereiprodukte und Eier zogen vergleichsweise moderat um insgesamt 6,1 Prozent an. Für Obst wurden im Schnitt 11,3 Prozent mehr verlangt - für Äpfel sogar 22,3 Prozent mehr.

Strom: plus 11,9 Prozent

Am Energiemarkt gehen die Bewegungen weiter auseinander: Während die großen Versorger über stark gefallene Stromgroßhandelspreise klagen, erhöhten sich die Energiepreise für Verbraucher binnen Jahresfrist um insgesamt 2,9 Prozent. Erheblich teurer war dabei - wie schon in den Vormonaten - Strom mit einem Preisplus von 11,9 Prozent. Günstiger im Vergleich zum Juli 2012 wurde leichtes Heizöl, und zwar um 3,6 Prozent. Der Preis von Kraftstoffe gab alles in allem um 0,1 Prozent nach.

Der Katalog der Inflationsbeobachter folgt ganz eigenen Kategorien und Abgrenzungen: Der separat erfasste Preisposten der "Zeitungen und Zeitschriften" verteuerten sich demnach um 4,1 Prozent. Tabakwaren waren um 3,6 Prozent teurer, was nach Angaben der Statistiker auf eine verspätete Weitergabe der Tabaksteuererhöhung zum Jahresbeginn 2013 zurückzuführen ist.

Nicht alles steigt im Preis: Ein um 4,5 Prozent günstigeres Preisniveau verzeichnete das Wiesbadener Bundesamt zum Beispiel im Verkauf von Kaffee. Für Geräte der Unterhaltungselektronik mussten die Verbraucher sogar 5,1 Prozent weniger zahlen als ein Jahr zuvor.

Spanien sinkt unter die Schwelle

Der für europäische Zwecke berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex markierte im Juli eine Erhöhung um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Diese Zahlen werden aber auf Grundlage eines anderen Warenkorbs berechnet. Sie sind Maßstab der Europäischen Zentralbank, die bei einer mittelfristigen Inflation von knapp 2,0 Prozent von stabilen Preisen spricht.

Wie es außerhalb Deutschlands bei den nationalen Inflationsraten in der Eurozone aussieht, lässt sich aktuell an Daten aus Spanien ablesen: In der viertgrößten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebiets ging die Inflationsrate im Juli deutlich zurück. Die für europäische Zwecke harmonisierte Teuerungsrate (HVPI) habe sich von 2,2 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent abgeschwächt, teilte das nationale Statistik-Institut INE in Madrid mit. Eine erste Schätzung von Ende Juli wurde damit bestätigt. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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