Wirtschaft
(Foto: imago/China Foto Press)

Zentralbanken drucken fleißig Geld: Steht Gold vor einem Comeback?

Die Druckerpressen der Notenbanken laufen weiter auf Hochtouren. Die Folge: Es gibt immer mehr Papiergeld. Die weltweite Goldmenge wächst dagegen kaum. Chancen, dass der Preis wieder anspringt? Die Einschätzungen von drei Experten.

teleboerse.de: Viele Anleger sehen Gold als Währung. Von Euro, Yen und Renminbi gibt es immer mehr. Ist das nicht ein perfektes Umfeld für einen festen Goldpreis?

Thomas Wukonigg: Nach der ersten Zinserhöhung der Fed sind am langen Ende der amerikanischen Staatsanleihen die Zinsen gefallen. Dadurch wird der Realzins noch negativer und Gold wieder attraktiver.

Carsten Riehemann: Vergangene Zinserhöhungszyklen haben dem Goldpreis zumindest nicht geschadet. Gerade vor dem Hintergrund eines sich abschwächenden US-Dollars gepaart mit erhöhter Inflation kann Gold 2016 tatsächlich positiv überraschen.

Uwe Günther: 2014 war Gold mit circa zwölf Prozent Performance für Euroanleger eine gute Anlage. Und 2015 lief es mit einem aktuell unveränderten Niveau auch nicht wirklich schlecht. Die Notenbanken sehen aber Gold als größte und einzige Konkurrenz zum ungedeckten Papiergeld. Das ist kritisch.

Gold hat 2015 auf keine Krise richtig reagiert: weder auf den Terror in Paris noch auf die faktische Pleite Griechenlands und den Krieg im Nahen Osten. Was ist noch nötig, damit das Edelmetall wieder steigt?

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH.
Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH.

Günther: Gold wird in den Maßeinheiten von Papiergeld-Währungen gemessen. Wenn also die gigantische Geldmenge irgendwann doch in der Realwirtschaft ankommen sollte, ist eine wichtige Bedingung erfüllt.

Wukonigg: Wenn die Fed und/oder andere große Notenbanken ihre Anleihenkaufprogramme wieder aufnehmen oder spürbar ausbauen würden, sollte Gold zu den Profiteuren zählen.

Riehemann: Wie gesagt, vor allem eine Trendwende beim US-Dollar und Inflationsängste könnten Gold wieder in Fahrt bringen.

Interessant ist, dass die russische Notenbank Gold gekauft hat und Russland gleichzeitig in die Kämpfe in Syrien eingestiegen ist. Weiß Wladimir Putin mehr als wir?

Riehemann: Nein. Wie wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, wird Gold nicht mehr als Sicherheitsanker für geopolitische Krisen gekauft.

Wukonigg: Die russische Notenbank sichert damit nur ihre Bilanz ab, nachdem der Rubel infolge der Wirtschaftssanktionen drastisch gesunken ist.

Günther: Ich sehe da auch keinen politischen Zusammenhang. Viele Notenbanken kaufen Gold oder denken darüber nach.

Kommen wir zum Rohöl. Der Iran kehrt mit Macht als großer Produzent auf den Weltmarkt zurück. Gleichzeitig rechnet sich das US-Fracking bei immer niedrigeren Preisen. Wie weit kann Öl noch sinken, oder haben wir den Tiefpunkt schon erreicht?

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.
Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Günther: Zuletzt ist eine schwache Weltwirtschaft auf ein steigendes Angebot getroffen - mit gigantischen Finanzierungsbedingungen für viele Ölproduzenten. Der Bereinigungsprozess wird noch dauern.

Riehemann: An den Terminmärkten werden zurzeit für Öl-Futures mit längeren Laufzeiten höhere Preise als für solche mit kürzeren gezahlt. Diese Situation macht das Investieren momentan nicht interessant. Die aktuellen Rollverluste auf Sicht eines Jahres liegen bei mehr als 20 Prozent.

Wukonigg: Ich schätze das etwas anders ein. Die aktuelle Nachfrage liegt angeblich auf dem höchsten jemals gemessenen Niveau. Förderländer wie Venezuela oder Saudi Arabien haben mit ihren defizitären Staatshaushalten zum Teil enorme Probleme. Daher ist 2016 eine Förderkürzung seitens der Opec durchaus wahrscheinlich. Die Folge wären starke Preissprünge nach oben. Da allerdings viel Politik im Spiel ist, ist Timing nahezu unmöglich

Wo bestehen sonst noch Chancen im Rohstoffsektor?

Thomas Wukonigg ist Bankkaufmann und verantwortet bei der Capital-Forum AG u.a. das Portfoliomanagement.
Thomas Wukonigg ist Bankkaufmann und verantwortet bei der Capital-Forum AG u.a. das Portfoliomanagement.

Riehemann: Wir setzen auf Palladium. Sein Einsatz in der Automobilindustrie bei der Fertigung von Otto-Motoren sollte von der konjunkturellen Belebung in Europa und Asien profitieren. Außerdem sieht es so aus, als könne sich das Edelmetall nach einem Jahresverlust von mehr als 30 Prozent auf dem Niveau von 530 US-Dollar stabilisieren. Wir investieren für unsere Mandanten mit einem eingebauten Risikopuffer von 40 Prozent.

Wukonigg: Interessant sind derzeit vor allem breit aufgestellte Rohstoffmultis, die restrukturieren. Eine mögliche Pleite eines Großen à la Glencore könnte als final reinigendes Gewitter wirken.

Günther: Negativ. Aktuell sehen wir wegen der globalen Wachstumsschwäche kaum interessante Chance-Risiko-Relationen. Das kann sich jedoch ab Mitte 2016 nach einem weiteren Ausverkauf und einer Marktbereinigung durchaus ändern.

An den Rohstoffmärkten sind große Preisblasen geplatzt. An den Rentenmärkten warten wir darauf bereits seit Jahren. Sind wir dafür 2016 reif?

Riehemann: Klar ist für uns, dass das Investieren in Renten immer schwieriger wird.

Wukonigg: Scharfe Korrekturen wie im Laufe 2015 sind schon denkbar. Die Risikoaufschläge für High-Yield-Bonds sind in den USA bereits gestiegen. Ein Platzen bei Staatsanleihen halten wir jedoch für unwahrscheinlich.

Günther: Die Notenbanken werden den Markt für Staatsanleihen mit allen Mitteln verteidigen. Danach kommen gute Unternehmensanleihen, dann Nachränge guter Schuldner und am Ende der Nahrungskette stehen Hochzinspapiere schwacher Schuldner. In der umgekehrten Reihenfolge kollabieren Schuldnerketten. Der Zeitpunkt ist offen, der Fakt meiner Ansicht nach nicht.

Die Notenbanken drücken die Zinsen künstlich nach unten, damit werden die Staatshaushalte beim Schuldendienst entlastet. Sind angesichts weltweit weiter steigender Schulden spürbar höhere Zinsen überhaupt denkbar?

Günther: Ein klares Nein, solange den Notenbanken die Situation nicht entgleitet.

Riehemann: Das sehe ich ähnlich. In den nächsten Jahren werden wir weiter sehr niedrige Zinsen behalten.

Wukonigg: Obwohl in einigen, wenigen Ländern wie Deutschland aus wirtschaftlicher Sicht höhere Zinsen gerechtfertigt wären, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Notenbanken am Gelddruckprozess wesentliche Änderungen vornehmen. Die Zinsen bleiben damit gedeckelt.

Wenn Aktien zu riskant sind, Gold out ist, und Anleihen keine Erträge mehr generieren – was bleibt als Alternative?

Wukonigg: Mit einer reinen Kaufen-und-Halten-Strategie sind in keiner der Asset Klassen noch zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Aktives Management mit konsequentem Risikomanagement ist wichtiger denn je.

Günther: Eine Alternative bieten Barmittel in Euro, etwas US-Dollar und Schweizer Franken sowie Gold- und Silbermünzen. Nachvollziehbare alternative Strategien, zum Beispiel Long/Short-Equity, werden wichtiger. Außerdem empfehle ich das lesen von Büchern über die Finanzmarktgeschichte und die aktuelle Geldpolitik.

Riehemann: Wir setzen neben Aktien auf Total Return Investments. Hier hat der Investor die Chance einen positiven Ertrag zu erwirtschaften, ohne das Aktien- und Rentenmärkte per se steigen müssen.

Disclaimer

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Quelle: n-tv.de

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