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"Mensch und Marge": Siemens baut 15.000 Stellen ab

Neue Besen kehren gut? Im Fall des Siemens-Chefs Kaeser räumen sie radikal auf. Der neue Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns plant den Abbau Tausender Arbeitsplätze, einen Großteil davon in Deutschland. Der Gesamtbetriebsrat kritisiert den Schritt als "rein margengetrieben".

Nach mehreren Gewinnwarnungen und einem Wechsel an der Konzernspitze räumt der neue starke Mann Joe Kaser bei Siemens auf: Im Zuge des laufenden Sparprogramms würden 15.000 Stellen abgebaut, sagte ein Konzernsprecher. Davon fielen rund 5000 in Deutschland weg. Am Ende des Geschäftsjahres 2011/12 hatte der Konzern rund 370.000 Beschäftigte weltweit, davon 119.000 in der Bundesrepublik

Die "Welt am Sonntag" hatte zuvor berichtet, dass nach Einschätzung von Analysten im kommenden Jahr etwa 10.000 Stellen abgebaut werden sollen. Bislang hatte sich Siemens nicht konkret dazu geäußert, wie viele Stellen dem Programm zum Opfer fallen werden.

"Kein zwangsläufiger Jobverlust"

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Über rund die Hälfte der 15.000 Jobs sei mit den Arbeitnehmervertretern bereits ein Interessensausgleich vereinbart. Über den verbleibenden Teil seien die Gremien bereits im Bilde, die Arbeitsplätze würden bis Herbst 2014 abgeschafft. Die Verhandlungen seien soweit abgeschlossen, Siemens wolle die grassierenden Spekulationen über das Thema nun beenden, sagte der Sprecher. Bisher sei es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen gekommen, dies solle auch weiter so bleiben. "Ein Abbau in einem Bereich bedeutet nicht zwangsläufig Jobverlust", sagte er.

Im Inland ist der konjunkturanfällige Sektor Industrie am stärksten von den Einschnitten betroffen. Dort fielen rund 2000 Arbeitsplätze weg, in den Segmenten Energie und Infrastruktur & Städte seien es je 1400. Die Belegschaft von Siemens werde zunächst insgesamt allerdings nicht schrumpfen, zum Geschäftsjahresschluss Ende September werde im Jahresvergleich der Beschäftigtenstand in etwa bei 370.000 weltweit stagnieren. Während die Münchner in manchen Bereichen Personal einsparen, würden in Wachstumsfeldern neue Leute eingestellt.

"Rein margengetrieben"

"Den Arbeitnehmervertretern wurde nie eine Gesamtzahl über den Abbau bekanntgegeben, daher sind wir überrascht und maßlos verärgert", sagte Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Nach wie vor lehne der Gesamtbetriebsrat ein "rein margengetriebenes Personalabbauprogramm ab".

Siemens brauche vielmehr ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Programm, bei dem der Mensch, und nicht die Marge im Mittelpunkt steht. "Das werden wir auch weiterhin in den Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite einfordern. Die Auseinandersetzungen zu diesem Thema sind noch nicht beendet."

Neuer Chef, alte Probleme

Die Zahlen zum Jobabbau kommen nur kurz nachdem die zuständige Personalchefin Brigitte Ederer ihren Abgang bei Siemens verkünden musste. Von mehreren Seiten hatte es geheißen, das Verhältnis zwischen ihr und den Arbeitnehmervertretern sei belastet gewesen.

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Der neue Siemens-Chef Kaeser hatte indes erst im August Peter Löscher als Vorstandschef des Dax-Konzerns abgelöst. Damals war sein erklärtes Ziel, den Konzern erst einmal wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Das habe "höchste Priorität", hieß es. Dabei gehe es ihm vor allem um die Beruhigung des von immer neuen Sparrunden verschreckten Konzerns. Renditen und neue Umbauprogramme hätten keine Priorität.

Kaeser hatte dabei vor allem um das Vertrauen der Siemens-Beschäftigten geworben. "Mensch und Marge" müssten bei Siemens im Einklang stehen. "Marge ist wichtig, weil ohne Gewinn kann man nicht investieren. Diese Gewinne erarbeitet man mit den Menschen, insofern ist Beides wichtig."

Gewinnprobleme

Siemens schwächelt vor allem beim Gewinn. 4,5 bis 5 Milliarden Euro wollte Löscher 2013 unter dem Strich ursprünglich einfahren. Doch schon Anfang Mai musste er seine ehrgeizige Prognose kassieren: Das Ergebnis werde sich nun "dem unteren Ende der ursprünglichen Erwartungen von 4,5 Milliarden Euro annähern".

Es war das fünfte Mal in Löschers sechsjähriger Amtszeit. Schuld ist laut Siemens das "anhaltend schwierige Marktumfeld" – die Konjunkturkrise in Europa macht dem Konzern schwer zu schaffen.

Quelle: n-tv.de

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