Wirtschaft

Lange Schlangen am SchalterStreich-Gerüchte bei der Bahn

24.05.2010, 12:57 Uhr

Der Streit um angebliche Kürzungspläne in den Reisezentren der Deutschen Bahn scheint beigelegt: Die Bahn weist entsprechende Berichte zurück. Bahn-Chef Grube muss die Gewerkschaften in einem gemeinsamen Gespräch beruhigen.

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Wer nicht gerne mit Automaten spricht, muss sich bei der Bahn hinten anstellen. (Foto: picture alliance / dpa)

Berichte über angeblich geplante Personalkürzungen in den Reisezentren der Deutschen Bahn haben am Pfingstwochenende für Wirbel gesorgt. Wie das "Westfalen-Blatt" berichtete, sollten bis 2014 mehr als ein Fünftel des Schalterpersonals eingespart werden. Im Gegenzug sollten deutlich mehr Fahrkarten an Automaten verkauft werden. Die Zahl der Reiseberaterinnen und Reiseberater sollten von derzeit rund 2400 auf nur noch rund 1900 zusammengekürzt werden, hatten die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA mitgeteilt. Die Bahn dementierte: "Solche Pläne sind weder an maßgeblichen Stellen des Konzerns bekannt, noch vom Konzernvorstand gebilligt." Am Montag hieß es dann von Gewerkschaftsseite, Bahnchef Rüdiger Grube habe in einem gemeinsamen Gespräch zugesichert, dass es keinen Personalabbau in den Reisezentren geben werde.

Die Gewerkschaften hatten zuvor erklärt, das Unternehmen begründe die angeblich geplante Streichung von mehr als 500 Stellen damit, dass Tickets verstärkt am Automaten gekauft und über das Internet gebucht werden. Derzeit werden nach Angaben der Bahn bereits die meisten Fahrkarten (27,7 Prozent) am Automaten verkauft; es folgen Reisezentren mit 26,7 Prozent, das Internet mit 17,2 Prozent sowie Agenturen und Reisebüros mit 15,9 Prozent. berichtete.

Die Klientel der Bahn bestehe aber nicht nur aus "surfenden virtuellen Kunden, sondern aus Menschen mit Fleisch und Blut, die dann am Schalter stehen", hatte Transnet-Vorstand Reiner Bieck und GDBA-Vize Peter Tröge die angeblichen Pläne kommentiert. Der Beratungsbedarf beim Ticket-Kauf sei nach wie vor hoch. Deshalb sei es nötig, einen vernünftigen Personalbestand in den Reisezentren zu erhalten.

Surfer werden bevorzugt

Die Mitarbeiter in den Reisezentren seien "schon jetzt an der Belastungsgrenze angekommen", erklärten die Gewerkschafter. An vielen Standorten ließen sich die Kundenschlangen kaum bewältigen. Nicht weniger, sondern mehr Personal müsse die Antwort auf die Kundenanforderungen sein. Am Freitag hatten Gewerkschaftsmitglieder in großen Reisezentren wie in Hamburg, Köln, Leipzig oder München auf Personalengpässe aufmerksam gemacht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn beklagt, dass die Bahn seit Jahren die Zahl ihrer Fahrkartenschalter verringere und die Öffnungszeiten in den Reisezentren verkürze, wie das "Westfalen-Blatt" berichtete. Die Bahn verliere die Kundengruppe, die die Tickets am Schalter kaufen wolle, immer mehr aus dem Blick. Vor allem im ländlichen Raum sollte die Bahn, ähnlich wie bei den Postagenturen, Verkaufsstellen in Geschäften einrichten, die längere Öffnungszeiten hätten, sagte Pro Bahn-Chef Karl-Peter Naumann der Zeitung. Zudem müsse es vermehrt Ticketautomaten in Zügen geben.

Quelle: mmo/dpa/AFP