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Langfristige Aufstellung: Streik kostet Post die Jahres-Ziele

Der wochenlange Streik bei der Post verhagelt dem Unternehmen die Bilanz. Hinzu kommt ein kriselndes Frachtgeschäft. Ergebnis und Umsatz sacken ab. Konzernchef Appel spricht nun von einem Übergangsjahr, sieht sich aber auf Kurs.

Der Deutschen Post hat der wochenlange Streik das Quartalsergebnis verhagelt. Nach Kosten in dreistelliger Millionenhöhe sind die bisherigen Jahresziele nicht mehr zu erreichen - deshalb kappt der Konzern die Ergebnisprognose. So sollen Ende des Jahres vor Zinsen und Steuern (Ebit) noch 2,95 Milliarden bis 3,1 Milliarden Euro als Gewinn erwirtschaftet werden - rund 100 Millionen weniger als bisher.

Ursprünglich hatte die Post sogar geplant, das Ebit auf 3,35 Milliarden bis 3,55 Milliarden Euro zu steigern. Doch schon vor einem Jahr war dies kassiert worden. Das Gewinn-Ziel hatte das Unternehmen damals in etwa um ein Jahr verschoben und für 2016 ein Ebit-Ziel von 3,4 Milliarden bis 3,7 Milliarden Euro ausgegeben. Dieses Ziel und die Prognose für 2020 gelten weiterhin, wie der Konzern bekräftigte.

Am Markt kamen die Zahlen nicht gut an. Am Morgen verlor die Aktie minus 3,2 Prozent. Die Erklärung des Streiks sei plausibel, allerdings habe der Markt wohl das Ausmaß der Belastung unterschätzt, sagte ein Händler.

Gewinn bricht ein

Konzernweit legten die Einnahmen vor allem dank positiver Währungseffekte um 7,3 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro zu. Organisch stieg der Umsatz um nicht einmal ein Prozent. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben davon jedoch nur 537 Millionen Euro nach 656 Millionen im Vorjahr übrig. Nach Steuern und Minderheitsanteilen verdiente die Post mit 326 Millionen Euro ein Drittel weniger.

"Nach der erfolgreichen Umsetzung unserer Strategie 2015 ist das laufende Jahr für uns das Jahr des Übergangs", sagte Konzernchef Frank Appel mit Blick auf die schwachen Zahlen. Dafür habe man bewusst kurzfristige Ergebnisbelastungen in Kauf genommen. In den nächsten Jahren sollen sich die Maßnahmen zur Neuausrichtung positiv auswirken und das Unternehmen für die Zukunft richtig aufstellen.

"Mehrere Besonderheiten"

Im zweiten Quartal habe es "mehrere Besonderheiten" gegeben, erläuterte Finanzchef Larry Rosen. Damit sprach er auf die Neuausrichtung und Restrukturierung in mehreren Sparten an.

In der Sparte PeP, ehemals Brief, habe man sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen "tragfähigen Tarifabschluss" für die nächsten Jahre geeinigt, sagte Rosen. Dennoch sei an mehr als 50 Tagen gestreikt worden, sodass die Kosten für die Arbeitsniederlegungen das zweite Quartal mit 100 Millionen Euro belasteten, was somit auch zu der Senkung der Prognose geführt habe.

Rein operativ habe die Sparte einmal mehr vom boomenden Paketgeschäft durch den Internethandel profitiert. Der Sparten-Umsatz stieg um 1,9 Prozent. Das operative Ergebnis wurde jedoch durch die Streikkosten stark belastet und sackte um 60 Prozent ab.

Weniger Aufträge aus Luftfracht

Zudem strengt der Konzern Restrukturierungsmaßnahmen in der Fracht-Sparte sowie im Bereich Supply Chain an. Insbesondere in ersterer hapert es seit längerem. Dort hatte die Post bereits im Jahr 2012 mit der Implementierung eines neuen IT-Systems begonnen, welches die Sparte deutlich effizienter und profitabler aufstellen soll. Wahrscheinlich im dritten Quartal, sagte nun der Finanzchef, werde sich die Post dazu äußern, ob man am derzeitigen System festhalte oder sich für ein anderes System entscheide.

Im zweiten Quartal stiegen die Einnahmen in der Sparte zwar. Währungsbereinigt sank der Umsatz jedoch um 1,5 Prozent. Das resultiere vor allem aus weniger Aufträgen aus der Luftfracht. Das Ebit sank um mehr als 60 Prozent auf lediglich 40 Millionen Euro. Ein positiver Einmaleffekt von 99 Millionen Euro aus dem Verkauf von Anteilen an der chinesischen Logistikfirma Sinotrans sei bereits in die Restrukturierung geflossen, hieß es weiter.

Lichtblick Express-Geschäft

Auch im Bereich Supply Chain, also den Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Kunden, will die Post weiter die Strukturen optimieren. Die Einnahmen stiegen um gut zwölf Prozent. Währungsbereinigt lagen die Erlöse jedoch nur knapp über dem Vorjahr. Vor allem niedrigere Treibstoffzuschläge hatten ein stärkeres Wachstum verhindert. Finanzchef Rosen betonte jedoch, die Sparte habe gute neue Aufträge generiert, beispielsweise aus der Auto- und Gesundheitsbranche.

Einziger Lichtblick war einmal mehr das Geschäft mit Expresszustellungen. Dort erzielte der Konzern ein Umsatzplsu von fast zwölf Prozent. Vor allem Eilzustellungen über Ländergrenzen hinweg sorgten für das Wachstum.

"Grundsätzlich sind wir mit den Fortschritten in vielen Bereichen zufrieden", betonte Rosen. Es seien wichtige Maßnahmen eingeleitet worden, um ab dem nächsten Jahr deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen und die Strategie 2020 zu erfüllen.

Quelle: n-tv.de

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