Wirtschaft
Ein Streik werde nicht leichtfertig ausgerufen, sagt EVG-Chef Kirchner.
Ein Streik werde nicht leichtfertig ausgerufen, sagt EVG-Chef Kirchner.(Foto: picture alliance / dpa)

Tarifstreit bei der Bahn: Streikt bald auch die EVG?

Bei der Bahn gibt es nicht nur einen Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern, auch die Gewerkschaften untereinander zoffen sich. EVG-Chef Alexander Kirchner schließt inzwischen Streiks nicht mehr aus - und macht der GDL Vorwürfe.

Nach dem erfolglosen Spitzengespräch zwischen der Bahn und den beiden konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG schließt die EVG einen Streik nicht aus. "Das hängt vom Verhandlungsverlauf mit der Deutschen Bahn ab", sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner. "Wenn wir da konstruktiv weiterkommen, ist von unserer Seite kein Streik nötig." Andernfalls sei ein Streik nicht auszuschließen. "Das ist aber kein Mittel, das wir leichtfertig ausrufen", betonte Kirchner

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Im blockierten Tarifkonflikt bei der Bahn steigt inzwischen der Ärger im Arbeitnehmerlager. Die EVG gab der GDL die Schuld an der festgefahrenen Situation. In dem dreieinhalbstündigen Gespräch sei erneut deutlich geworden, dass die GDL nicht alles dafür tun wolle, dass es am Ende einen einheitlichen Tarifabschluss geben könne, sagte Kirchner. "Eine Spaltung der Belegschaft kann nicht unser Ziel sein."

Im Zentrum des Streits steht bei dieser Tarifrunde nicht die Forderung nach mehr Geld oder kürzeren Arbeitszeiten, sondern ein Machtkampf im Gewerkschaftslager. GDL und EVG streiten darum, wer welche Berufsgruppe vertreten darf. Die GDL will nicht mehr nur das Mandat für die Lokführer, sondern auch für das Servicepersonal. Bisher war das die Domäne der EVG. Die Deutsche Bahn fürchtet, dass es künftig für die gleiche Arbeit unterschiedliche Tarifverträge und Bezahlungen geben könnte. Das will der Vorstand des Schienenkonzerns unbedingt vermeiden, weil es für erheblich mehr Unfrieden bei den Beschäftigten sorgen würde.

Die Bahn hatte versucht, das Patt zu lösen, indem sie beide Gewerkschaften an einen Tisch holte. Sie sollten sich verpflichten, einen gemeinsamen Tarifvertrag zu unterstützen, der sowohl für GDL als auch EVG-Mitglieder gilt. Vorbild waren die Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst. Dieser Ansatz ist aber vorerst gescheitert, wie auch die Bahn einräumte. Sie will an diesem Freitag mit beiden Gewerkschaften getrennte Verhandlungen beginnen. Ziel bleibe allerdings, "konkurrierende Regelungen für eine Berufsgruppe zu vermeiden".

Der EVG-Vorsitzende räumte ein, dass für die Bahnkunden der lähmende Konflikt nur schwer nachzuvollziehen ist. "Das schadet dem Klima bei der Bahn und der Gewerkschaftsbewegung", sagte Kirchner. Die jetzige Situation sei eine Niederlage für die Beschäftigten. Die EVG wird am kommenden Freitag ab dem Vormittag bis in den Nachmittag hinein mit der Bahn verhandeln. Im Anschluss daran sind die Gespräche mit der GDL angesetzt.

Quelle: n-tv.de

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