Wirtschaft

Gesamteuropäisches Gerangel: Stresstests-Zeitplan wackelt

Der Fahrplan zur Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse für 91 europäischen Banken gerät ins Wanken. Immer mehr Stimmen fordern eine vorzeitige Veröffentlichung. Offenbar wachsen unter den Verantwortlichen die Sorgen vor nervösen Überreaktionen an der Wall Street.

Operation am offenen Finanzsystem: Auch in Frankfurt fände man es schön, wenn sich die Europäer auf einen verbindlichen Zeitplan festlegen könnten.
Operation am offenen Finanzsystem: Auch in Frankfurt fände man es schön, wenn sich die Europäer auf einen verbindlichen Zeitplan festlegen könnten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die europäischen Aufsichtsbehörden erwägen offenbar, die Veröffentlichung der Ergebnisse des Belastungstest der europäischen Bankenbranche auf Freitagmorgen vorzuverlegen.

Eine mit diesen Überlegungen vertraute Person sagte am Mittwoch, in den europäischen Aufsichtsbehörden zirkuliere die Idee, die Daten schon um 8.00 Uhr MESZ zu veröffentlichen. Derzeit ist die Veröffentlichung offiziell noch für 18.00 Uhr MESZ geplant.

"Der Grund ist, dass wir eine Veröffentlichung derartigen Datenmengen bei geöffneten Märkten vermeiden wollen, die für diese Daten empfänglich sind", sagte die Person.

Zuvor war bereits aus dem Umfeld europäischer Regulierungsbehörden durchgesickert, dass insbesondere Frankreich auf ein Vorziehen des bisher angepeilten Termins am Abend dringe. Bei einer früheren Bekanntgabe könnten die europäischen Börsen noch auf die Ergebnisse reagieren. "In Frankreich fürchtet man, dass sonst die US-Märkte die Deutungshoheit über die Zahlen haben", sagte ein Insider.

Isolierte Paris-Sorgen?

Zunächst standen die Franzosen mit ihrer Forderung offenbar alleine da. In anderen Staaten wurde darauf hingewiesen, dass die europäischen Aufseher bereits den Termin öffentlich bekanntgegeben haben. Daher könne man da nicht mehr daran rütteln.

Auf die Gerüchte angesprochen bestätigte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde lediglich, dass die Ergebnisse am Freitag veröffentlicht würden. Zur Uhrzeit äußerte sie sich nicht.

Mit den Stresstests werden die Auswirkungen eines Wirtschaftsabschwungs und eines Kursverfalls an den Staatsanleihe-Märkten auf die Bankbilanzen geprüft. 91 Institute aus Europa nehmen an der Belastungsprobe teil. Die Ergebnisse sollen am Freitag von dem europäischen Aufsichtsgremium CEBS und anschließend von den einzelnen Instituten veröffentlicht werden.

Aus Deutschland wird Finanzkreisen zufolge voraussichtlich nur der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) durchfallen, da die Kapitalausstattung dort unter Stressbedingungen angeblich zu stark abschmilzt.

Hinweise aus Österreich

Unabhängig von der Diskussion um den Zeitplan sprach sich der Chef der zweitgrößten österreichischen Bank für eine Rangliste der Teilnehmer am europaweiten Stresstest aus. "Das Wichtigste ist, dass die Stresstest-Ergebnisse vergleichbar und transparent sind", sagte Erste-Bank-Vorstandschef Andreas Treichl nach einem Treffen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit rund 40 Bankern in Frankfurt. Er hoffe und glaube, dass die Aufsicht ein Ranking der Banken veröffentlichen werde, so Treichl weiter. "Dann können sich die Investoren selbst ein Bild machen", fügte er hinzu.

Andere Banker hatten gewarnt, dass eine Rangliste ein falsches Bild geben könne, unter anderem weil in den verschiedenen Ländern teils unterschiedliche Abgrenzungen für das Eigenkapital gelten.

Über die Inhalte des Gesprächs mit Trichet zwei Tage vor der Veröffentlichung der Stresstests sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Treichl.

Man habe aber bei dem Treffen der Chefs der größten europäischen Banken mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und anderen hochrangige EZB-Vertretern nicht über eine vorzeitige Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse gesprochen, sagte Treichl. Das sei kein Thema gewesen.

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Quelle: n-tv.de

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