Wirtschaft
Unruhe bei der Deutschen Bahn: Utz-Hellmuth Felcht gerät wegen des Abgangs von Rüdiger Grube in die Kritik.
Unruhe bei der Deutschen Bahn: Utz-Hellmuth Felcht gerät wegen des Abgangs von Rüdiger Grube in die Kritik.(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Vorwürfe wegen Grube-Abgang: Stuhl von Bahn-Chefaufseher Felcht wackelt

Der Rücktritt von Bahnchef Grube kam selbst für den Verkehrsminister überraschend. Deshalb bestellt er den Chefaufseher ein. Der weist eine Verantwortung an der Eskalation zurück. Mitglieder des Aufsichtsrats sehen das anders.

Bei der Deutschen Bahn ist nach dem Rücktritt von Vorstandschef Rüdiger Grube nun der Vorsitzende des Aufsichtsrats unter Druck. Utz-Hellmuth Felcht wurde von anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums für die missglückte Vertragsverlängerung Grubes verantwortlich gemacht. Anonym warfen sie Felcht vor, die Aufsichtsratssitzung schlecht vorbereitet und dann nicht im Griff gehabt zu haben.

Felcht traf sich derweil mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Berliner Ministeriumssitz. Nach rund einer Stunde verließ er das Ministerium über den Hinterausgang ohne eine Erklärung. Unmittelbar vor der Begegnung hatte Felcht gesagt, er erwarte "einen Austausch, eine Diskussion über das, was da am Montag abgelaufen ist".

Spekulationen über Nachfolger

Rüdiger Grube hat seinen Hut genommen.
Rüdiger Grube hat seinen Hut genommen.(Foto: dpa)

Die alleinige Verantwortung für Grubes Rückzug wies Felcht von sich: "Wer unsere Pressemeldung richtig gelesen hat, kann eindeutig nachlesen, dass die Entscheidung dort einstimmig gefallen ist." Grube war wegen Differenzen über seine Vertragsverlängerung in der Aufsichtratssitzung am Montag zurückgetreten. Dobrindt zeigte sich wenig später vor Journalisten überrascht. Er bestellte daraufhin Felcht zu dem Gespräch ein.

Auf die Frage nach einer möglichen Ablösung des Aufsichtsratschefs sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, sein Haus beteilige "sich an solchen Personalspekulationen nicht". Er verwies auf die erste Reaktion Dobrindts auf Grubes Rücktritt, wonach am Montag "beide Seiten" wenig Einigungsbereitschaft gezeigt hätten. Mit den beiden Seiten seien Aufsichtsrat und Vorstandschef gemeint gewesen, fügte er hinzu.

Als potenzieller Nachfolger Felchts wurde allerdings in der großen Koalition Michael Frenzel genannt, der frühere Chef des Touristikkonzerns Tui. Im Staatsunternehmen Deutsche Bahn wird der Aufsichtsratschef von der Bundesregierung bestimmt.

Grube wendet sich an Mitarbeiter

Grube erklärte unterdessen in einem Brief an die Bahn-Mitarbeiter seine Beweggründe für den spontanen Rücktritt. Er habe vom Personalausschuss die Zusage gehabt, "dass mein Vertrag um drei Jahre bis zum 31.12.2020 verlängert wird", schrieb Grube in dem auf Dienstag datierten Papier. Nachdem "man dann in der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mir diese bereits erteilte Zusage auf zwei Jahre kürzen wollte, obwohl ich auf Gehaltssteigerung und Abfindung verzichtet hätte, musste ich eine klare Entscheidung treffen". Grube bat die Mitarbeiter um Verständnis für seine Entscheidung. "Aber wie Sie wissen, komme ich vom Bauernhof, da habe ich gelernt, was Geradlinigkeit und zu seinem Wort stehen bedeuten."

In der "Zeit" kritisierten namentlich nicht genannte Aufsichtsräte die Sitzungsleitung Felchts vom Montag. Als die Vertreter des Eigentümers Bund die Laufzeit des Vertrags noch einmal hinterfragt hätten, habe sich eine lange und heftige Diskussion entsponnen. Schließlich hätten auch die Gewerkschafter und Betriebsräte gefragt, ob zwei statt drei weitere Jahre für Grube nicht doch reichten, schildert die Zeitung den Verlauf. "Das hätte Felcht einfach abmoderieren können, es war ja alles im Vorfeld ausdiskutiert worden", wird ein Teilnehmer zitiert. Stattdessen habe der Vorsitzende die Diskussion laufen lassen.

Quelle: n-tv.de

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