Wirtschaft
Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum: Das Projekt Bard Offshore 1 wächst.
Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum: Das Projekt Bard Offshore 1 wächst.(Foto: dpa)

Offshore ohne Bayern und Schwaben: Südweststrom gibt Windpark auf

Die Aufbruchsstimmung in der deutschen Energiepolitik erhält einen empfindlichen Dämpfer: Nach Verzögerungen beim Bau springt einem Offshore-Entwickler in der Nordsee ein richtungsweisender Großkunde ab.

"Wir bedauern sehr, dass wir den Windpark nicht kaufen können": Bettina Morlok.
"Wir bedauern sehr, dass wir den Windpark nicht kaufen können": Bettina Morlok.(Foto: SüdWestStrom)

Der Stadtwerkeverbund Südweststrom steigt aus einem milliardenschweren Windkraft-Projekt in der Nordsee aus. Die Gesellschafterversammlung habe entschieden, den Kauf des von Pannen begleiteten Windparks "Bard Offshore 1" vorerst nicht weiterzuverfolgen, teilte die Gesellschaft in Tübingen mit.

"Die Verzögerungen beim Bau und die nicht absehbaren Risiken bis zur Fertigstellung waren ausschlaggebend", erklärte Südweststrom-Geschäftsführerin Bettina Morlok. "Wir bedauern sehr, dass wir den Windpark nicht kaufen können." Eine extra eingerichtete Beteiligungsgesellschaft sowie eine Projektgesellschaft werden zum Ende des Jahres aufgelöst.

Der Windpark, der rund 90 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum errichtet wird, soll nach seiner Fertigstellung mit einer installierten Leistung von 400 Megawatt Strom für bis zu 400.000 Haushalte liefern. Während der Planungsphase galt es bislang als so gut wie sicher, dass Südweststrom 70 Prozent der fertigen Anlagen kauft und dann betreibt.

Ursprünglich war die Fertigstellung des Windparks für 2011 geplant. Voraussichtlich wird der komplette Windpark aber erst Ende 2013 fertig sein und mit allen 80 Windkraftanlagen ans Netz gehen können.

Beim Bau betreten die beteiligten Ingenieure in vielerlei Hinsicht Neuland: Als Vorreiter auf ihrem Gebiet müssen sie sowohl Verfahren zum Bau entwickeln als auch Schwierigkeiten bei Verschleiß und Witterungsverhältnissen meistern. Auf sichere Erfahrungswerte können sie - anders als ihre Kollegen an Land - dabei nicht zurückgreifen. Erste Windräder drehen sich bereits und liefern seit knapp zwei Jahren Strom ins Festlandnetz.

Der Strom fließt bereits

Erst Mitte November hatte der Betreiber mitgeteilt, dass der Windpark mittlerweile die "100-Megawatt-Marke" erreicht habe. "Damit ist Bard Offshore 1 (...) der mit Abstand leistungsstärkste deutsche Windpark auf hoher See", hieß es in einer Mitteilung der Bard-Gruppe. Insgesamt werden demnach vor der deutschen Nord- und Ostseeküste aktuell etwa 200 Megawatt aus Windkraft produziert.

Welche Auswirkungen der Ausstiegsbeschluss auf die weitere Finanzierung des Windparks haben wird, blieb zunächst unklar. Von Seiten der Bard-Gruppe, die das Projekt neben anderen Windkraft-Vorhaben entwickelt und errichtet, lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Der Stadtwerkeverbund Südweststrom besteht aus 65 kommunalen Unternehmen aus Baden-Württemberg und Bayern. Angetreten ist der Verbund, um die beteiligten Stadtwerke "im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes (...) durch Kooperationen für den Wettbewerb (zu) rüsten".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen