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Grounded:(Foto: Reuters)

Suchoi 100 folgt dem Dreamliner: Superjet bekommt Startverbot

Der größte Kunde des russischen Flugzeugbauers Suchoi steht vor einem Problem: Die Behörden in Moskau entziehen vier Aeroflot-Jets vom Typ Superjet 100 die Zulassung. Es sind nicht die Batterien, die den russischen Hoffnungsträger lahmlegen.

Es ist ein neuer, schwerer Rückschlag für das Prestigeobjekt der russischen Luftfahrt: Nach mehreren Pannen haben die Behörden in Moskau vier Maschinen vom Typ Superjet 100 aus dem Verkehr gezogen.

Bei Tests seien Probleme mit dem Fahrwerk und den Flügelklappen festgestellt worden, teilte das Luftfahrtamt der Agentur Interfax zufolge mit. Russlands größte Fluglinie Aeroflot müsse neue Flugtauglichkeitszertifikate für die vier betroffenen Maschinen vorlegen. Insgesamt betreibt die frühere Staatsfluglinie zehn Superjets in ihrer Flotte. Aerflot ist damit zugleich größter Abnehmer der Maschinen dieses Typs.

In den ersten beiden Jahren seit Inbetriebnahme seien an jedem Modell diesen Typs Konstruktionsfehler festgestellt worden, teilte der Hersteller Suchoi mit. Demnach kann Aeroflot aber voraussichtlich Ende dieser Woche zwei der mit einem Flugverbot belegten Superjets wieder in seinen Dienst nehmen; die restlichen zwei vermutlich Ende des Monats.

Die Nachweise könnten wohl bis Ende Februar vorliegen, bestätigte der Superjet-Hersteller. Die Zeitung "Wedomosti" berichtete unter Berufung auf Informanten aus dem Umfeld der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazia, die Probleme beim Superjet 100 beträfen das Fahrwerk. Die Behörde habe deshalb die vorübergehende Stilllegung einiger dieser Flieger von Aeroflot angeordnet. Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" hatte vergangene Woche berichtet, dass 40 Prozent der bei der Flotte von Aeroflot registrierten Pannen auf das Konto des Superjets gingen.

Hoffnungsträger mit Kinderkrankheiten

Der auch mit westlicher Technik ausgestattete Superjet 100 ist das erste Passagierflugzeug, das in Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 entwickelt wurde. Er gilt als die große Hoffnung der russischen Luftfahrtindustrie. Das Mittelstreckenflugzeug hat Platz für bis zu hundert Passagiere und kann Entfernungen zwischen 3200 und 4620 Kilometern zurücklegen.

Mit dem Entwurf des Fliegers macht sich Suchoi zum Rivalen der beiden gut etablierten Marktführer im Kurz- und Mittelstreckensegment, dem brasilianischen Konzern Embraer und dem kanadischen Unternehmen Bombardier. Das erste Modell des Superjets wurde im April 2011 ausgeliefert.

Zuletzt hatten sich die Pannen im Praxisbetrieb des Superjets 100 gehäuft. So wurde im September 2012 ein Flug von Astrachan nach Moskau wegen eines technischen Defekts abgesagt. Wenige Wochen später musste eine SSJ-100 in Nabereschnyje Tschelny notlanden.

Der bislang folgenschwerste Zwischenfall mit einem Superjet ereignete sich im Mai vorigen Jahres: Bei einem Demonstrationsflug rammte eine mit 41 Passagieren und 4 Crew-Mitgliedern besetzte Maschine aus vollem Flug die Steilflanke eines Vulkans. Es gab keine Überlebende. Der abschließende Untersuchungsbericht konnte den Absturz ausschließlich auf menschliches Versagen zurückführen. Hinweise auf etwaige technische Probleme gab es nicht.

Aeroflot nutzt die 2011 zugelassene Mittelstreckenmaschine für Flüge mit bis zu 95 Passagieren. Die Zivilsparte des Kampfjet-Herstellers Suchoi hatte 2012 für den Superjet die offizielle Zulassung für die Europäische Union erhalten.

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Quelle: n-tv.de

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